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Renault 4

Schaukelpferd aus Frankreich

Er ist zwar klein, doch seine Geräumigkeit ist legendär. Besonders schnell ist er auch nicht, dafür ist der Abzug vom feinsten. Exzellent ist seine Straßenlage, und die Federung ist – typisch französisch – hervorragend. Gründe ihn nicht zu mögen, gab es kaum. Schwer zu glauben, dass er bald nicht mehr zu sehen sein wird - der R 4.

Nur noch wenige Exemplare des kleinen Renaults sind heute in Deutschland zugelassen. Noch vor rund 40 Jahren war dies anders. Allein 1968 wurden in Deutschland 52.000 Exemplare angemeldet, ein Jahr später gar 67.000. Ein Achtungserfolg, denn damit hatte es Renault geschafft, seinen Kleinen hinter den Käfer-Modellen auf Platz 3 der Gesamtstatistik bei Kleinwagen zu setzen.

Renault-Präsident Pierre Dreyfus verglich bei der Vorstellung des künftigen R 4 das neue Auto mit einer Jeans: "Ein Kleidungsstück, das man bei allen Gelegenheiten tragen kann, wenn man keinen Anspruch auf Snobismus und Konformismus erhebt." Auf den Markt kam der R 4 schließlich 1961 zu einem (Grund-)Preis von 3.390 D-Mark und entwickelte sich alsbald zu einem Verkaufsschlager.

Rein äußerlich tut sich der Renault 4 nicht durch Eleganz hervor. Das hat er auch nicht nötig, liegen doch seine Stärken ganz woanders: Durch die Heckklappe und die umklappbaren Hintersitze wird der R 4 schnell zum Kleintransporter mit dem Umzüge ein Kinderspiel sind. Als Frontantriebswagen läuft der R 4 mit einem Vierzylinder-Motor. Das schnellste Modell, der GTL, bringt es mit seinen 34 PS immerhin auf 120 Stundenkilometer. Brilliant der Federungskomfort: Weitaus größere und teurere Autos stellt der R 4 mit seinen Drehstabfedern locker in den Schatten. An eine Fahrt ohne kräftiges Schaukeln und Wiegen ist damit allerdings nicht zu denken.

In einem Kleinwagen-Praxistest des ADAC von 1971 schnitt der R 4 nur mittelmäßig ab. Als echte Zumutung wurde damals vor allem der häufige Ärger mit den Antriebswellen angeführt. Oft waren die Gelenke an den Vorderachsen schon nach 20.000 Kilometern angeschlagen. Befragt nach Verbesserungsvorschlägen, wünschten sich die R 4-fahrenden Motorwelt-Leser insbesondere eine bessere Verarbeitung, wirkungsvollere Bremsen und bessere Scheibenwischer.

Doch um solch profanen Dinge wie Pannenanfälligkeit oder Höchstgeschwindigkeit ging es echten R 4-Fahrern ohnehin nicht. Im Lauf der Jahre machten vor allem Studenten, Künstler und Gauloises-Raucher den praktischen Allrounder – neben dem 2 CV vom Konkurrenten Citroën – zu ihrem Kultauto. Kuriositäten wie etwa die Türöffner, bei denen man in eine Art Briefkastenschlitz greifen musste, störten sie nicht weiter, auch nicht der über dem ungepolsterten Armaturenbrett befestigte Rückspiegel.

R 4 fahren war Einstellungssache. Vieles konnte man nur mit Humor ertragen, wie beispielsweise das Duschbad, in dessen Genuss man dann kam, wenn leichtsinnigerweise die Frischluftklappen bei Regen geöffnet waren. Und auch im Kino zeigte der R 4 häufig sein Können. So im Abenteuerfilm "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten", als er auf reißenden Flüssen und schlammigen Urwaldpisten gleichermaßen seine Allrounder-Eigenschaften unter Beweis stellte.

Das Aus kam 1992. Über acht Millionen Mal war der "Franzosen-Käfer" vom Band gelaufen. In vielen Belangen war er dem VW-Käfer überlegen: geräumiger, praktischer, sparsamer. Einen Unfall als R 4-Insasse galt es trotz alledem besser zu vermeiden, alleine schon aufgrund der vielen Ecken und Kanten im Innenraum, die alle Gesetze der Sicherheit mit Verachtung straften. Doch um solche Dinge ging es, wie schon erwähnt, R 4-Fahrern ohnehin nicht.


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