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Autozubehör von damals - Schön, praktisch und nicht immer notwendig

Autokäufer, die heute über seitenlange Listen für aufpreispflichtiges Zubehör klagen und grübeln, ob Sie ihren Neuwagen mit einem Premium-Multifunktions-Lederlenkrad, dem Wählhebel in „Nussbaum-Wurzel dunkel“ oder „Olive hell“ und dem Bedienhörer in der Fond-Armlehne bestellen sollen, finden Trost in der Vergangenheit: das Autozubehör war schon immer ein beliebtes Geschäftsfeld.

Während in der Frühgeschichte des Automobils im Regelfall ein Wagen ganz nach den individuellen Wünschen des Käufers gebaut und ausgestattet wurde, wuchs mit der Einführung der Massenproduktion eine ganze Industrie. Tausende von Artikeln sollten das Fahrzeug verschönern und verbessern, Pflegemittel, Ersatzteile, Reparaturmaterial und Werkzeuge den Wert erhalten.

Von der Abblendkappe bis zum Zylinderlack spannte sich das Sortiment der oft 600 Seiten starken Kataloge des Zubehörhandels, die heute mit ihren Typenlisten und vielen hundert Abbildungen eine spannende und lehrreiche Lektüre bieten. Schutzschilder für Stoßstangen, Fernthermometer, Autokoffer, Reifenhüllen, Handschuhkasten-Verschlüsse, Flaggenstangen und Sirenen – die Liste der Optionen war schier unerschöpflich.

  • Aufwertung ab Werk

    Schon bald erkannte auch die Autoindustrie die Verdienstmöglichkeiten im Zubehörgeschäft: dezent wies Mercedes-Benz 1935 im Katalog des im übrigen mit elektrischer Zeituhr, Kraftstoffuhr und elektrischem Zigarettenanzünder recht komplett ausgestatteten Typ 170 auf die Möglichkeit hin, „eine Nebellampe oder ein Dreiklangsignalhorn gegen geringe Mehrkosten zu liefern“.

    VW perfektionierte die Idee schon im März 1949 im Exportmodell (Typ 11a), das mit Zeituhr, Zweispeichen-Lenkrad, Signalhorn unter dem Kotflügel, Armstützen vorn und hinten sowie „besonders guter Polsterung“ aufgewertet wurde. Verchromte Stoßstangen, Radzierdeckel, Türgriffe und Zierleisten sowie „Schalttafel und Bedienungsgriffe elfenbeinfarbig“ machten den Mehrpreis von 325 D-Mark für jedermann sichtbar und sorgten dafür, dass die Normalausführung Typ 11 in kürzester Zeit nur noch einen unbedeutenden Prozentsatz der Produktion stellte.

    Das „Arme-Leute-Image“ des VW Standard festigte sich auch durch die Tatsache, dass er nur mit Seilzugbremsen, einem unsynchronisiertem Getriebe und in den Farben schwarz oder grau lieferbar war.
  • Luxus für alle

    Die Kleinwagenfahrer blieben von den Segnungen der Zubehörlisten ebenfalls nicht verschont. Der stolze Besitzer einer BMW Isetta konnte wählen, ob er sein Mobil mit Rückblickspiegel (DM 5,20), Sonnenblenden (links DM 6,50, rechts DM 6,-) oder einem Ascher aufrüstete. Bei letzterem empfahl der Prospekt: „verchromt, kippbar, modische Form. Sollte in keiner Isetta fehlen. DM 5,30.“ Wenn das Geld für eine Turbo-Radblende nicht reichte, blieb immer noch die Investition in einen Gummiüberzug für Kupplungs- und Bremsfußhebel zum Stückpreis von 90 Pfennig.

    Kaum ein Hersteller verzichtete in den fünfziger Jahren darauf, seine Programme durch Versionen auszubauen, die man als de Luxe, Luxus, Lusso, Export, Confort oder mit einem schlichten „L“ kennzeichnete. Böse Zungen behaupteten sogar, die einfachste Ausführung des NSU Prinz 4 mit dem attraktiven Listenpreis von DM 4.490,- existiere nur im Prospekt und werde nicht produziert: lieferbar sei ausschließlich das Modell mit Spezialausstattung zum Mehrpreis von DM 196,-.

    Die Folge dieser Entwicklung war, dass dem Begriff „Standard“ – einst geprägt durch Cadillacs „Standard of the World“ und ein Synonym für hohe Qualität – bald der Ruf der billigen Ware anhaftete und sogar dem britischen Hersteller Standard (Schwestermarke von Triumph) im Jahr 1963 endgültig die Existenzgrundlage raubte.
  • Alles aus einer Hand

    Die sechziger Jahre waren geprägt durch die Ausrichtung auf Sportlichkeit: Halogen-Scheinwerfer, Sportauspuffanlagen, Rallyeinstrumente und manchmal auch nur dekorative „Rallye-Streifen“ sorgten für eine Blüte des Zubehörhandels und vieler Firmen, die Motor- und Fahrwerkstuning betrieben. Ein Thema, das bei anderer Gelegenheit eine genauere Betrachtung verdient.

    Die Kataloge einzelner Hersteller für die Sonderausstattungen ihrer Modelle näherten sich bald dem Volumen von Taschenbüchern. Mit eigenen Abteilungen (zum Beispiel BMW Individual oder Mercedes-AMG) versuchten besonders die Premium-Marken, allen Kundenwünschen gerecht zu werden. Die Möglichkeit, ein Auto mit einfachen Mitteln individuell zu verbessern und zu schmücken, verschwand in den letzten beiden Jahrzehnten mit zunehmender Komplexität der Fahrzeuge und damit ging auch die Epoche der unterhaltsamen Zubehörkataloge im Telefonbuch-Format zu Ende. Wo sollte man in einem modernen Cockpit eine Blumenvase befestigen, wo an der Karosserie eine Plakette oder einen Wimpelhalter?

    Der ADAC trug dieser Entwicklung Rechnung: bot man bis Mitte der sechziger Jahre den Mitgliedern die Möglichkeit, die Clubzugehörigkeit mit einer Wimpelstange, gekrönt vom ADAC-Schriftzug, nach außen darzustellen, beschränkt sich heute das Programm im Clubshop neben vielen praktischen Dingen auf Kühlergrill-Plaketten und einen ADAC-Stander für die Motorboot-Fahrer.

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