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Design-Rundumsicht - damals und heute

Audi 80 und Audi A4 im Vergleich
"Früher war alles besser" - ob das, aufs Auto bezogen, wirklich stimmt, mag jeder für sich entscheiden. Einen Bereich freilich gibt es, wo der Old -und Youngtimer punkten kann: es geht um die Rundumsicht, um den Überblick über´s Verkehrsgeschehen.

In unserem Blickwinkel diesmal: Der Audi 80 von 1974 gegen den Nach-Nach-Nachfolger A4 von 2007.

  • Das Diktat des Designs

    Leicht haben es die Kollegen von der entwerfenden Zunft ja nicht: Das Modell muss sich aus der Masse hervorheben, soll stilistisch beim Publikum ankommen, soll die Markenidentität vertreten, muss einen optimalen Luftwiderstands-Beiwert aufweisen und darf auch nach Jahren nicht alt aussehen.

    Dass dabei manchmal die Praktikabilität auf der Strecke bleibt, wird in Kauf genommen, solange der Entwurf beim Publikum ankommt.

    "Form follows funktion" - der aus der Baukunst der 20er Jahre stammende Leitsatz, dass sich die Formgebung  zwangsläufig aus der Funktionalität ableiten sollte, findet im Autobau eher nicht statt. Beispiele gefällig?

    Große, schräg stehende Glasflächen sorgen für eine starke Innenraum -Aufheizung, und die Rundumsicht verdient diese Bezeichnung manchmal gar nicht. Der Blick nach schräg hinten beim Rechtsabbiegen - kommt da ein Radfahrer? Oder nach diagonal links vorne - ist die Vorfahrtsstraße wirklich frei? Das Einparken ohne Warnsensoren vorne und besonders hinten gleicht eher einem Blindflug.
  • Audi 80 im Vergleich zum aktuellen Audi A4

    "Früher war alles besser" - bezogen auf´s Auto stimmt das sicher nicht generell, aber doch mit einer deutlichen Ausnahme, und zwar bei der Rundumsicht. Bestes Beispiel wäre die Motorkutsche vom alten Benz. Der Vergleich hinkt natürlich stark, nachdem der freie Sitz bei Wind und Wetter nicht jedermanns Sache ist. So weit, um gute Beispiele zu finden, müssen wir aber gar nicht zurückgehen. Nehmen wir doch einfach den Audi 80 der ersten Modellgeneration, aus den 70ern, und stellen ihn neben das Modell, das 35 Jahre später als Typ A4 auf dem Markt ist.

    Der Audi 80 wurde 1972 vorgestellt und entwickelte sich gleich zum Publikumserfolg. Die Motorwelt in Heft 1/1973 wusste überwiegend Positives zu berichten, stellte aber bereits damals fest: "Heck vom Fahrer aus kaum zu sehen" (der Tester ahnte natürlich nicht, was der Automarkt hierzu einige Jahrzehnte später bieten sollte). Und weil es grad passt, von wegen "gute alten Zeiten": Hier eine Auflistung all dessen, was damals bei Audi, aber eigentlich bei allen Herstellern, aufpreispflichtig war:

    • Lenkungsdämpfer,
    • Elektrische Scheibenwaschpumpe,
    • Abblendbarer Innenspiegel,
    • Sicherheitsgurte,
    • Kopfstützen vorne,
    • Verbundglas-Windschutzscheibe,
    • Heizbare Heckscheibe sowie
    • Bremskraftverstärker.
    Immerhin beachtlich: Der 80er hatte etwas, was für Werkstätten, Pannenhelfer und Selbst-Schrauber noch heute eine selbstverständliche Erleichterung darstellt: Im Motorraum waren sämtliche Sicherungen und Relais übersichtlich und gut zugänglich in einem  Kunststoffkasten zentral angeordnet.
  • 300 Prüfkriterien bei aktuellen Autotests

    Was die ADAC-Tester zum  Nachfolger, der aktuellen A4-Reihe sagen, lässt sich auf unseren Autotest-Seiten nachlesen. Jedes Auto muss sich hier 300 Prüfkriterien stellen.

    Dazu gehört auch eine Beurteilung der Rundumsicht, bei der mittels digitaler Fotografie ein Diagramm erzeugt wird, dessen Werte anschließend analysiert werden und in einem Notenspiegel dargestellt werden. Nach genau diesem Verfahren haben wir unseren Audi 80 vermessen. Die Farbe blau steht hierbei für gut einsehbare Bereiche (rechter Außenspiegel beim Audi 80, da nicht vorhanden, ohne Bewertung).
  • Ergebnisse der Rundumsicht beim Audi 80 und Audi A4
    Die Abbildung zeigt die Ergebnisse der Messungen für die Rundumsicht (Audi 80 links, Audi A4 rechts).
  • Das Design allein ist es nicht
    Erinnern Sie sich an die Motorwelt-Kritik anno 1973 zur Sicht nach hinten?
    Nach unserem Messverfahren bekommt der Audi 80 im Kriterium "hinteres Nahfeld" die Detailnote 0,6 (Skala 1 bis 5, mit 1 = sehr gut, 5 = sehr schlecht). Der A4 dagegen muss sich mit der Note 3,5 zufriedengeben, in der Größenordnung liegt dann auch seine Gesamtnote zur "Rundumsicht". Was aber keinesfalls bedeutet, dass der A4 besonders unübersichtlich wäre: viele aktuelle Modelle liegen ebenfalls in diesem Bereich, oder schneiden sogar noch schlechter ab.
    Der Zeichenstift der Entwerfer allein ist aber nicht der Hauptschuldige: Die "Passive Sicherheit" stellt extrem hohe Anforderungen an die Karosseriestruktur, die einerseits nachgiebig, sprich energieverzehrend sein soll, andererseits muss der "Überlebensraum" für die Insassen erhalten bleiben. Dies ist (unter anderem) nur mit entsprechend dimensionierten Dachsäulen zu schaffen. Wen es interessiert, wie ein Auto mit Defiziten in diesen Bereichen aussieht, kann sich in unserem Crashtest-Bereich das Crashtest-Ergebnis beim Brilliance BS6 gern einmal ansehen.

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