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ADAC Motorwelt 04/1981

Faktor „Mensch“

Kennen Sie den? Da wird von der Firma Strom GmbH ein Elektro-Auto angeboten, Preis: 18.000 Mark. 8.000 sind für das Auto, 10.000 für die 140 km lange Verlängerungsschnur...


  • Der Fahrer hat es in der Hand bzw. im Fuß

    Solche Witze erzählte man sich 1974, als uns die sogenannte Energiekrise beutelte, alles hektisch nach Alternativen rief, und man sich bereits in summenden Elektrokarren, pfeifenden Turbinenautos und Schwungrad-Vehikeln durch die Gegend fahren sah. Doch nichts ist passiert. Nach wie vor fahren wir mit den Verbrennungsmaschinen der Herren Otto und Diesel, und daran wird sich auch so lange nichts ändern, wie alle alternativen Antriebe und Kraftstoffe den Beweis für akzeptables Autofahren, und zwar unter allen Bedingungen, schuldig bleiben.

    Es ist ja nun auch keineswegs so, dass man die herkömmlichen Motoren zum alten Eisen zählen müsste. Im Gegenteil: Optimierte Brennräume und Zündanlagen, Klopfsensoren und Zylinderabschaltung sind geeignete und teilweise auch schon angebotene Mittel, um den Otto-Motor wirtschaftlicher und damit auch weiterhin attraktiv zu machen. Und der Diesel erlebt zur Zeit gar einen Boom: Seit moderne, temperamentvolle und sparsame Konstruktionen das Image des Selbstzünders als lahmer und lauter Nagler gründlich über den Haufen werfen, erfreuen sich Dieselmotoren bisher nie gekannter Beliebtheit.

    Sparsame Autos, soviel steht fest, gibt es heute genug. Egal, ob es sich dabei um Konstruktionen mit 2- oder 3zylindrigen Winzig-Motörchen handelt, ob um Diesel, oder ob dem Fahrer verbrauchssenkende Hilfsmittel zur Verfügung stehen: Mit lang übersetzten Schongängen (5. Gang, E-Gang, Overdrive), Stop-Start-Schaltern für Wartezeiten im Leerlauf, mit Schalt- und Verbrauchsanzeigen und Spoilern lässt sich ebenfalls Sprit sparen. Nur - man muss auch wollen. Sorgt sich Professor Ernst Fiala, oberster VW-Techniker: „Man kann noch so sparsame Autos bauen - wenn der Fahrer nicht mitspielt, ist alles umsonst.“

    Denn das, was der Fahrer beim Kraftstoffverbrauch durch intelligentes Fahren einsparen kann, bewegt sich in Größenordnungen, die sich durch technische Maßnahmen am Auto kaum erreichen lassen.

    Bei gleicher Geschwindigkeit kann man, am Beispiel eines Passat mit E-Gang, bis zu 59 % Sprit sparen. Konkret: Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h verbraucht der Motor im 2. Gang 13,1 Liter, im 3. Gang nur noch 7,5, im 4. nicht mal halb soviel wie im 2. Gang, nämlich 6,0 Liter, und im E-Gang sind es nur noch 5,4 Liter - es kommt eben nur darauf an, wie man fährt.


  • Den Motor nicht warmlaufen lassen

    Nicht zuletzt der von der MOTORWELT aufgestellte Weltrekord (Heft 01/1981) bewies, wie sparsam man heute auch mit Autos von der Stange fahren kann: Mit einer Tankfüllung wurde eine Strecke von 1.649 km zurückgelegt, was einem Durchschnittsverbrauch von nur 4,45 Litern pro 100 km entspricht. Unwirtschaftlich gefahren, hätte durchaus auch die doppelte Menge verbraucht werden können.

    „Vielleicht geben Sie mal ein paar Tips bekannt, wie man wirklich sparsam fährt“, schrieben uns daraufhin viele Leser. Hier sind sie:

    Das Sparen fängt bereits morgens beim Start an. Wer den Motor warmlaufen lässt, tut ihm nichts Gutes, denn wenn er nicht unter Belastung arbeitet, dauert es viel zu lange, bis er warm ist. Während dieser Zeit schlägt sich ein Teil der Kraftstoffmenge an den kalten Zylinderwänden nieder und wird nicht restlos verbrannt - eine höchst unwirtschaftliche Phase, die man so kurz wie möglich halten muss. Und das geht nur, wenn man sofort nach dem Anlassen losfährt denn nur so erreicht der Motor am schnellsten seine Betriebstemperatur.


  • Voll auf´s Gaspedal – und trotzdem sparen

    Beim Fahren heißt dann das oberste Gebot: Weg von hohen Drehzahlen! Das bedeutet nun allerdings nicht, dass man sich wie eine lahme Ente im Verkehr bewegen soll. Im Gegenteil: Sparsames Fahren beginnt - so unglaublich das auch klingen mag mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal. Der Motor arbeitet nämlich in Vollast-Nähe, wie das technisch heißt, am wirtschaftlichsten, und das bedeutet nichts anderes, als dass man beim Beschleunigen möglichst Dreiviertel-Vollgas geben sollte. Der Trick an der Sache ist aber: Man darf den Motor dabei keineswegs auf hohe Drehzahlen treiben, sondern muss so schnell wie möglich in den nächsthöheren Gang schalten. Der richtige Moment dafür kann durchaus schon bei einer Drehzahl von nur 2.000/min liegen.

    Wer keinen Drehzahlmesser hat, kann's auch mit Gefühl: Man muss zunächst einmal ausprobieren, wann der Motor den nächsthöheren Gang ohne Rucken akzeptiert - danach geht einem das frühe Hochschalten dann schnell in Fleisch und Blut über. Und dabei darf man auch ruhig einen Gang überspringen: Beispielsweise dann, wenn man den 2. Gang mal weit ausfahren musste, und anschließend eigentlich schon genug Tempo für den vierten drauf hat - dann kann man den 3. Gang glatt vergessen.

    Falsch ist es, wenn man das Gaspedal streichelt und sich mit langsam steigenden Drehzahlen durch die Gänge nach oben tastet. Wer sparen will, muss die Bereiche kleiner Lasten und hoher Drehzahlen meiden. Lieber voll aufs Pedal, schnell hochschalten und den Motor mit niedrigen Drehzahlen arbeiten lassen - dann läuft er mit einem hohen Wirkungsgrad, das heißt: Leistung und Verbrauch stehen im günstigsten Verhältnis zueinander.

    BMW hat das einmal in Zahlen ausgedrückt: Ein BMW 732i wurde unter drei verschiedenen Bedingungen auf 60 km/h beschleunigt, wobei die Schaltdrehzahl jedes Mal bei 2.000/min lag: bei starker, wirkungsgradoptimaler Beschleunigung verbrauchte der Motor 11 l/100 km, bei mäßiger Beschleunigung 13 l/100 km und bei schwacher Beschleunigung, mit der bis zum Erreichen der 60 km/h fast doppelt soviel Zeit verstreicht wie in den beiden ersten Fällen, schluckte der Motor 17 l/100 km.


  • Zügig beschleunigen und dann rollen

    BMW: „Wird statt bei 2.000/min erst bei 5.000/min in den nächsthöheren Gang geschaltet, erhöht sich der Verbrauch im 1. Fall um 15 %, im 2. Fall um 30% und im 3. Fall um 45%.“

    Jetzt kann man natürlich sagen: Ich will aber gar nicht zügig beschleunigen, sondern gemütlich bummeln. Klar: Wenn man nur mit dem geringsten Kraftstoffverbrauch von A nach B kommen will, fährt man am besten ganz langsam. Aber selbst dann ist es am besten, wenn man zügig beschleunigend und zügig schaltend auf die gewünschte Geschwindigkeit losgeht - und anschließend mit niedriger Drehzahl dahinrollt.

    Überhaupt: Wer sparen will, muss vielleicht seinen Fahrstil völlig ändern. So gehört beispielsweise auch das Runterschalten beim Abbremsen, etwa vor roten Ampeln, zu den absolut unnötigen Aktionen: Besser nimmt man ganz einfach den Gang raus und rollt im Leerlauf auf die Ampel zu. Dieselfahrer können auch getrost den Gang eingelegt lassen, sie müssen nur vom Gas gehen: Im sogenannten Schiebebetrieb fördert die Einspritzpumpe nämlich keinen Kraftstoff - Verbrauch also Null. Situationen, in denen es sich empfiehlt, entweder den Gang rauszunehmen oder auszukuppeln, bieten sich häufiger an als man denkt.

    Allerdings muss man im Verkehrsstrom mitschwimmen. Ein Sparfahrer, der mit Tempo 15 auf eine weit vor ihm liegende Rot-Ampel zurollt, benimmt sich nicht verkehrsgerecht - er zieht nur eine Schlange nach sich, die an der Ampel hinter ihm kleben bleibt. Man muss schon so fahren, dass der normale Verkehrsstrom nicht aus dem Rhythmus kommt.
    Mit niedrigen Drehzahlen rollen - das ist es, worauf es ankommt. Um die Haltbarkeit des Motors muss man sich dabei keine Sorgen machen. Solange er nicht gequält wird, was man bei zu niedrigen Drehzahlen am Rucken oder gar Klingeln spürt, passiert nichts.

    Und wenn man den Motor nicht braucht, dann stellt man ihn einfach ab. Vor geschlossenen Bahnschranken ist das bereits selbstverständlich, aber selbst beim Ampelstopp kann man damit schon den Verbrauch drücken. Das lohnt sich bereits bei Wartezeiten über 20 Sekunden - bei der Stop-Start-Anlage, die VW in seine Formel-E-Modelle einbaut (mit einem Hebel an der Lenksäule wird der Motor abgestellt, zum Anlassen tritt man nur aufs Gaspedal) jedoch schon ab 5 Sekunden, weil hier die Benzinzufuhr sofort unterbrochen wird. Minimale Restverbräuche, die sonst beim Abstellen per Zündschlüssel noch auftreten, werden bei diesem System verhindert.


  • Auf der Autobahn Vollgas vermeiden

    Alle anderen Maßnahmen, die den Spritverbrauch positiv beeinflussen, sind teilweise schon so alte Hüte, dass man sich fast scheut, sie noch zu nennen. Trotzdem: Dass der Luftdruck der Reifen eine enorm große Rolle spielt, wurde erst kürzlich bei einem Test der Rollwiderstände (MOTORWELT 03/1981) festgestellt. Bereits eine Erhöhung um 0,2 bar wirkt sich günstig auf den Benzinverbrauch aus.

    Zündung, Luftfilter, Kerzen müssen einwandfrei in Ordnung sein, um dem Motor die besten Voraussetzungen für wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen.

    Fahren Sie nicht unnötig mit einem Dachgepäckträger spazieren. Er sorgt nur für eine Verschlechterung des Luftwiderstandes und damit für höheren Verbrauch.

    Wer die Höchstgeschwindigkeit seines Autos meidet, kann erhebliche Mengen an Sprit einsparen. Hier ein paar Zahlen, an denen man erkennt, wie stark sich das Fahren mit hohem Tempo auf den Verbrauch auswirkt: Während ein Opel Kadett 1.3 bei Tempo 100 noch mit 7 Litern auskommt, werden bei 130 km/h bereits 10 Liter und bei 150 km/h 13,5 Liter verbraucht. Zurückhaltung im oberen Geschwindigkeitsbereich ist aber vor allem bei leistungsstarken Autos angebracht. So konsumiert ein BMW 735i bei 100 km/h zwar nur knapp über 9 Liter, bei 130 km/h 12 Liter und bei 150 km/h 14 Liter, bei 180 km/h werden jedoch bereits knapp 19 Liter und bei 195 km/h stolze 22 Liter geschluckt – 10 Liter mehr, als wenn man mit Richtgeschwindigkeit fährt.

    Auch hier erkennt man wieder deutlich: Der Fahrer hat es in der Hand, oder besser gesagt im Fuß, ganz nach Bedarf erhebliche Mengen an Sprit einzusparen.


  • Ökonometer zeigen meist falsch an

    Keine Ersparnisse lassen sich allerdings von den Dingen erwarten, mit denen dem Autofahrer gern der Mund wässrig gemacht wird. Von angeblich benzinsparenden Kraftstoffzusätzen und Pillen ist nur die Tatsache bekannt, dass sie Geld kosten; und teure Zusatzinstrumente, wie Ökonometer und Durchflußmesser (Ausnahme: einige Bordcomputer, z.B. VDO-Infobord), zeigen in der Regel völlig falsch an. Unterdruck-Meßgeräte mit Rot-Grün- oder Plus-Minus-Anzeigen weisen angeblich auf wirtschaftlichen oder unwirtschaftlichen Umgang mit dem Gaspedal hin, führen den Fahrer aber meist in die Irre: Immer dann, wenn der Motor mit dem besten Wirkungsgrad arbeitet, deuten die Uhren auf hohen Verbrauch, bei hohen Drehzahlen und wenig Gas zeigen sie Grün - genau falsch; nur bei Höchstgeschwindigkeit stimmt's in etwa. Womit sich eine besonders einfache Sparmaßnahme ergibt - man spart sich das Geld für den Kauf solcher Geräte.

     

    ADAC Motorwelt 04/1981


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