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Range Rover

Landy im Smoking

Die Pressevorstellung des Range Rover im Juni 1970 war der Endpunkt einer langen Entwicklung: die Väter des Land Rover beschäftigten sich schon bald nach seiner Premiere im Jahr 1948 mit der Idee, dem erfolgreichen Arbeitspferd einen etwas weniger rustikalen Kombiwagen zur Seite zu stellen.

Der siebensitzige Station Wagon konnte jedoch von Oktober 1948 bis 1951 nur 641mal abgesetzt werden, und die in den fünfziger Jahren unter der Bezeichnung Road Rover entwickelten Prototypen fanden nicht den Weg in die Serie. Mit der Kombination aus dem seit 1968 in den Rover-Limousinen installierten Leichtmetall-V8 von General Motors (ursprünglich für die „Compacts“ von Buick, Oldsmobile und Pontiac entwickelt) und einer für die Epoche luxuriös ausgestatteten Karosserie eröffnete der Range Rover ein neues Marktsegment.

Allradantrieb blieb vordem militärischer, landwirtschaftlicher oder professioneller Nutzung vorbehalten – Ansätze für einen familiären Einsatz boten nur der Jeep Wagoneer (seit 1962), der Ford Bronco (seit 1966) und der 1969 vorgestellte Chevrolet Blazer.

  • Hartes Gelände und Opernfestspiele – nicht nur im Prospekt

    Die Verbindung von exquisitem Fahrkomfort auf der Straße und leistungsfähigem Allradantrieb mit Beschleunigungswerten und einer Spitzengeschwindigkeit, die viele Mittelklasse-Limousinen übertrafen, begeisterte nicht nur die Fachpresse. Auch die Kunden genossen die Möglichkeit, mit einem Allradwagen standesgemäß auf dem Boulevard oder vor der Oper vorzufahren.

    Einer der ersten Kataloge für den Range Rover in deutscher Sprache bemühte sich redlich, diese Eigenschaften darzustellen: „Hier werden in einem Fahrzeug vier Einzelfahrzeuge angeboten, wobei jedes in seiner Einsatzmöglichkeit führend ist. Während sieben Tagen in der Woche dient er als Luxuswagen für das Geschäft und den Privatgebrauch. Als ideales Freizeitauto bringt es seinen Besitzer genauso gut über Autobahnen wie über unwegsames Gelände. Dabei ist der Range Rover auch ein bequemer Hochleistungswagen für lange Reisen und er ist ein Betriebsfahrzeug für den Geländeeinsatz mit eindrucksvoller Ladefähigkeit.“
  • Entwicklung und Reife in stürmischen Zeiten

    Die Konstrukteure und Designer des Range Rover - Charles Spencer King, Gordon Bashford und David Bache konnten nicht ahnen, wie abwechslungsreich die Firmengeschichte ihres Entwurfs verlaufen sollte: 1965, noch in der frühen Entwicklungsphase, fusionierte The Rover Co. Ltd. in Solihull mit dem feinen Hersteller Alvis. Zur gleichen Zeit gab die British Motor Corporation (mit den Marken Austin, Morris, Austin-Healey, MG, Riley, Wolseley und Vanden Plas Princess) die Übernahme von Pressed Steel bekannt, wo unter anderem auch die Karosserien von Jaguar und Rover gefertigt wurden.

    Dieser Vorgang beschleunigte die Dynamik der Konzentrationsprozesse auf der Insel: 1966 schlossen sich Jaguar und Daimler mit BMC zur British Motor Holding (BMH) zusammen, im März 1967 fusionierte Rover mit Leyland-Standard-Triumph. Schon 1968 fanden sich die beiden Gruppen in der British Leyland Motor Corporation wieder, die alle bedeutenden Hersteller britischen Ursprungs umfasste und sowohl Politikern als auch Journalisten in den folgenden Jahrzehnten ein breites Betätigungsfeld bot.

    Der Range Rover war eines der wenigen Erfolgsprojekte des von strukturellen Problemen und Streiks geplagten Konzerns BLMC, was auch in den wechselnden Firmenbezeichnungen zum Ausdruck kam: von 1973 bis1975 firmierte man unter Rover (British Leyland UK Ltd.), bis 1978 als Leyland Cars und von 1978 bis 1980 als Jaguar Rover Triumph Ltd.. 1978 trennte man Land Rover und Range Rover vom Personenwagensegment, das von 1979 an mit Honda zusammenarbeitete und ab 1982 als Austin Rover Group am Markt auftrat.

    Ab 1986 existierte British Leyland nur noch als Rover Group Ltd., wurde zwei Jahre später privatisiert und an British Aerospace verkauft. BMW übernahm die Gruppe im Jahr 1994 und musste die britischen Marken (mit Ausnahme des Mini) nach verlustreichen Jahren wieder abgeben. Im Jahr 2000 landete die Land Rover Ltd. im (vermeintlich sicheren Hafen) der Premier Automotive Group der Ford Motor Company – gemeinsam mit Aston Martin, Lagonda, Jaguar, Daimler, Volvo und zeitweise auch Lincoln.

    Im März 2008 gingen die Marken Land Rover und Jaguar in den Besitz des indischen Tata-Konzerns über.
  • Erfolg unter allen Flaggen

    Das Urmodell aller luxuriösen Geländewagen und der modernen SUV musste unter den zeitweise chaotischen wirtschaftlichen Entwicklungen in der britischen Automobilindustrie lange auf eine angemessene Weiterentwicklung verzichten: erst 1973 war eine Servolenkung als Sonderausstattung im Angebot, ab 1978 konnte man den Overdrive ordern. Über ein Jahrzehnt verging, bis man eine viertürige Version oder ein Automatik-Getriebe offerierte.

    Range Rover – und natürlich sein Stammvater Land Rover - sind die einzigen Autos in der Geschichte, die trotz heftiger wirtschaftlicher Turbulenzen und unterschiedlichen  Firmenkonstellationen über einen derartig langen Zeitraum ihre Identität und einen guten Ruf wahren konnten.

    Ob Baujahr 1970 oder Baujahr 2010 – ein Range Rover ist immer eindeutig als solcher identifizieren und besitzt einen festen Platz in der „Ruhmeshalle“ bedeutender Automobil-Klassiker.

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