DruckenPDFBookmark

Blei im Sprit: 1928 bis 1996

Vor 80 Jahren als idealer Anti-Klopf-Zusatz im Kraftstoff gepriesen - heute längst Historie! Besonders erfreulich: ob Ford A, "Weltkugel" oder "Hundeknochen"-Escort - Sie und alle anderen Modelle auf zwei bis vier Rädern kommen auch ohne Blei bestens zu Recht.

  • 1928: Blei im Sprit
    Es war schon eine besondere Meldung, welche in der "Motorwelt" von 1928, also vor exakt 80 Jahren abgedruckt war: "Das amerikanische Anti-Klopfmittel "Bleitetraäthyl" erscheint in Europa."
    Endlich konnten auch die Automobilkonstrukteure in der Alten Welt auf die hilfreichen Wirkungen des Bleizusatzes setzen. Damit ließ sich die Verdichtung der Motoren erhöhen, ohne dass es zu unkontrollierten Selbstentzündungen des Kraftstoffs ("Klopfen") kommen konnte. Mit entsprechend höher oktanigem Sprit schöpfte man dann aus identischem Hubraum mehr Motorleistung.

    Die ADAC Motorwelt im Jahr 1928 schrieb dazu:
    Das amerikanische Anti-Klopfmittel „Bleitetraäthyl“ erscheint in Europa

    Über das Erscheinen des bekannten amerikanischen Anti-Klopfmittels auf dem europäischen Markt berichtet die Zeitschrift „Erdöl und Teer“ in einer ihrer letzten Nummern folgendes: Durch die Tagespresse gingen vor kurzem Meldungen, die von einem neuen Großkonkurrenzkampf der Standard Oil auf dem europäischen Betriebsstoffmarkt sprachen, der sich im Zusammenhang mit der Einführung des Aethyl-Antiklopfmittels angeblich auch gegen die Bestrebungen der i. G. Farbenindustrie richte. Die Meldungen waren in dieser Fassung unrichtig. Was an ihnen zutrifft, ist lediglich die Tatsache, dass die Vertriebsgesellschaft der Standard Oil of New Jersey auf dem britischen Markt, die Anglo American Oil Co., jetzt dazu übergegangen ist, ähnlich wie in Amerika auch auf dem britischen Markt Benzin zu vertreiben, das mit dem sogenannten Aethyl, einem Tetraäthylbleipräparat, gemischt ist und unzweifelhaft als absolut klopffest angesehen werden muss. In Amerika wird bekanntlich diese Aethylbenzinmischung schon seit langer Zeit benutzt, wobei die Erfahrungen sehr gut sein sollen. Das Präparat gilt als äußerst giftig und dürfte beispielsweise auf dem deutschen Markt wegen entsprechender behördlicher Vorschriften kaum Verwendung finden können. Die Mischung mit Benzin soll derart sein, dass auf 1300 Teile Benzin 1 Teil Tetraäthylblei kommt. Das Aethylbenzin wird, um es von anderer Ware zu unterscheiden, rot gefärbt und so auf den Markt gebracht, wobei es gegenüber dem gewöhnlichen Benzin einen Preisaufschlag von 2 Cents pro Gallone erfährt. Mit dem Vertrieb des neuen Antiklopfbenzins hat die Anglo American Oil Company seit Anfang dieses Jahres begonnen.


  • 1996: Aus für Blei
    Weitblick bewies die Motorwelt bereits vor 80 Jahren: Im angesprochenen Artikel stand klipp und klar, dass "…es als äußerst giftig gilt und auf dem deutschen Markt entsprechend hiesiger Vorschriften kaum Verwendung finden dürfte…".
    Was sich zunächst etwas anders darstellte: Bleitetraäthyl wurde, zumindest ab den späten 50er Jahren, fester Bestandteil des in der Raffinerie gemixten Sprits. Mit zunehmender Motorisierung zeigte sich das natürlich problematisch - über den Auspuff landeten pro Jahr etliche tausend Tonnen davon in der Umwelt (1984: 4400 t). So konnte es also nicht weitergehen.
    Im März 1996 titelte das Clubmagazin dann ganz anders: "Endlich bleifrei für immer". Mit kräftiger Unterstützung der ADAC-Fachgremien war es gelungen, den Blei-Hahn zuzudrehen. Entsprechend einer EU-Verordnung war dann im Jahre 2000 europaweit endgültig Schluss. Die neuen Kraftstoffe stellten die Kopffestigkeit durch eine entsprechende Additivierung sicher, somit musste kein einziges 98-Oktan-Auto (Super Plus) stillgelegt werden.
  • Bleifrei für alle
    Ein weiterer, positiver Nebeneffekt des Bleizusatzes ging aber doch verloren: Die Bleisalze sorgten für eine dämpfende Wirkung der schließenden Ventile an den Ventilsitzen, insbesondere der thermisch hoch beanspruchten Auslassventile. Hier gab es damals durchaus viele Meinungen, welche den langsamen Tod des alten Fahrzeugbestandes voraussagten. Profundere Kenner der Materie hingegen sahen die Sache ganz entspannt und behielten recht. Zu nachweisbaren Ventilschäden in diesem Zusammenhang gibt es bis heute keinerlei Beweise. Selbstverständlich setzt man seit über einem Jahrzehnt bei Motorüberholungen gehärtete Ventilsitze ein.

    Spezielle Bleiersatz-Mittel als Zugabe zum Sprit kann man sich übrigens sparen. Der ADAC hatte 1996  bei allen Fahrzeugherstellern die Bleifrei-Eignung sowie die Notwendigkeit solcher Zusätze abgefragt. Aussagekräftige Antworten, die man entsprechend technischer Grundprinzipien aber auch auf andere Hersteller übertragen kann, kamen nur von Mercedes-Benz und Volkswagen. Die Auskünfte waren klipp und klar: Zur Verwendung von Bleifrei gibt es keine Bedenken, von Zusätzen wird sogar abgeraten.


Weitere interessante Themen für Sie

Technik & Praxistipps

Technikthemen und Praxistipps rund um klassische und historische Fahrzeuge. Mehr

Reisen mit dem Oldtimer

Unterwegs auf schönen Touren mit dem Oldtimer. Mehr

– Mein ADAC –

Oldtimer-Newsletter

Alles, was Ihr Liebhaberherz begehrt: Informationen rund um Technik, Toureninfos, Veranstaltungen usw. Kostenlos und aktuell! Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität