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Oldtimer als Geldanlage

Print– und Internetmedien haben ein neues Thema entdeckt: „Der Oldtimer als – offenbar optimale - Geldanlage“.

Die Anleitung dazu wird gleich mitgeliefert: Übliche Geldanlagen auflösen, kaufen und zuschauen, wie das gute Stück jedes Jahr im Wert steigt. So einfach ist das – oder vielleicht doch nicht? Bei sachlicher Betrachtung kann es auch ganz anders aussehen.

  • Der „Goldtimer“

    Wer hat´s erfunden? Wer als erster auf den Dreh gekommen war, den Oldtimer als sprudelnde Geldquelle zu orten, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht stand dahinter sogar eine fundierte Analyse, die im Einzelfall (!) ja durchaus zutreffend sein kann – auffällig ist jedenfalls, dass sich die Berichterstattung in jüngerer Zeit offenbar auf die einfache Formel reduziert hat: „Oldtimer gleich Goldtimer“.

    Wobei unbestritten ist, dass vereinzelte Exemplare in den vergangenen Jahren überraschende Höhenflüge hingelegt haben – die Betonung liegt hier freilich auf „Einzelne“. Und richtig mag auch sein, dass im jüngeren Rückblick nicht nur der Oldtimer, sondern sogar die Geldanlage im Beet hinter der Garage die sinnvollere Alternative gewesen wäre. Nur darf man Jahrhundert-Ereignisse wie die des schwarzen Jahres 2009 nicht pro toto nehmen.
  • Die klassische Geldanlage

    Mit der Vielfalt an Finanzmarkt-Anlagen wollen wir uns hier nicht ausführlich befassen – dazu spricht man am besten mit seinem Anlageberater. Wir greifen daher einfach ein beliebiges Standard-Produkt heraus, welches, passend zum Thema, zufällig „XY Schatzbrief Klassik“ heißt. Wer diese Anlageform mit 60.000 Euro abschließt, kann sich zehn Jahre später über gut 70.000 Euro freuen. Einschließlich prognostizierter Überschussbeteiligung könnten es auch etliche tausend Euro mehr sein. Mindestens 15 % Plus ergäbe das nach Ende der Laufzeit, denen man natürlich den Kaufkraftverlust gegenüberstellen muss.

    Renditen in dieser Größenordnung sehen natürlich bescheiden aus, wenn man den Scheunenfund des Jahres 2009 in einer britischen Grafschaft zum Vergleich heranzieht: Ein 1937er Bugatti 57 Atalante, in den fünfziger Jahren ein weithin unbeachteter Gebrauchtwagen und allenfalls für einige Handvoll Pfund gehandelt, wurde bei Bonhams versteigert - für dreieinhalb Millionen Euro!
  • Die Geldanlage in Klassiker

    Solche Meldungen geben die reale Oldtimer-Preisentwicklung natürlich nie und nimmer wider – laut Marktbeobachtung sollte das übliche Preisniveau für dieses Modell mit Zustand „4“ bei rund einem Zehntel dieser Summe liegen. Hier zeigt sich auch schon grundsätzlich das Problem, festzustellen, wo beim Ankauf – und insbesondere später beim Verkauf – gängige bzw. realistische Marktpreise liegen.

    Zudem führen gerade die Bietergefechte bei Versteigerungen immer wieder zu völlig unrealistischen Höhenflügen. Wobei prinzipiell Exoten und in geringer Auflage produzierte Modelle als langfristige Geldanlage durchaus ihre Reize haben: Man darf natürlich nicht das nehmen, was aktuell gerade gängig ist - sonst kauft man im Fall des Falles zu teuer ein.

    Trotzdem wird man nie sicher sein können, dass sich steigende Preiskurven für ein konkretes Modell fortsetzen. Einbrüche gibt es immer wieder, und das sogar beim 300 SL Flügeltürer. Ein auf´s Modell spezialisierter Händler sieht hier derzeit einen Einbruch von rund 10 %. Wobei sich ja grundsätzlich die Frage stellt: Wie verlässlich ist eine Trend-Analyse, wenn es über die Jahre nur eine Handvoll öffentlich gewordener Besitzerwechsel gab? Die Anlageberatung durch einen erfahrenen Spezialisten dürfte hier also wesentlich umfangreicher ausfallen als beim Aktienkauf, und dann muss natürlich auch noch sichergestellt sein, dass das gefundene Exemplar nicht durch Restaurierungskosten zum Zuschussobjekt wird.

    Übliche Preisregionen im Oldtimer-Handel erreichen ohnehin nicht unser Bugatti-Beispiel. Sie liegen im Allgemeinen deutlich niedriger, schätzungsweise unterhalb der 100.000 Euro-Marke. So steht der Mercedes SL aus der Pagoden-Ära derzeit nahe an der 50.000 Euro-Grenze (Zustandsnote „2“). Vor 10 Jahren waren es noch rund 35.000 Euro. Oder der Fiat Dino Spider mit, als Besonderheit, seinem Ferrari-Herz aus den Jahren 1966-1972. Viele Jahre verkannt, verdoppelte sich alleine im letzten Jahrzehnt sein Wert auf deutlich über 40.000 Euro.

    Wer hieraus eine generelle Bestätigung für die Geldanlage in mobiles Kulturgut sieht, liegt dennoch falsch: Profitieren konnte ja nur derjenige, der vor zehn oder noch besser zwanzig Jahren das Potenzial für dieses Modell richtig eingeschätzt hatte! Mit anderen Worten: Ohne tiefes Eintauchen in die Oldtimer-Szene, ohne feines Gespür für Trends und Flops, ohne ständige Präsenz auf Märkten, Messen, Versteigerungen wird man bei diesem Spiel kaum punkten können.

    Und nicht zu vergessen: Es gibt auch eine ganze Reihe an Modellen, die sich, unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes, preislich kaum bewegen, wie der Opel GT, der BMW Z1 oder der Fiat 124 Spider. Selbst der NSU Ro 80, Design– und Technik-Ikone aus den 60er/70er Jahren bleibt wertstabil – was, wenn man den Kaufkraftverlust mit einbezieht, alles andere als lukrativ ist.
  • Fazit

    Wer mit der Darstellung herausgefilterter positiver Preisentwicklungen aus den zurückliegenden Jahren den Oldtimer zum „Goldtimer“ stilisiert, setzt aufs falsche Pferd. Natürlich kann man auch bei üblichen Geldanlagen daneben liegen – im Allgemeinen werden sie aber doch die praktikablere Alternative darstellen. Kostenmäßig muss man zudem berücksichtigen, dass zwischen einer Depotgebühr und dem Aufwand für die sachgerechte Auto-Einlagerung Welten liegen. Zudem bedarf eine Fondsbeteiligung keiner weiteren intensiven Fürsorge - die Oldtimer-Technik aber sehr wohl, selbst wenn sie nicht gefahren wird.

    Recht gut dazu passt das Interview mit Gregor Fisken, renommierter britischer Oldtimerhändler, veröffentlicht in Motor Klassik 5/2009. Seine Antwort auf die Frage, welche Modelle er zum Kauf empfiehlt: „Man sollte nicht solche kaufen, von denen alle glauben, dass sie im Preis steigen. Kaufe, was Du magst und genieße es“.

    Recht hat der Mann, meinen wir, und da zeigt sich bezüglich Oldtimer ein tatsächlich unschlagbares Argument: Mit seinem Wertpapier-Depot kommt man allenfalls mit Papierauszügen in Kontakt. Den Oldtimer kann man in der Garage still bewundern, man kann sich reinsetzen oder kleine und große Runden drehen. Der Spaßfaktor liegt also deutlich höher als beim Tresorraum der Bank. Und wenn die Aufwendungen für den Unterhalt durch eine zumindest leichte Wertsteigerung kompensiert werden, dann ist das ja auch schon eine feine Sache!

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