DruckenPDFBookmark

Vespa GS 150

Was haben Helmut Kohl, Hans Stuck und Dennis Schneider aus Remscheid gemein? Alle waren von der Vespa Grand Sport begeistert. Um den Mythos dieser Typen begreifen zu können, gehen wir ein bisschen in die Modellgeschichte des Piaggio-Konzerns zurück. Der Wettbewerb der fünfziger Jahre hatte bis dahin nur wenige schnelle und leistungsstarke Fahrzeuge angeboten; zu dem guten Namen, den sich die Vespa als Verkaufsschlager erworben hatte, kam das breite Kundendienstnetz auch in Deutschland hinzu. Also ging es für die Mutterfirma der Vespa um die magische 100 km/h-Marke, die es mit einem Newcomer zu knacken galt. Und für diesen Markt wurde die GS konzipiert. Bei der Mailänder Motorshow im November 1954 wurde der Renner geboren, der noch heute fasziniert… 

Hier finden Sie eine Auswahl weiterer Oldtimer-Fahrzeuge.

Zur Übersicht

 

Quelle: Paul Batton, Rollerfahrer-Magazin
Mit freundlicher Unterstützung des
Vespa Club von Deutschland e.V.


  • Selbsttragende Karosserie mit neuen Features

    Stromlinien-Lenkerkopf mit viereinhalb Zoll Lampe, Zehnzollräder mit teilbarer Felge, Viergangschaltung im 150ccm Motor (dass bereits der deutsche Lizenznehmer das Modell HC mit 150ccm ausstattete, wollen wir großzügig übersehen) und eine bequeme Sitzbank. Die Lackierung der GS sollte ebenso für einen Wiedererkennungswert sorgen - das italienische „Polychromatik Silber“ kommt dem heutigen „Silberfuchs Metallic“ von Ford am nächsten. Das Ziel „Tempo 100“ bezahlten die GS-Kunden schließlich mit einem hohen Verbrauch: die ersten Sportler konsumierten mit dem Mischverhältnis von 1:15 dreimal mehr Öl als die späteren Vespas (1:50). Die ersten Tests 1955 sorgten für große Popularität, so dass die GS rasch zum sportlichen Verkaufsschlager avancierte.
  • Augsburger Grand Sport III von 1959

    Auch Dennis Schneider kennt den Spaß am GS-Fahren. Er besitzt mit seinem Modell, einer Augsburger Grand Sport III von 1959, seit einigen Jahren eine ganz besonders gut restaurierte Vespa, die in allen Punkten überzeugt. In der Garage fand der Roller gerade noch neben anderen Vespas und Automobilen Platz, als da wären seine `59 Augsburger T4, die originale `68 GTR und die PX 80. Dennis sieht in den italienischen Fahrzeugen eine sinn- und stilvolle Freizeitbeschäftigung: „Rollerfahren und -restaurieren bedeutet für mich ‚Lebensgefühl’. Man lernt Menschen kennen, so entstehen Freundschaften.“ Dabei ist der siebenundzwanzigjährige Heilerziehungspfleger kein gelernter Mechaniker, sondern fand über die Wissbegierde zum Thema.


  • Restauration
    Die Restauration selber gestaltete sich als wenig spektakulär, denn die Basis der GS war, ganz entsprechend dem Motto „Made in Germany“, in einem hervorragenden Zustand. Der Motor wurde einer kompletten Überholung unterzogen, wobei er den originalen Kolben „stromte“. (Das Stromen bezeichnet eine Technik der 50er Jahre, bei der Einstiche zwischen Kolbenringen und Kolbenbolzen gesetzt werden, die den luftgekühlten Motoren im Notfall genügend Schmierstoff offerieren konnten.) Daher kann Dennis seine Vespa nun problemfrei mit dem Mischungsverhältnis 1:50 und vollsynthetischem Öl antreiben. Natürlich arbeitet der originale Dell`Orto Vergaser unter der Motorhaube, und es federn originale und komplett revidierte Boge-Dämpfer im Fahrwerk. Für das Chassis kopierte Dennis die Lackzusammenstellung des Tanks, der vom Zustand nahezu neuwertig war. Auch das Lackieren aller Blechteile übernahm er in Eigenarbeit, genauso das Polieren der Aluminiumteile. (Die einzige nicht im Hause Schneider ausgeführte Arbeit war das Verchromen diverser Teile.) Sauber verlegte er die silberfarbigen Bowdenzüge und den Kabelbaum; das Streben nach absoluter Originalität machte es unabdingbar, dass der neu angefertigte Kabelbaum in die restaurierten silbernen Kabelhüllen Einzug erhielt. „So wohl einmalig,“ vermutet der Remscheider.
  • Zubehör

    Beim Zusammenbau achtete Dennis darauf, die frisch lackierten Teile nicht zu beschädigen, und im Jahr 2001 stand das Fahrzeug in tadellosem Zustand auf neuen Michelin-Pneus fertig zur Jungfernfahrt. Das Zubehör an der GS ist ein Hochgenuss: da wäre der Ersatzradhalter längs der Fahrtrichtung, eine verchromte Aluminiumguss-Schwingenabdeckung, der kleine polierte Zündkerzenhalter am Mitteltunnel, die echte Denfeld-Luftpumpe, zeitgenössische Öldosen inklusive Halter für das Beinschild und natürlich unübersehbar der Auspuff, eine polierte Edelstahl-Reproduktion des Abarth-Twins. Viel lieber wäre Dennis hier natürlich ein originaler Abarth, „den suche ich noch!“

    Seit der Fertigstellung hat der junge Remscheider schon bei diversen GS-Treffen die eingefleischte Fangemeinde mit seinem Roller überzeugt, mittlerweile stehen 8.500 Kilometer mehr auf dem Tacho. Dabei geht es Dennis nicht um die theoretische Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, die der Werbeprospekt versprach. „Im Brief steht etwas von 8 PS und Tempo 85 km/h, ich begnüge mich mit realen 70“, meint Dennis. „Die Grand Sport ist halt eine Diva“ – und wie behandelt man so eine Primadonna? Das Beste ist gerade mal gut genug – und die Jagd nach Top-Speed gehört eben nicht mehr dazu. Auch wenn es Piaggio 1956 so bezweckte…


  • Typenspezielle Teile
    • Hella-Hupe, bis Ende 1958 mit genietetem Blechschild, danach Kunststoff 

    • „Schwanenhalsrücklicht“ 

    • ab 1961 zusätzlich: Blinkerschalter und Richtungsanzeigen 

    • Lampe der Marke Scharlach mit abweichend gestaltetem Lampenring 

    • Tachometer von VDO rechteckig, bei VS5 Modellen im Ziffernblatt blau 

    • Ab 1959 Aluminium-Felgenherz für bessere Kühlwirkung der Bremsen 

    • Sitzbank von Denfeld aus Wuppertal 

    • Schriftzug am Beinschild aus hohlgeprägtem Aluminium, aufgeklebt 

    • Markensymbol der Kaskade aus transparentem Kunststoff, chrombedampft 

    • Profilierte Leisten aus Aluminium auf Motor- und Gepäckbacke 

    • Lenkergriffe mit Vespaschriftzug 

    • Keine eingeschlagenen Rahmennummern – Identnummer und technische Daten befinden sich auf dem Typenschild 

    • Einfahrvorschrift in Deutsch 

    • Gepäckfachbacke serienmäßig abschließbar


Weitere interessante Themen für Sie

ADAC Oldtimer-Wandern

Oldtimer-Wandern in Deutschland, Italien, Luxemburg und der Eifel. 
Mehr

Oldtimer-Pokalserien

Oldtimersportliche Veranstaltungen in Ihrer Nähe - unsere ADAC Pokalserien. 
Mehr

– Reise & Freizeit –

Reisen mit dem Autozug

Kosten, Vorteile, Reiseziele – Wissenswertes für Ihre Reise mit dem Motorrad im Autozug Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität