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ADAC Motorwelt 05/1982

Goldgrube: Blech auf Rädern

 

„Vor ein paar Jahren konnte man die schnurrenden Autos und ratternden Motorräder noch für ein Taschengeld kaufen. Heute bieten dafür Sammler vierstellige Summen."


  • Spielwarengeschäfte wurden regelrecht durchwühlt

    „Mac, das kleine Motorrad mit dem technischen Wunderwerk unterm Blech, tuckert im Leerlauf vor sich hin. Der Fahrer mit der heißen Sportkappe und dem forschen Blick in Fahrtrichtung steht daneben und konzentriert sich scheinbar auf die Strecke. Dann schwingt er plötzlich entschlossen das Bein über den Sattel, gibt Gas und ab geht die Fahrt über den Wohnzimmerteppich. Kaum zu glauben, dass ein so programmierter Bewegungsablauf in der ca. 19 cm langen bunten Blechkonstruktion schon möglich war, lange bevor integrierte Schaltungen und elektronische Motorsteuerung das Kinderzimmer eroberten. Mac wurde seit 1948 von der Firma Arnold produziert. 1961 verließ das letzte Exemplar die Fabrik.

    Wer das Mini-Motorrad von damals gut aufgehoben hat, ist heute fein raus: Für ein neuwertiges Exemplar zahlen Sammler etwa 1.300 DM - bei kaum einer Geldanlage steigen die Preise derzeit so rapide wie beim Sammlerobjekt Blechspielzeug.

    So richtig losgegangen ist der Run, als 1976 die Firma Schuco in Konkurs ging und das Londoner Auktionshaus Sotheby die ganze Miniaturwelt des Schuco-Museums versteigerte. Findige Sammler begannen damals damit, kleine Spielwarengeschäfte auf dem Land bis in die hintersten Winkel des Lagers zu durchstöbern. Und gar nicht so selten fanden sich dabei originalverpackte Blech-Ladenhüter, die für drei- und vierstellige Summen an Liebhaber verkauft wurden.

    Kein Wunder, denn Nachschub in der Qualität der 30er bis 60er Jahre gibt es kaum noch. Das Blech wurde damals erst bunt bedruckt und danach gestanzt und gebogen. Die Farbgebung gelang damit schöner und detailreicher als bei den meisten modernen Plastik-Spielzeugen, wo erst das fertige Modell bedruckt wird.


  • Atemberaubende Feinwerktechnik unter der Blechhülle

    Die ersten Blechspielzeuge mit dem Federuhrwerk wurden schon Mitte des letzten Jahrhunderts als Einzelstücke hergestellt, um 1880 setzte die maschinelle Produktion ein. Die Auflagen wurden nie zu groß, denn schon damals war auch im Kinderzimmer Aktualität gefragt: Auf dem Gabentisch durften nur die neuesten Modelle liegen, und selbst neue Verkehrsvorschriften schlugen sich nieder: Als z.B. eine Verordnung das Hupen vor jeder Kreuzung befahl, brachte 1905 Lehmann den »Tut Tut« heraus.

    Dessen Fahrer mit dem Horn seiner Pflicht im Übermaß nachkam und mit Hilfe eines Blasebalges unausgesetzt Signal gab. Der »Tut Tut« wird heute gelegentlich schon für mehr als 2.000 Mark gehandelt.

    Für sparsame Zeitgenossen mag es unverständlich sein, daß so hohe Preise für simples Spielzeug gezahlt werden. Aber Rudger Huber, einer der größten Sammler und Händler in Süddeutschland, rühmt sich: „Zu mir kommen Leute, die auf einen Schlag 60.000 Mark ausgeben.“ Mehr noch: Der findige Bayer, der das Blechspielzeug bisher nur im Versandhandel vertrieben hat, will jetzt ein Ladengeschäft aufmachen. Der entlegene Standort in Altendorf im Altmühltal stört ihn überhaupt nicht: „Meine Kunden kommen aus ganz Europa und aus Übersee. Da spielt die Anreise keine Rolle mehr.“

    Wer Rudger Huber allerdings besuchen will, um sich in seine Kinderzeit zurückversetzen zu lassen, ist an der falschen Adresse. Denn - leider - ist das Sammeln als Kapitalanlage eine so bierernste Sache, daß »Berühren verboten«-Schilder dem Spieltrieb sofort ein Ende setzen. Echte Spitzenpreise erzielen nämlich nur Blechfiguren, die »unbespielt« sind, ohne Kratzer und möglichst noch in der Originalverpackung.

    Ein Jammer ist es schon, daß die meisten Autos und Motorräder in Glasvitrinen verschwinden. Denn in manchen Fahrzeugen tun atemberaubende Konstruktionen ihren schnurrenden Dienst. So gibt es ein Schuco-Motorrad, bei dem sich 10 verschiedene Kurvenkurse vorprogrammieren lassen, und ein alter Mercedes bietet mit Lenkradschaltung und einer echten Flüssigkeitskupplung höchste Detailtreue.

    Am besten aber gefällt mir der Polizeiwagen, der rückwärts in seine Garage fährt. Die Tore schließen sich, und gleichzeitig wird auf den Vorwärtsgang umgeschaltet. Hebt nun der kleine Polizist den Telefonhörer an der Seite der Garage ab, um eine neue Alarmmeldung entgegenzunehmen, dann muß er nur noch ein wenig an der Telefonschnur ziehen: Sofort springt das Garagentor auf, und der Polizeiwagen schießt ratternd seinem nächsten Einsatz entgegen.“
     

    Artikel im Orginal    PDF 4 MB

     

    ADAC Motorwelt 05/1982


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