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Vor 125 Jahren

Erstmals Automobile exportiert


Zwei Schlüsselmärkte gibt es zunächst im Jahr 1888: Sowohl Benz wie auch Daimler vermarkten ihre Produkte in Frankreich, und Daimler setzt zudem auf den Vertrieb in den USA. Beide Nationen sind dem jungen technischen Produkt gegenüber sehr aufgeschlossen.

Es ist eine Pionierzeit – der Vertrieb des neuen und technisch aufwendigen Produkts Automobil muss vollständig neu aufgezogen werden. Anfangs werden die Produkte direkt ab Werk verkauft. Bald schon etablieren sich Handelsvertretungen im In- und Ausland, die teils in Herstellerregie, teils von privaten Kaufleuten betrieben werden. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind Automobile dann bereits auf allen Erdteilen vertreten. In vielen Ländern werden die neuartigen Fahrzeuge von Benz und Daimler als erste Autos überhaupt bestaunt.

Über die Verkaufserfolge nehmen die Stückzahlen zu, die Fahrzeuge werden weiterentwickelt, die Modellportfolios aufgefächert. So klingen bereits in der Frühzeit des Automobils sämtliche Themen an, die heute noch die Branche prägen – und die aus ihr auf der ganzen Welt einen starken Wirtschaftszweig gemacht haben.


  • Internationaler Durchbruch für das Automobil

    Der Benz „Patent-Motorwagen“ gilt als das erste Automobil der Welt. Am 29. Januar 1886 meldet Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Während Mannheimer Lokalzeitungen über das neue Gefährt berichten und ihm eine große Zukunft vorhersagen, ist Benz selbst zunächst vorsichtig. Er ist der Meinung, dass man keinen Wagen verkaufen könne oder dürfe, solange man selber als Fachmann noch nicht ganz mit ihm zurecht komme.

    Doch das ändert sich zwei Jahre später. Bertha Benz unternimmt im August 1888 die erste Fernfahrt mit dem Motorwagen. Mit ihren Söhnen fährt sie von Mannheim nach Pforzheim und zurück. Das überzeugt auch den Erfinder selbst von der Zuverlässigkeit und Marktreife seines Produkts. Er führt den Motorwagen im September 1888 auf der „Münchner Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“ vor und macht somit das Automobil einem breiteren Publikum bekannt.

    Frankreich verschafft ihm dann den Durchbruch zur Serienfertigung: Das erste Exemplar des Benz-Patent-Motorwagens in der weiterentwickelten Ausführung, bezeichnet als Modell 3, schickt Carl Benz 1888 an den französischen Ingenieur Émile Roger, der eine Werkstatt in Paris betreibt und bereits seit einigen Jahren die stationären Benz-Zweitaktmotoren vertreibt. „Er kam, sah und kaufte, erst einen Wagen, dann mehrere, schließlich viele“, schreibt Benz in seinen Lebenserinnerungen. Vom Modell 3 werden insgesamt rund 25 Stück hergestellt.

    Dieser Erfolg in Frankreich ist Wegbereiter für die weitere Fabrikation. Denn in Deutschland finden die Automobile von Benz zum damaligen Zeitpunkt nur wenige Käufer, wie der Erfinder 1914 in einem Brief an das South Kensington Museum in London schreibt. Der Leiter hatte ihn um eine authentische Auskunft über einen Benz Patent-Motorwagen aus dem Jahr 1888 gebeten, der gerade in den Besitz des Museums übergegangen war. „Erst als Émile Roger in Paris diese Neuerung bekannt gemacht hatte und einige Wagen dort eingeführt und verkauft waren […] konnten wir die Fabrikation regelrecht aufnehmen und hatten dann auch vollauf zu tun“, schreibt Benz.

    Das genannte Fahrzeug ist heute im Besitz des Science Museums, London, und steht seit 2009 als vorübergehende Leihgabe im Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg. Es ist das älteste komplett erhaltene Automobil der Welt.

    Émile Roger übernimmt nicht nur die Benz-Vertretung in Paris, sondern kümmert sich auch um den internationalen Verkauf. Er erhält das alleinige Vertriebsrecht für Frankreich und das übrige Ausland. So wird Roger nicht nur der erste Vertreter für Benz-Automobile, sondern bringt in der Anfangszeit auch die meisten Autos an den Mann – darunter auch das Fahrzeug, das heute im Besitz des Science Museums ist. Bis 1893 produziert die Firma Benz zwar nur 69 Fahrzeuge, aber mehr als 60 Prozent davon gehen an den Franzosen.

    Bis zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert liefert Benz & Cie. dann etwa ein Drittel der gesamten Produktion von gut 2.300 Automobilen nach Frankreich. Bestellbar sind Benz-Fahrzeuge in jedem Erdteil. Zum Beispiel gibt es neben Wien, Brüssel, Basel, Mailand, Moskau und London auch Vertreter in Barcelona, Budapest, Buenos Aires, Bukarest, Genf, Kairo, Kapstadt, Madrid, Melbourne, Mexiko-City, Nimwegen, Oporto, Pretoria, Singapur, Stockholm, Torres-Vedras, Vevey und Warschau.


  • Daimler: Vertrieb mit befreundeten Geschäftspartnern

    Auch für Gottlieb Daimler ist das Ausland anfangs der wichtigste Absatzmarkt. Seit seiner Zeit als Technischer Direktor der Gasmotoren-Fabrik Deutz in den 1870er-Jahren unterhält er freundschaftliche und geschäftliche Verbindungen zum Pariser Anwalt Edouard Sarazin. Der Mitinhaber der „Compagnie Française des Moteurs à Gaz et des Constructions mécaniques“ verfolgt Daimlers Treiben mit besonderem Interesse.

    Als der deutsche Erfinder Anfang der 1880er-Jahre in Cannstatt mit den Versuchen am schnelllaufenden Benzinmotor beginnt, besucht ihn der Anwalt und ist im Nu begeistert von den Ideen. Die beiden Freunde vereinbaren, dass Sarazin die neuen Motoren nach der Fertigstellung in Frankreich einführt: Er erwirbt per Handschlag die Anwartschaft auf die Auswertung aller künftigen Erfindungen Daimlers auf französischem Staatsgebiet.

    Gemäß der Vereinbarung schützt Sarazin bereits im Jahr 1886 Daimlers bis dahin in Deutschland angemeldete Patente auch in Frankreich. 1887 verhandelt Sarazin mit dem Unternehmer Émile Levassor über den Bau von Daimler-Motoren in Frankreich, den er wie dessen Kompagnon René Panhard noch aus der Studienzeit an der „L’Ecole centrale“ kennt. Ende 1887 stirbt Sarazin an einem Nierenleiden – doch zuvor hatte er seine Frau gebeten, Daimlers Erfindung in Frankreich weiter zu verbreiten. Also schreibt Louise Sarazin an Gottlieb Daimler und bietet sich an, die Arbeit ihres Mannes in Frankreich fortzuführen. Dieser nimmt „von Herzen gern an“, wie er antwortet, und trifft mit der neuen Geschäftspartnerin die Vereinbarungen für die Nutzung der Daimler-Patente in Frankreich. Die Lizenzfabrikation der Daimler-Motoren übernimmt wie geplant Levassor.

    Die Weltausstellung in Paris von Mai bis Oktober 1889 macht den schnelllaufenden Benzinmotor in Frankreich populär. Ein im Jahr 1890 erschienener Bericht zur Weltausstellung bezeichnet den Daimler-Fahrzeugmotor als die „bemerkenswerteste Konstruktion“. Das sehen andere Unternehmer offenbar ebenso: Nach der Ausstellung bieten sich einige französische Maschinenfabriken an, die Daimler-Produkte in Lizenz zu bauen. Gottlieb Daimler aber bleibt seinem Wort treu. Bereits am 5. Februar 1889 hatte er mit Louise Sarazin vereinbart, alle französischen und belgischen Patente auswerten zu dürfen, und stellte nur zwei Bedingungen: „Alle Verbesserungen und Vervollkommnungen, welche von beiden Seiten zustande gebracht werden, müssen den beiden Parteien zunutze kommen; alle Erzeugnisse müssen meinen Namen tragen und Sie werden mir keine Konkurrenz in anderen Ländern machen.“

    Kurze Zeit später überträgt Louise Sarazin alle Fabrikationsrechte gegen Zahlung einer Lizenzgebühr von 20 Prozent an die Firma Panhard & Levassor – 12 Prozent davon bekommt Daimler. „Auf diesen Vereinbarungen zwischen Gottlieb Daimler und Frau Sarazin einerseits und Frau Sarazin und Emile Levassor andererseits basierte die ganze französische Automobilindustrie“, heißt es dazu in einer 1950 verfassten Festschrift.


  • Anfänge 1888 in Amerika

    Bereits im Sommer 1888 gründet Gottlieb Daimler mit William Steinway, dem Inhaber der gleichnamigen Klavierfabrik in New York, als Gemeinschaftsunternehmen die „Daimler Motor Company“ mit Sitz in Long Island, New York, und überträgt Steinway vertraglich die Auswertung seiner Patentrechte auf Motoren und Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten und Kanada.

    Der Klavierbauer mit Hang zu Verbrennungsmotoren kümmert sich zunächst vor allem um das Marketing. Er versendet Prospekte und zeigt Daimlers Erfindungen in einer ständigen Ausstellung. 1891 werden in Hartford, Connecticut, im Auftrag von Steinway „zum ersten Male in den Vereinigten Staaten von Amerika Benzin-Motoren für Automobile erzeugt“, wie eine später angebrachte Gedenktafel an den Hartfordern Underwood-Werken besagt, und zwar „nach den Original-Plänen Daimlers“.

    Es heißt, dass Henry Ford im selben Jahr einen solchen Benzin-Motor sieht und daraufhin die Idee fallen lässt, selbstbewegliche Fahrzeuge mit Dampfmaschinen zu betreiben.


    Fotos: Daimler AG


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