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Die Erinnerungen des Erik Eckermann

All die kleinen Lloyd

 

„Die Heuler aus Bremen trugen neben dem VW Käfer zur Motorisierung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Also ging ich ans Werk.“, erinnert sich Erik Eckermann.


  • Volles Programm bei Lloyd

    Die kleinen Lloyd mit ihren luftgekühlten Motoren galten gerade noch als vollwertige Autos, weil sie vier Räder und vier Erwachsenen-Sitzplätze boten. Eine geschickte Typenpolitik deckte die Kleinstwagenklasse mit Hubräumen von 250 bis 600 cm³ ab, wobei bis 400 cm³ heulende Zweitakter, darüber knurrige Viertakter zum Einbau kamen. Der Arabella spendierte das Werk sogar einen wassergekühlten Boxermotor mit 900 cm³, ein richtiges Auto also, das jenseits meiner vorgegebenen Hubraumgrenze von 700 cm³ lag und deshalb nur bedingt Objekt meiner Begierden darstellte.

    Das Modellprogramm bestand aus Kleinstwagen mit 250, 300, 400 und 600 cm³ Hubraum, wobei es neben den 2-türigen Limousinen (LP) je nach Modell auch Kastenwagen (LK), Kombis (LS), Coupés (LC) und Cabrio-Limousinen (ebenfalls LC) gab. Hinzu kam die LT-Baureihe auf Basis der Personenwagen mit Kastenwagen, Pickup (!) und vollverglastem Sechssitzer, den Lloyd damals schon als Großraum-Personenwagen bezeichnete und der als Vorläufer der heutigen Vans durchgeht. Ein umfangreiches Sortiment also, das für sich allein genommen schon ein (Lloyd-)Museum hätte füllen können.


  • Seltenes Lloyd-Coupé zeugt von Anfängerglück

    Gleich bei der ersten Anschaffung kam ich mir vor wie das blinde Huhn, das tatsächlich ein Körnchen findet. Im April 1968 muss ich, so geht aus meinen Unterlagen hervor, im Raum Hannover unterwegs gewesen sein, wobei ich heute nicht mehr weiß, ob ich ein Mädchen besuchen oder Schrottplätze aufsuchen wollte. Von denen ließ ich ohnehin keinen aus.

    Wie dem auch sei, ich entdeckte bei der Auto- und Industrie-Verwertung GmbH auf der Laher Heide eines der seltenen Coupés, die Lloyd ausschließlich beim 300er anbot, von den verkorksten Frua-Coupés auf Alexander- und Arabella-Basis einmal abgesehen. Fabrikneu war der LC 300 ein schnuckeliges Auto, doch in die Jahre gekommen litt auch das Coupé mehr als andere Autos unter dem nordeuropäischen Klima.

    Die Karosserie nämlich bestand aus einem Holzgerippe, aufgenagelten Sperrholzplatten, Filzbespannung und Kunstleder-Überzug. Schon bald kroch Feuchtigkeit in den Bau und war nicht ohne weiteres zu vertreiben, und schon kleine Rempler schlitzen die empfindliche Oberfläche auf. So auch beim gefundenen Coupé Baujahr 1952: Schimmel und Moder an einigen Stellen und aufgerissene Kunstlederpartien rundum. Ansonsten komplett und reparabel, sogar der Motor drehte noch, also her damit. Zwanzig D-Mark Anzahlung, 30 DM Restzahlung bei Abholung im Mai. Ich hatte ein Schätzchen an Land, pardon, in die Scheune gezogen.


  • Studiumsende, Ortswechsel, Sammlungserweiterung

    Mit dem Ende meines Studiums im Juli 1968 lag auch eine Ortsveränderung von Hamburg nach Bayern in der Luft, was zu einer geradezu hektischen Betriebsamkeit führte. Allein im November 1968 lachte ich mir drei Lloyd an, von den anderen Autos gar nicht zu reden.

    Zweiter Lloyd war ein LP 400 Baujahr 1954 mit Schiebedach in gutem Zustand, den ich ruck, zuck auf die Ruck-Zuck-Abschleppachse wuchtete und ihm ein trockenes Zuhause in Form eines Scheunenstellplatzes gönnte. Dieselbe Prozedur ergab sich mit einem LT 500 Baujahr 1953, der mich mit zerfleddertem Dach und fehlender Hecktür zunächst in Selbstzweifel stürzte. Doch die schon damals kaum noch zu findende Ausführung als Sechssitzer mit Holzgerippe/Sperrholz-Karosserie wischte alle Bedenken zur Seite, ich kaufte ihn, wie auch den LP 400, für wenig Geld, nur 40 Mark. Ganz umsonst sackelte ich den nächsten Lloyd ein, einen Kombi LS 600 von 1958, allerdings in einem so schlechten Zustand, dass er später notgeschlachtet wurde und nur noch als Organspender dienen konnte.

    Als Mitglied des VFV (Veteranen-Fahrzeug-Verband) fiel mir in den 'Mitglieder-Wünschen' 4/69 ein Angebot über einen Lloyd LP 300 Baujahr 1951 auf, der sich laut Anbieter „in bester Verfassung“ befinden sollte, „der Leukoplastbezug am ganzen Auto ist einwandfrei, der ganze Aufbau aus Holz ist kerngesund und noch allerbestens erhalten“. Das klang gut, und so war es auch. Ich kaufte das Auto für 300 DM, viel Geld für ein kleines Auto damals, und schob das rote Stück in meine neue Scheune bei München, denn dorthin war ich wegen meiner Anstellung im Deutschen Museum zum 1. Dezember 1968 umgezogen.


  • Von Bastelbuden und Schlachtautos

    In gutem Zustand befand sich auch ein LP 600 Baujahr 1958, mit Stahlblechkarosserie und 19 PS starkem Viertaktmotor schon ein richtiges Auto – für damalige Verhältnisse. Den legte ich mir im Dezember 1972 für kleines Geld zu, im August 1973 gefolgt von einem LP 250, dem sogenannten „Prüfungsangst-Auto“ für Inhaber des alten Führerscheins IV. Meinte ich zumindest. Schon das Baujahr, das der Verkäufer am Telefon mit 1959 angegeben hatte, hätte mich stutzig machen müssen, denn die 250er wurden nur von Februar 1956 bis April 1957 gebaut. Erst nach zwei Jahren stellte ich fest, dass jemand eine 250er Maschine in einen LP 600 eingebaut und ich einem schlitzohrigen Verkäufer aufgesessen war. Der hatte mir für 300 Mark einen Verschnitt angedreht, der sein Geld nicht wert war. Selbst schuld, mein Junge, Eintragungen im Kfz-Brief und Details am Wagen hätten Dir auffallen müssen. Sieben Lloyd jetzt im Stall – das reichte zunächst.

    Der schöne rote 300er, das 300er Coupé und der LT 500-Sechssitzer gingen an Sammler in Hamburg, Wien und Neuwied, die anderen an Privatpersonen, von denen nicht sicher ist, ob sie ihre Autos aufbauten oder ausschlachteten. Vielleicht fütterten sie mit ihren Eingeweiden die Ersatzteilmärkte und halfen damit anderen Lloyd-Besitzern weiter.

    Die Lloyd haben, im Gegensatz zu BMW Isetta oder Messerschmitt Tiger, nie Kultstatus erreicht – Gott sei Dank. Wie auch das Goggomobil blieben sie das, was sie sein sollten: Nützliche Werkzeuge, preiswerte Beförderungsmittel und für die damaligen Käufer die erste Stufe der 'Motorisierung mit Dach'. Unvergessen sind Bezeichnungen und Sprüche wie 'Leukoplastbomber', 'Nur Fliegen ist schöner', 'Keine heiße Asche einfüllen' oder 'Nur wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd', vorzugsweise von selbsterkenntnisfreudigen Studenten an die Heckscheibe geschmiert. Sie machen die Kleinen aus Bremen umso liebenswerter.


    Text und Fotos: Erik Eckermann


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