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Traditionsmarke NSU

Strickmaschinen auf zwei Rädern

Suzuki, BMW, MV Agusta – diese Motorradmarken kennt jeder. Doch gerade mal gut sechzig Jahre ist es her, da standen andere Buchstaben für das Motorrad schlechthin: NSU. Ein Blick zurück auf eine Erfolgsgeschichte auf zwei Rädern, die vier Räder schließlich beendeten.




  • Firmengründung

    Das einzige, was Audi heute mit Strickmaschinen verbindet, ist vielleicht eine gestrickte Mütze für ein Utensil auf der Hutablage. Doch der Ingolstädter Automobilbauer hatte seine Wurzeln in der 1884 gegründeten Neckarsulmer Strickmaschinenfabrik AG. Audi hieß das Unternehmen damals noch lange nicht, sondern ab 1892 NSU, eine Zusammensetzung aus den beiden Flüssen Neckar und Sulm, die in Neckarsulm zusammenfließen. In die schwäbische Stadt war Christian Schmidt gezogen, als er sich von seinem Geschäftspartner Heinrich Stoll trennte. Die beiden gründeten das Unternehmen 1873 ursprünglich im 160 km entfernten Riedlingen an der Donau. Ab 1886 bauten sie Fahrräder, zur Jahrhundertwende entwickelte sich NSU zur ersten Motorradfabrik in Deutschland. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang sollte diese sehr erfolgreich am Markt sein.
  • Gründergeschichte mit Innovationen und Weitblick
    Ein ADAC zu Beginn des 19. Jahrhunderts? Fehlanzeige. Hier sollte NSU Starthilfe geben. Zu der Zeit gab es weder Tankstellen, Motorradreparaturbetriebe, Automobilclubs mit Straßenwacht oder gar Fahrschulen für Motorradfahrer. NSU half sich selbst und baute 1903 eine 300 Meter lange Prüf- und Vorführbahn auf dem NSU Werksgelände. Kunden wurden so in die Kunst des Motorradfahrens eingewiesen. Das NSU Motorrad hatte einen so guten Ruf, dass es über eigene Filialen auch in Moskau, London, Paris und Zürich verkauft wurde. 1904 gab es bereits sechs verschiedene Modelle zwischen 287 und 960 ccm Hubraum. Bis 1911 waren bereits 24.000 Exemplare verkauft, der Export erfolgte in mehr als 30 Länder. 1903 tritt Karl Schmidt in das Unternehmen seines Vaters Christian als Technischer Direktor und Oberingenieur ein. 1906 erhielt er Prokura. Schmidt besaß eine Leidenschaft für die Motorradentwicklung, die er mit immer neuen Ideen vorantrieb, 1903 war er zusammen mit dem Technischen Direktor Dr. Georg Schwarz Gründungsmitglied der "Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung", kurz DMV, die erstmals am 24. Mai in Stuttgart zusammentrat. 1911 wurde daraus übrigens der heutige ADAC.
  • Zwischen den Kriegen
    Der erste Weltkrieg und die anschließende Wirtschaftskrise ließen die Umsätze fallen, doch NSU konnte sich rechtzeitig zum 50-jährigen Bestehen wieder aufrappeln. 1923 wurden alle fünf Minuten ein Fahrrad, alle zwanzig Minuten ein Motorrad und alle zwei Stunden ein Auto gebaut. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 überstand das Werk nicht durch Zusammenschlüsse wie die Auto Union oder Daimler und Benz, sondern durch den Bau von einfachen Leichtmotorrädern wie die Modelle Motosulm, Pony und Quick. Daneben war man mit seinen NSU Königswellen-Rennmotorrädern sehr erfolgreich.
  • Nach dem zweiten Weltkrieg
    1945 wurden die NSU Werksanlagen schwer beschädigt, doch ab 1947 konnten die Verantwortlichen in Neckarsulm bereits eine richtiggehende Motorradproduktion einrichten. 1948 feierte man in bescheidenem Rahmen das 75-jährige Firmenjubiläum und 1949 folgte die erste Motorrad-Neuentwicklung nach dem Krieg in Deutschland: die NSU Fox. Mit dem Slogan „Fixe Fahrer fahren Fox" wurde das Motorrad rasch ein Erfolg. Kennen Sie ihn noch?
  • Dem Wettbewerb davongefahren
    Die Nachkriegskonstruktionen besaßen nun Pressstahlrahmen im Gegensatz zu den Rohrrahmen der Vorkriegszeit. Diese konnten in größerer Stückzahl günstig hergestellt werden, sahen moderner aus und verbesserten die Stabilität der Motorräder erheblich. NSU bot Verkaufshits in jeder Fahrzeugklasse an: die NSU Fox (1949) in der 125 ccm Klasse, den Prima Motorroller (1951), die Lux (1952) in der 200 ccm Klasse, die Konsul (1952) in der 350 und 500 cm Klasse. 1952 kam die NSU Max heraus, zeitweise das meist gefahrene Motorrad in Deutschland. Mit ein Grund dafür war die Motorleistung, die mit 17 PS zu diesem Zeitpunkt deutlicher höher als bei den Wettbewerbern ausfiel. 1953 kam schließlich das Leichtkraftrad Quickly zu den Händlern, das mehr als eine Million Mal produziert und zum Synonym für Mopeds wurde. Die Menschen der Nachkriegszeit hatten ein großes Verlangen nach bezahlbarer Mobilität, NSU hatte in jeder Preislage das passende Angebot.
  • Superlative im Motorsport und abseits der Strecke
    1951 schraubte NSU den seit 1937 von BMW gehaltenen Geschwindigkeits-Weltrekord von 279,5 km/h auf 290 km/h. 1953 stieg NSU dann in die Rennen um die Motorrad Weltmeisterschaft ein. Es war auch das Jahr, in dem Werner Haas zum Sportler des Jahres gekürt wurde, da er auf NSU Fox und NSU Max die Motorrad-Weltmeisterschaft gewann. Im Jahr darauf holte der gebürtige Augsburger abermals den Sieg in der 250er-Klasse. In der 125 ccm Klasse beanspruchte der Österreicher Rupert Hollaus den Weltmeistertitel für sich. 1955 wurde die fünfte WM gewonnen, dieses Mal von H.P Müller aus Bielefeld auf einer NSU Sportmax. In diesem Jahr war NSU nicht nur Renn-Weltmeister, sondern auch in der Produktion. Mit knapp 350.000 Zweirädern war NSU größter Zweirad Produzent der Welt. Neuerliche Weltrekordfahrten im Jahre 1956 auf den Bonneville Salt Flats in Utah/USA vervollständigten das überragende Image: 54 Einzelrekorde in den Klassen 50 bis 1000 ccm sowie ein neuer absoluter Geschwindigkeitsrekord mit 339,4 km/h kamen auf das NSU-Konto. 1956 war NSU somit Inhaber sämtlicher Geschwindigkeitsweltrekorde.
  • Mitbewerber auf vier Rädern
    Der Trend zum Kleinwagen war mit dem Wirtschaftswunder Mitte der fünfziger Jahre unübersehbar. Und auch NSU blieb keineswegs von der einsetzenden Motorradflaute verschont. Auf der Frankfurter IAA stellte NSU im September den „Prinz" vor, ein Kleinwagen mit 600-ccm-Zweizylinder-Heckmotor und Ultramax-Ventilsteuerung von der Max. Der Wagen ging ab März 1958 in Produktion und hatte auf Anhieb Erfolg. Die weiterhin rückläufigen Motorradverkäufe bewogen die Geschäftsleitung 1963 zur endgültigen Produktionseinstellung von Max. Alle Einrichtungen und Werkzeuge wurden nach Jugoslawien verkauft. Mit der Firma Pretis in Sarajevo wurde eine Lizenzfertigung vereinbart, die jedoch nicht sehr lange aufrechterhalten blieb. Das Moped Quickly wurde noch bis 1968 im Werk Neckarsulm produziert. Bis dahin hatte man 2,3 Mio. motorisierte Zweirad im Werk Neckarsulm produziert. Damit war die Motorradproduktion endgültig beendet.
  • NSU heute
    1969 erfolgte die Fusion der „NSU Motorenwerke AG“ mit der VW Tochter „Auto Union GmbH“ zur „Audi NSU Auto Union AG“ mit Sitz in Neckarsulm, die 1985 in „Audi AG“ mit Sitz in Ingolstadt  umfirmiert wurde.  Zwar besitzt Audi Tradition etwa achtzig historische fahrbereite Motorräder, die bei Oldtimer Veranstaltungen eingesetzt werden, jedoch kein Museum. Sie sind deshalb auch nicht öffentlich zugänglich.  Im Audi Forum Neckarsulm bespielt Audi Tradition eine 1000 m² große Fläche mit Wechselausstellungen. Dort werden in loser Folge auch Motoräder gezeigt. Das „Deutsche Zweirad Museum + NSU Museum“ in Neckarsulm, das unter städtischer Verwaltung steht, zeigt alle wichtigen Vor- und Nachkriegsmotorräder. Die Audi AG unterhält eine enge Zusammenarbeit mit dem Museum.

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