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25 Jahre Reisemobil VW California

Fernweh im Rückspiegel


Ein geschlagenes Vierteljahrhundert ist es her, dass in Deutschland die UEFA Fußballeuropameisterschaft ausgetragen wurde, Michael Gorbatschow New York besuchte, Steffi Graf als erste Deutsche die US Open gewann und Volkswagen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf seinen ersten eigenen Camper auf Basis des VW Bus T3 präsentierte. Unser Autor Egbert Schwartz blickt in den Rückspiegel.


  • Schon der Name klingt nach Fernweh

    Seien Sie mal ehrlich: Was klingt Ihnen beim Stichwort „California“ ganz spontan im Ohr? Das Brechen der Atlantikwellen am Strand von Venice Beach? Songs wie „California Dreamin'“ von den Mamas & Papas, „California Girls“ von den Beach Boys, „It never rains in Southern California“ von Albert Hammond oder – ganz legendär – „Hotel California“ von den Eagles? Okay, damit haben wir schon mal das Thema Fernweh, Urlaub und Entschleunigung angeschnitten. Vertiefen wir das jetzt in die automobil-klassische Richtung und tauchen ein in das Jahr 1988.

    Auf der VW-Bühne in den Düsseldorfer Messehallen sonnt sich ein Campingbus mit Aufstelldach im Licht der Scheinwerfer. Die Spots lenken den Blick des Publikums auf den geschwungenen Schriftzug an Front und Heck. „California“ prangt dort in bunt-illustren Lettern. Ein Name, der Fernweh wecken soll. Das Freizeitmobil aus dem Hause Volkswagen basiert auf der dritten Generation des VW Transporter (vulgo T3) und dem „Joker“, einem bereits 1978 vorgestellten VW T3 Camper aus dem Hause Westfalia.

    Das Grundlayout der Inneneinrichtung ist praxisgerecht einfach gestrickt und wird in den nächsten 25 Jahren und drei California-Generationen prinzipiell unverändert bleiben: Im Fond ist eine zweisitzige Klappbank installiert, die sich bei Bedarf zusammen mit einem Polster auf der Heckablage zu einer großflächigen Liege für zwei Personen umbauen lässt. Die linke Seite nimmt eine Küchenzeile mit einem 42 Liter fassenden Kühlschrank, einem zweiflammigen Gasherd, einer Nirosta-Spüle sowie rudimentärem Stauraum für Geschirr und Trockenlebensmittel ein. Daran schließt sich nach hinten ein weiterer Staukasten an, in dem der Fuß für einen kleinen Schwenktisch eingelassen ist. Im Heck ergänzt ein bis unter das Dach hochgezogener Mini-Kleiderschrank die Staukapazitäten und letztlich findet sich auch unter sowie hinter der Sitzbank noch Platz für eine Handvoll Freizeitutensilien.

    Sogar eine Ladung Frischwasser kann der T3 California mit an Bord nehmen: Immerhin 55 Liter passen in den Tank, der sich von außen befüllen lässt. Neben dem 1,88 x 1,20 Meter großen Sitzbank-Doppelbett im Erdgeschoss bietet der bei Kastenwagen-Ausbauer Westfalia gefertigte California eine weitere Liegestatt in der oberen Etage: Die ist bei der Variante mit Aufstelldach 185 x 122 Zentimeter, bei der Version mit festem GfK-Hochdach 194 x 116 cm groß. Ein ideales Urlaubsgefährt, das dank seiner kompakten Kleinbus-Maße (4,57 m Länge, 2,08 bzw. 2,61 m Höhe) auch für die tägliche Fahrt ins Büro oder zum Einkauf geeignet ist.


  • Im Diesel gilt: Der Weg ist das Ziel

    VW ruft seinerzeit einen Basispreis von 39.900,- D-Mark auf und bietet Motoren in drei Hubraumversionen und vier Leistungsstufen an: als 1,6-Liter Turbodiesel mit 70 PS, als 1,9-Liter Benziner mit 78 PS sowie als 2,1-Liter Einspritzer-Benziner mit 95-Katalysator-PS und 112 ungereinigten Pferdestärken.

    Dass sich das Gros der insgesamt rund 22.000 T3 California-Reisemobilisten seinerzeit (1988 bis 1991) für den kleinen Turbodiesel entscheidet, mag man aus heutiger Sicht nur bedingt nachvollziehen. Natürlich: Das Aggregat erweist sich als durabel, unverwüstlich und der Preis für einen Liter Diesel liegt mit 90,6 Pfennig (umgerechnet ca. 45,3 Cent) anno 1988 vergleichsweise günstig (Super kostet 1,04 DM, also ca. 51,9 Cent). Doch das Temperament des Selbstzünders animiert eher zu einem beschaulichen Reisetempo, gebirgige Strecken drücken den Schnitt gewaltig.

    Und so lautet auch unser Tourenmotto in diesen Tagen der Retrospektive, in denen wir mit den drei California-Modellgenerationen T3, T4 und T5 reisen: „Der Weg ist das Ziel“. Obwohl unser pastellweißer Aufstelldach-California (die Hochdach-Versionen kennt man meist in marsalarot) dank dem 95 PS-Einspritzer eine durchaus sportliche Gangart ermöglicht. Die jedoch, so muss man trotz der verklärten Freude an der Boxer-Akustik im Heck gestehen, auf den ebenen Sitzpolstern und am flach angewinkelten, schwergängigen Lenkrad sowie der weitläufig-teigigen Schaltkulisse im Bergaufgeläuf zur schweißtreibenden Arbeit ausarten kann. Allerdings nur, wenn man es eilig hat. Und wer hat das schon, wenn das Beta-Radio mit seinem quietschenden Cassetten-Laufwerk die guten, alten, lässigen California-Songs herunternudelt.

    Lehnen wir uns also entspannt zurück und lassen die Abendsonne im Rückspiegel untergehen: 80er Jahre Dreamin' im California.


    Fotos: Stephan Lindloff, VWN-Archiv, Hanni Wintersteiger, E. Schwartz


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