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100 Jahre Aston Martin

 

Happy Birthday Aston Martin! Die britische Sportwagenmarke darf in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Eigentlich ein Wunder angesichts ihrer schicksalhaften Geschichte mit unzähligen Besitzerwechseln, wie unser Autor Egbert Schwartz beim Blick in den historischen Rückspiegel konzediert.


  • Scheunenfund am 18. Mai unterm Hammer

    Echte Scheunenfunde sind rar geworden heutzutage. Vor allem, wenn es sich bei der Entdeckung um Raritäten handelt. Einen Aston Martin DB5 Sports Saloon, beispielsweise, der über 30 Jahre in einer Garage schlummerte. Das Exemplar von 1964 hat gerade mal 48.000 Meilen auf der Uhr: Es wurde 1972 für 1.500 Pfund erworben, gut acht Jahre gefahren und dann 1980 in der Garage abgestellt.

    Rund 150.000 bis 200.000 Pfund könnte dieser DB5 erzielen, wenn er am 18. Mai bei einer Auktion des renommierten britischen Hauses Bonhams unter den Hammer kommt. Gut restaurierte Exemplare dieses Modells werden mittlerweile für über 320.000 Pfund gehandelt.

    Die Meldung über diesen Scheunenfund zum Auftakt des 100sten Geburtsjahres der britischen Marke hatte eine Art Symbolcharakter: Weil auch deren Gründungsakt in einer ehemaligen Stallung vollzogen wurde: Denn es begab sich seinerzeit, präzise am 15. Januar 1913, dass die Herren Robert Bamford und Lionel Martin im Londoner Stadtteil Chelsea eine Firma mit ihren Familiennamen gründeten.

    Zwar konzentrierte sich „Bamford and Martin Ltd.“ zunächst auf den Vertrieb von Singer-Automobilen. Doch weil Lionel mit dem Fahrverhalten seines 1.100 ccm-Singer Ten bei diversen Bergrennen nicht zufrieden war, konstruierte und baute das Duo schon bald eigene Sportwagen-Prototypen. Und brütete über einem eigenen Markenamen: „Wir hatten alle Blumen, wilden Tiere, Vögel und Fische, die wir kannten, durch, und dachten über Ortsnamen nach“, erläuterte Martin später.

    Pate stand schließlich das Aston Clinton Hillclimb in der Grafschaft Buckimshire, wo er „ein paar Punkte geholt hatte“. Daher „entschieden wir begeistert, den ersten Teil dieses Namens zu verwenden und meinen bescheidenen Familiennamen dranzuhängen“: Aston Martin also.


  • Zwischen Glamour und Konkurs

    Eine marketingweise Entscheidung, wie sich spätestens Anfang der 60er Jahre herausstellen sollte: Ein „Bamford & Martin“ DB5 hätte dem alsbald berühmtesten Geheimdienstler Ihrer Majestät wohl kaum zum cineastischen Gesicht gestanden. James Bond-Produzent Albert Romolo Broccoli wäre wohlmöglich auf eine andere britische Sportwagenmarke für seinen Hauptdarsteller Sean Connery ausgewichen.

    Ebenso wie seine TV-Lordschaft „Brett Sinclair“ (alias Roger Moore) knapp zehn Jahre später, der in der Kultserie „Die Zwei“ einen bahamagelben DBS bewegte. Makulatur, es kam ja nicht zu einem solchen Desaster. Denn am 16. März 1915 trugen Bamford und Martin ihren ersten „Aston Martin“ ins Zulassungsregister ein: Der ob seiner Karosserieform „Coal Scuttle“ (Kohlenkasten) genannte Roadster hatte einen 1.389 ccm-Coventry-Climax-Vierzylinder unter der Haube und wurde sukzessive modifiziert.

    Als Vorläufer der ersten Serienfahrzeuge gilt allerdings „the green car“ – ein kleiner offener Zweisitzer, dessen Chassisnummer „A3“ ihn als dritten Prototyp der jungen Marke ausweist. Er wurde anno 1920 im neuen Firmensitz in der Abingdon Road im Stadtteil Kensington auf die Räder gestellt und hatte einen knapp 1,5 Liter großen Vierzylinder mit 11 (britischen) PS unter der Haube.

    Da war Mitbegründer Robert Bamford bereits aus dem Unternehmen ausgeschieden. Und als Aston Martin fünf Jahre später mangels Verkaufserfolgen wirtschaftlich ins Trudeln kam, musste auch Lionel Martin den Hut nehmen. Es war der Auftakt zu einem jahrzehntelangen Reigen von Beinahe-Konkursen und realen Besitzerwechseln: Insgesamt acht Mal stieg Aston Martin zwischen 1925 und 2007 wie Phönix aus der Asche. Das Besitzer-Trio Lord Charmwood / Domenico A.C. Bertelli / William S. Renwick brachte ab 1926 Modelle wie den „Le Mans“, den „Mark II“ oder den „Ulster“ bei zahlreichen Rennen an den Start.

    Nachfolger Sir Athur Sutherland läutete 1932 die Ära eher komfortabler Konstruktionen ein: Offene Viersitzer, Cabriolets und Limousinen mit Zweiliter-Motoren. Doch der Verkauf lief schleppend und im Zuge der Finanzmisere wurde 1945 der Unternehmer David Brown neuer Aston-Martin-Eigner.

    Nun prägten wieder sportliche Cabrios und Coupés den Markencharakter, denen Brown zudem seinen Namensstempel aufdrückte: Dem mit „DB1“ bezeichneten ersten Modell seiner Ägide folgten bald schon legendäre Sportwagen wie der „DB2 Vantage“, der von der italienischen Carrozzeria Touring gezeichnete DB4 oder eben auch James Bonds erster Dienstwagen, der DB5, der seine Filmpremiere 1964 in „Goldfinger“ feierte. Rennsportlichen Ruhm ernteten die Aston Martin-Sechszylinder dank Teamchef John Wyer Ende der Fünfzigerjahre bei den Läufen zur Markenweltmeisterschaft, die sie 1959 gewannen.


  • Häufige Besitzerwechsel und Bond-Revival

    Dem DB6 von 1965 folgte zwei Jahre später der DBS, der 1969 mit einem V8-Motor geadelt wurde. Es war der letzte Aston Martin, der David Browns Namenskürzel trug: Zum Jahreswechsel 1972/73 musste der Landmaschinen-Händler seine verschuldete Aston Martin Lagonda Ltd. für bescheidene 100 Pfund an ein Konsortium Birminghamer Geschäftsleute verkaufen.

    In den folgenden 13 Jahren gaben sich Investoren und Besitzer der Marke quasi die Klinke in die Hand, während der bereits 1935 in London gegründete „Aston Martin Owners Club“ mit kritischem Blick die Markteinführung des modern gezeichneten neuen Modells „Lagonda“ und der kaum modifizierten „V8“-Varianten verfolgte.

    Als die Existenz der Marke einmal mehr auf der Kippe stand, trat 1986 die Ford Motor Company auf den Plan und übernahm das Zepter. Ein letztes Mal wurde die Modellreihe V8 überarbeitet und eine nach Prince Charles benannte Sonderedition lanciert, bevor 1989 mit dem Virage V8 eine moderne Neukonstruktion auf den Markt rollte.

    1993 folgte ein dynamisches Coupé auf der technischen Basis des XJ-S der Ford-Tochter Jaguar, das als Hommage an David Brown die Typbezeichnung „DB7“ erhielt. Und wie bereits 1987 beim V8 kreierte die italienische Karosserieschmiede Zagato auch für den DB7 ein Sondermodell. In „Stirb an einem anderen Tag“ durfte James Bond alias Pierce Brosnan 2002 nach 15 Jahren endlich wieder einen Aston Martin chauffieren: einen Vanquish V12, selbstverständlich mit einigen technischen Raffinessen und „Q-Tipps“ ausgestattet. Der 2004 vorgestellte DB9 V12 war dann das letzte Modell der Ford-Ägide. Denn 2007 wechselte Aston Martin erneut – und zum bislang letzten Mal – den Besitzer: Der US-Konzern verkaufte seine Aktienmehrheit an eine kuwaitische Investorengruppe. Übrigens: Wer im Sommer noch nichts vorhat und ein bisserl mitfeiern will, sollte am 15. Juli auf der Insel landen. Dann startet dort ein Aston-Martin-Festival mit vielen Events. Landesweit, eine ganze Woche lang. Zeit genug, einen Blick in die ein bis andere Scheune des Königreiches zu riskieren.


    Fotos: Aston Martin


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