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Ein Motorrad erobert die Welt: DKW RT 125

Es war ein beispielloser Siegeszug: Innerhalb weniger Jahre nach dem zweiten Weltkrieg hatten sich die DKW-Werke Zschopau zur größten Motorradfabrik der Welt entwickelt. DKW war überraschend schnell zum Inbegriff des zuverlässigen, unverwüstlichen und leistungsfähigen Motorrads geworden!


  • DKWs Erfolg fußt auf anderen Ansätzen

    Bedenkt man, dass zur damaligen Zeit die englische Motorrad-Industrie einen ungeheuren Vorsprung hatte und dass auch auf dem deutschen Markt ein beträchtlicher Wettbewerb bestand, so müssen es schon besondere Gründe gewesen sein, die einen solchen Erfolg zeitigten.

    Das Geheimnis des Erfolges ist jedoch sehr einfach. DKW hatte das Problem des Motorradbaus von vornherein unter einem ganz anderen Gesichtswinkel gesehen und angepackt, als es bislang üblich gewesen war. DKW wusste: Ein Motorrad, das den Ansprüchen der breiten Käuferschichten entsprechen sollte, musste bei niedrigstem Eigengewicht höchste Leistung geben. Stark und doch leicht – das war das erste Prinzip beim Bau der DKW-Motorräder. Nur eine leichte Maschine kann wirtschaftlich und billig sein in Anschaffung und Betrieb. Nur eine leichte Maschine kann man bei allen Wegverhältnissen, selbst auf glatten und vereisten Straßen, meistern.


  • DKW – „Das Kleine Wunder“

    Um diesem Prinzip gerecht zu werden, war eines Voraussetzung: ein Motor, der aus kleinem Volumen eine hohe Kraft entfaltet. Und hierfür konnte nur das Zweitakt-System in Betracht kommen. DKW aber, der Pionier des Zweitakt-Motors, hatte damals „Das Kleine Wunder“ geschaffen, das durch seine erstaunliche Leistung, Zuverlässigkeit und Einfachheit überall Aufsehen erregte. Niedrigster Kraftstoffverbrauch und außergewöhnliche Bescheidenheit in Wartung und Unterhalt zeichneten von jeher den DKW-Zweitakter aus.

    Ganz besonderer Wert wurde ferner auf die Fahreigenschaften gelegt. Dank der Erfahrungen, die in unzähligen, von DKW siegreich bestandenen Rennen gesammelt wurden, ist ein Motorrad entstanden, das buchstäblich auf der Straße haftet. Straßenlage und Federung waren so vorzüglich, dass DKW auch bei allen Zuverlässigkeitsfahrten siegreich blieb. DKW brach einen Weltrekord nach dem anderen.


  • Die RT überzeugte auf ganzer Linie

    Die Krone dieser Entwicklung war ein Modell, das Anfang der 30er Jahre auf den Markt kam und das für sich in Anspruch nehmen darf, das volkstümlichste Motorrad der Welt zu sein: die DKW RT. Die erste RT erbrachte die für damals außerordentliche Leistung von 2,5 PS aus nur 98 ccm Zylinderinhalt. 1934 war die Leistung aus gleichem Volumen bereits auf 3 PS gesteigert. 1938 erschein schließlich die DKW RT 125: 4,75 PS aus 125 ccm Volumen! Das Eigengewicht dieser Maschine betrug ganze 66 kg (fahrfertig und getankt).

    Der größte Teil der Kraft war also frei für die Fahrleistung (bis zu 80 km/h). Der Brennstoff-Normverbrauch war schon bei diesem Modell sehr gering.

    Während des Zweiten Weltkrieges konnte zwar die RT für den zivilen Bedarf nicht mehr geliefert werden. Sehr viele unserer Soldaten jedoch, die vielleicht vorher nur schwere Maschinen gelten lassen wollten, haben im Kriege erfahren, welch ungeheure Vorteile die RT mit ihrem leichten Gewicht bietet. Wo andere Motorräder versagten und nicht weiterkamen, bewährte sich die RT, in tropischer Hitze ebenso wie in polarer Kälte, über Knüppeldämmen ebenso wie durch Morast und grundlose Wege. Das hat DKW so manchen neuen Freund gebracht!


  • Schicksal von DKW schien bereits besiegelt

    Im Jahr 1945, im Jahr des Zusammenbruchs, fand diese Entwicklung ein jähes Ende. Die Werke der AUTO UNION in Zschopau und Chemnitz wurden demontiert und enteignet. Das Schicksal von DKW schien besiegelt zu sein. Und zu dieser Zeit begann man überall auf der Welt die DKW RT zu kopieren.

    In England baute man die Royal Enfield RE 125 und die BSA Bantam 125, in den USA die Harley-Davidson 125, in Russland die Moskva 125. So bedauerlich diese Tatsache einerseits ist, so ist sie andererseits ein schlagender Beweis für die einmalige Konstruktion dieser Maschine. Bis in die kleinsten Details hat man sie nachgebaut.

    Inzwischen war jedoch im Westen die AUTO UNION neu erstanden. Seit 1949 laufen in Ingolstadt wieder Motorräder in ständig steigender Stückzahl vom Band. Die neue RT ist besser denn je! Sie hat zwar alle die Grundzüge beibehalten, die dieses Modell zu einem so großen Welterfolg geführt hatten, sie ist aber noch weiter entwickelt und nach den modernsten Errungenschaften vervollkommnet worden. Überdies wurde die RT 125 jetzt mit einer Teleskopgabel ausgerüstet. Der Brennstoff Normverbrauch beträgt nur noch 2,11 Liter.


  • Einmaligkeit und günstige Raten sorgten für rasche
    Verbreitung

    Über 30.000 DKW-Motorräder aus der jüngsten Produktion laufen bereits wieder auf allen Straßen der Welt. DKW bewies, dass es – dank dreißigjähriger Zweitakt-Erfahrung – durch keine Nachahmung zu erreichen, noch zu verdrängen ist. Kaum war die neue DKW RT auf dem Markt erschienen, setzte denn auch eine so stürmische Nachfrage ein, dass bis Ende 1950 bereits der gesamte Wettbewerb überflügelt war. DKW ist wiederum Deutschlands meistgekauftes Motorrad!

    Im Laufe des Frühjahrs kommt nun auch die DKW 200 auf den Markt: ein Motorrad, das bei 8,5 PS 90 km/h schafft. Diese kräftigere Maschine ist ebenfalls dem Grundprinzip eines idealen Verhältnisses von Leistung und Eigengewicht treu geblieben. Ihr „Leistungsgewicht“ beträgt nur 11,6 kg.

    Durch günstige Ratenbedingungen hat DKW dafür Sorge getragen, daß die RT für jedermann erschwinglich ist. So kann man z.B. schon bei einer Anzahlung von DM 257,- und mit 12 Raten à DM 72,75 eine DKW RT 125 erwerben.

     

    ADAC Motorwelt 02/1951


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