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ADAC Motorwelt 05/1981

„Aber wir kamen noch gut davon“

 

Es war ein gelungener Urlaubstag gewesen. Die Familie Brodda hatte mit der 6-jährigen Tochter und einer Freundin des Mädchens den Walsroder Vogelpark besucht.

Am Nachmittag machte man sich auf den Heimweg nach Bremervörde. Da fand der Freizeitspaß an einer unübersichtlichen Kreuzung abrupt ein Ende.


  • Mit Tempo 90 seitlich gerammt

    Im einsetzenden Nieselregen übersah Erich Brodda auf der vorfahrtberechtigten Straße einen schnellen Wagen, der durch eine Kurve und eine Mulde verdeckt war. Der Wagen krachte mit ungefähr Tempo 90 in die linke Seite des Audi 80 der Familie Brodda. Deren Audi wurde herumgeschleudert, schlitterte mit dem Heck voraus quer über die Kreuzung, stieß gegen ein Verkehrsschild und landete in einem kleinen Graben. Das Auto war völlig demoliert - die Insassen aber kamen glimpflich davon:

    Erich Brodda erlitt nur einen Rippenbruch durch den Türgriff, der sich ihm in die Seite gebohrt hatte. Seine Frau Birgit auf dem Beifahrersitz verrenkte sich leicht einen Halswirbel. „Dass wir nicht schwerer verletzt wurden, verdanken wir nur der Tatsache, dass wir beide angegurtet waren“, sagt Erich Brodda.

    Das bestätigt ihm auch Unfallforscher Dr. Klaus Langwieder vom HUK-Verband. Denn wer von einem anderen Wagen seitlich getroffen wird, hat schlechte Chancen: 28 Prozent aller getöteten und 20 Prozent aller schwerverletzten Pkw-Insassen sitzen in den seitlich gerammten Autos.

     

    Anschnallpflicht seit 35 Jahren

     


  • Anschnallen macht für alle Insassen Sinn

    Das größte Risiko trägt dabei natürlich derjenige, der auf der Aufprallseite sitzt. Die eingedrückte Tür mit meist scharfen Kanten und der deformierte Dachbereich können ihn schwer verletzen. Deshalb meinen auch noch manche Gurtgegner, es sei in diesem Fall besser, keinen Gurt zu tragen, weil man dann nicht am Sitz festgehalten werde und sich noch schnell zur anderen Seite werfen könnte.

    „Diese Meinung ist eindeutig falsch“, betont Fachmann Langwieder. „Zum Reagieren fehlt die Zeit. Außerdem wirken beim Aufprall so große Kräfte auf den Körper, dass man sich ihnen nicht entgegenstemmen kann.“

    Zugegeben: Gegen die Verletzungen durch die direkte Krafteinwirkung an der Tür kann der Gurt nichts tun. Dafür beseitigt er aber eine andere große Gefahr: dass der Verunglückte aus dem Auto geschleudert wird, wenn die Tür aufgeht. Das passiert vor allem, wenn das Auto noch gegen ein anderes Hindernis prallt.

    Für den Insassen auf der „opposite side“, wie die Forscher sagen, der dem Aufprall gegenüberliegenden Seite, ist der Gurt auf jeden Fall lebenswichtig. Schon bei einer mittelschweren Seitenkollision mit Tempo 35 bis 40 km/h würde ein nichtangegurteter Fahrer oder Beifahrer mit einer Wucht von rund eineinhalb Tonnen zur Unfallseite hin geschleudert - und dort kann er sich selbst schwere bis tödliche Verletzungen holen und auch seinen Beifahrer noch zusätzlich verletzen.

    Überhaupt ist ein nichtangegurteter Insasse bei Seitenkollisionen immer eine große Gefahr für den Mitfahrer, egal, wer nun hinter dem Lenkrad oder auf dem Beifahrersitz sitzt und von welcher Seite der Wagen getroffen wird. Denn wenn ein Körper mit solcher Wucht gegen einen anderen Mitfahrer kracht, kann es leicht schwerste oder tödliche Verletzungen geben, vor allem am Kopf.

    Deshalb sollte jeder, der ins Auto einsteigt, Köpfchen haben und dafür sorgen, dass auch der Mitfahrer sich angurtet – schon im eigenen Interesse.

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    ADAC Motorwelt 05/1981


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