DruckenPDFBookmark

Das „Duell“ der Giganten - Bernd Rosemeyer und Rudolf Caracciola

Bernd Rosemeyer wurde am 14. Oktober 1909 in Lingen an der Ems geboren und zählt mit Rudolf Caracciola zu den bedeutendsten deutschen Rennfahrern der Silberpfeil-Epoche.

Im Erinnerungsjahr 2009 war es interessant, die Lebenslinien der beiden Meister des Volants zu vergleichen, die nur drei Jahre in der höchsten Klasse des Motorsports gegeneinander antraten.

  • Ein „Automann“ par excellence

    Die Weg zum Motorsport verlief bei den beiden Rennfahrern höchst unterschiedlich: der am 30. Januar 1901 als Sohn einer Hoteliersfamilie in Remagen am Rhein geborene Caracciola startete 1922 seine Karriere auf zwei Rädern, trat aber schon im gleichen Jahr mit einem Wagen des Aachener Fabrikats Fafnir auf der AVUS an und konnte 1923 auf einem EGO (einer Marke aus Berlin) den Gesamtsieg beim Bahnrennen im Grunewald-Stadion erringen.

    Auf einem Kompressor-Mercedes folgten Siege in Straßen- und Bergrennen, während er als Verkäufer in der Daimler-Niederlassung Dresden tätig war. Ab 1925 zählte er zu den Nachwuchsfahrern der Stuttgarter Marke, bis er sich mit dem Sieg beim Großen Preis von Deutschland 1926 endgültig etablierte.

    Am Lenkrad der gigantischen Mercedes-Kompressorwagen Typen K, S, SS, SSK und SSKL war Caracciola bis 1931 am Berg und auf der Rundstrecke erfolgreicher als jeder andere Fahrer. Nach dem Rückzug von Mercedes-Benz aus dem Motorsport trat Caracciola 1932 im Werksteam von Alfa Romeo an und gründete im Folgejahr mit seinem Freund Louis Chiron die Scuderia CC.

    Schon im ersten Einsatz beim Grand Prix in Monte Carlo ereignete sich der Unfall, der Caracciola über ein Jahr vom Motorsport fernhielt. Erst 1935 konnte er mit sieben Siegen wieder an seine früheren Erfolge anknüpfen.
  • Jugendlicher Heißsporn auf zwei Rädern

    Bernd Rosemeyer konzentrierte sich schon in jungen Jahren auf das Motorrad und die Mechanikerlehre in der väterlichen Werkstatt. Er kassierte zahlreiche Polizeistrafen bis zum Führerscheinentzug und begann im Mai 1931 mit Grasbahnrennen seine sportliche Karriere, die ihn bald mit Maschinen von Zündapp, NSU und BMW zu zahllosen Erfolgen auf der Rundstrecke und am Berg führte.

    Im Winter 1933 erhielt er einen Werksvertrag von DKW. Im Oktober 1934 nahm er erfolgreich an Prüfungen der Auto Union am Nürburgring teil und wurde als Nachwuchsfahrer in die Rennwagen-Mannschaft aufgenommen.
  • Rosemeyer und Caracciola fuhren in einer anderen Liga

    Rosemeyer startete erstmals am 26. Mai 1935 auf einem Auto-Union-Boliden beim Internationalen AVUS-Rennen in Berlin. Der erste Lauf über fünf Runden ging an Hans Stuck auf Auto Union, Caracciola auf Mercedes entschied den zweiten Vorlauf für sich, Gesamtsieger wurde Luigi Fagioli, ebenfalls auf Mercedes.

    Schon beim zweiten Einsatz im Auto Union-Grand-Prix-Wagen am Nürburgring konnte sich Bernd Rosemeyer mit knapp zwei Sekunden Abstand hinter dem Sieger Rudolf Caracciola platzieren. Welche Klasse beide Fahrer zeigten, bewies die Tatsache, dass der Drittplazierte – Louis Chiron auf Alfa Romeo – bei diesem Eifelrennen am 26. Juni 1935 mit einem Rückstand von eineinhalb Minuten ankam.

  • Das Duell, das keines war

    Das „Duell“ Caracciola versus Rosemeyer begeisterte die Massen, ohne zu direkten Auseinandersetzungen zu führen: zu unterschiedlich waren Persönlichkeit und Erfahrungshorizont. Während Caracciola taktisch abwägend und konzentriert am Steuer arbeitete und oft unter den Spätfolgen seiner schweren Verletzung litt, zeigte sich Rosemeyer deutlich risikofreudiger und blieb trotzdem von schweren Rennunfällen verschont.

    Im Ergebnis zeigten sich die beiden Heroen recht ausgeglichen: 1935 konnte Caracciola fünf Grand-Prix-Siege für sich buchen, 1936 lag Rosemeyer mit der gleichen Zahl an der Spitze und 1937 kamen beide Fahrer auf jeweils vier Grand-Prix-Erfolge.

    Die Massenbegeisterung nutzte auch das NS-Regime, dessen prominente Vertreter sich mit den beiden Spitzenfahrern gerne ablichten ließen und sie als Symbolfiguren für die deutsche Vorrangstellung präsentierten. Nach dem heutigen Stand der Forschung kann man aber nicht davon ausgehen, dass der populär eingedeutschte „Caratsch“ und Rosemeyer besondere Sympathie für die Nazi-Größen und ihr Gedankengut hegten.
  • Frauen und Motoren

    Einen tragischen Verlust erlitt Caracciola während seiner Rekonvaleszenz: seine Frau „Charly“ Charlotte starb bei einem Lawinenunglück am 2. Februar 1934. Aus der Freundschaft zu Alice „Baby“ Hoffmann-Trobeck, die zu dieser Zeit mit Louis Chiron eine Liaison pflegte, entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Beziehung. Mit der Hochzeit von Rudi und „Baby“ am 19. Juni 1937 in Lugano wurde die Verbindung besiegelt und hielt bis ans Lebensende Caracciolas.

    Die Popularität von Bernd Rosemeyer erreichte dagegen ihren absoluten Höhepunkt, als er die berühmte Fliegerin Elly Beinhorn kennen lernte und sie am 13. Juli 1936 in Berlin zum Traualtar führte.


  • Das letzte Zusammentreffen

    Am 28. Januar 1938 traten Mercedes-Benz und Auto Union zu Rekordversuchen auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt an. Um 8:02 Uhr erzielte Rudolf Caracciola einen Mittelwert von 432,69 km/h, Rosemeyer wenig später 430 km/h. Rosemeyer startete um 11:46 Uhr zu einem zweiten Versuch, sein Rekordwagen kam nach kurzer Fahrt von der Strecke ab.

    Bernd Rosemeyer wurde in ein Waldstück geschleudert und war sofort tot.
  • Spannende Lektüre für Interessierte

    Mehr Informationen und eine Fülle von historischen Abbildungen aus der Lebens- und Sportgeschichte der beiden herausragenden Rennfahrer finden Interessierte in diesen Büchern:

    Bernd Rosemeyer – Die Schicksalsfahrt.
    Hrsg. Dr. Peter Kirchberg
    Delius Klasing Verlag 2008, 232 Seiten 248 Abbildungen, Euro 24,90

    Rudolf „Caratsch“ Caracciola – außergewöhnlicher Rennfahrer und eiskalter Taktiker.
    Günther Molter,
    Motorbuch-Verlag 2009, 240 Seiten, 270 Abbildungen, Euro 39,90

Weitere interessante Themen für Sie

Oldtimerclubs

Informieren Sie sich über die Oldtimerclubs im ADAC Mehr

Oldtimer-Ratgeber

Das beliebteste Nachschlagewerk für Oldtimer-Fans ist jetzt auch online erhältlich. Mehr

Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität