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Hildebrand und Wolfmüller

Schon in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts engagierte sich der ADAC für historische Fahrzeuge und sicherte sich eines der wenigen überlebenden Exemplare des Motorrads von Hildebrand & Wolfmüller.



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  • Vorgeschichte

    Die Vorgeschichte dieser Rarität reicht in die Anfangstage der Motorisierung zurück: bereits 1889 – nur vier Jahre nach dem experimentellen „Reitwagen“ von Gottlieb Daimler – stellten die Brüder Heinrich und Wilhelm Hildebrand in München Versuche mit motorgetriebenen Zweirädern an. Der Ingenieur Heinrich Hildebrand (1855-1928), der als Fahrradpionier die Zeitschrift „Radfahr-Humor und Radfahr-Chronik“ gründete und als Chefredakteur leitete, verfolgte die Idee eines Fahrrads mit Dampfantrieb, das sich in der praktischen Erprobung aber als untauglich zeigte. Das hohe Gewicht des Dampfkessels und der mitzuführenden Wasser- und Kohlevorräte war denkbar ungeeignet für ein Zweirad. Erst die Zusammenarbeit mit dem am 24. April 1864 in Landsberg am Lech geborenen Alois Wolfmüller brachte das Projekt auf den richtigen Weg: Wolfmüller konnte als Ingenieur bei Dürkopp in Bielefeld und Benz in Mannheim bereits Erfahrungen in der Motorkonstruktion sammeln. Mit seinem Jugendfreund Hans Geisenhof arbeitete Wolfmüller 1892 in Bamberg an einem benzinbetriebenen Zweitaktmotor und konstruierte ein Jahr später in Landsberg einen wassergekühlten Zweizylinder-Viertaktmotor.

    Nach erfolglosen Versuchen mit Fahrradrahmen, die sich als zu schwach erwiesen, konstruierten die Ingenieure Wolfmüller und Geisenhof 1893 ein „Zweirad mit Petroleum- oder Benzinmotorantrieb“, das unter diesem Titel am 20. Januar 1894 das Deutsche Reichs-Patent Nr. 78553 erhielt. In dieser Patentschrift wird auch erstmals das Wort „Motorrad“ genannt. Schon im März 1894 kam es in der Münchner Kolosseumstraße zur Gründung der Motor-Fahrrad-Fabrik Hildebrand & Wolfmüller, während Alois Wolfmüller noch die endgültige Version entwickelte.


  • Technische Daten

    Der liegende Zweizylinder-Viertaktmotor mit 1488 Kubikzentimeter leistete 2,5 PS bei einer Drehzahl von 240 Umdrehungen pro Minute und war in einen ungefederten Stahlrohr-Rahmen eingebaut. Der Wasservorrat für die Verdampfungskühlung wurde im Hinterradschutzblech mitgeführt. Da der 11 Liter fassende Tank gleichzeitig als Vergaser diente, durfte er laut Gebrauchsanweisung nur mit 6,5 Litern Treibstoff gefüllt werden. Sehr innovativ war für die damalige Zeit die Luftbereifung mit 26 Zoll am Vorderrad und 22 Zoll am Hinterrad, die der Reifenhersteller Friedrich Veith in Höchst/Odenwald lieferte. Die getriebelose Maschine wog vollgetankt 84 Kilogramm und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 30 und 40 km/h.


  • Produktion

    Im Lauf der folgenden Monate nahm das Projekt eine für die Epoche gigantische Dimension an: 850 Arbeiter in fünf Münchner Werkstätten sollten eine Jahresproduktion von 3000 Motorrädern erzielen. Der hohe Verkaufspreis von 1200 Mark und Probleme mit der unausgereiften, feuergefährlichen Glührohrzündung beendeten trotz einer großen Werbekampagne den Markterfolg der Hildebrand & Wolfmüller in kürzester Zeit. Die Produktion des ersten in größeren Stückzahlen gebauten Serienmotorrads ging im Oktober 1895 zu Ende. Gleichzeitig wurde der Konkurs über das Vermögen von Heinrich Hildebrand eröffnet, der aber wohl durch den Verkauf des Patents nach Frankreich abgewendet werden konnte. Am 27. Juli 1897 beurkundete das Patentamt den Warenzeichenschutz für den Begriff „Motor-Rad“ an die Firma Hildebrand & Wolfmüller. Wie viele Exemplare vom ersten Serienmotorrad der Welt gefertigt wurden, ist nicht überliefert – die Schätzungen der Historiker liegen zwischen 800 und 2000 Fahrzeugen.

    Alois Wolfmüller stand in engem Kontakt mit dem Flugpionier Otto Lilienthal und beschäftigte sich in den folgenden Jahrzehnten mit luftfahrttechnischen Erfindungen und Experimenten, konnte aber weder technisch noch wirtschaftlich den entscheidenden Durchbruch erzielen. Er starb am 3. Oktober 1948 in Oberstdorf.


  • Hildebrand und Wolfmüller heute

    Seit kurzer Zeit wird ein Nachbau der Hildebrand & Wolfmüller von den Brüdern Thomas und Michael Leibfritz im baden-württembergischen Balingen in kleinsten Stückzahlen hergestellt. Die Konstruktion und Fertigung erfolgt mit modernsten technischen Mitteln und viel Handarbeit, so dass wie zu Zeiten des Originals ein Jahresgehalt in das Schmuckstück investiert werden muss.

    Die in der Zentrale des ADAC ausgestellte Hildebrand & Wolfmüller wurde vom früheren Straßenwacht-Oberinspektor Fritz Hosmann liebevoll restauriert und trägt stolz die emaillierte Firmenplakette mit dem Münchner Kindl. Leider ist dieses Motorrad nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München, im Städtischen Museum Braunschweig, in den Motorradmuseen von Neckarsulm und Schloss Augustusburg sowie in Detroit, London und Stockholm überleben knapp zehn Exemplare der Hildebrand & Wolfmüller und können dort besichtigt werden.


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