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Opel Manta A

Der Rochen aus Rüsselsheim

Als Capri-Fischer tituliert, startete der Opel Manta A zu seiner kurzen, aber höchst erfolgreichen Karriere.

Als im Frühsommer 1970 die ersten Erlkönig-Fotos eines eleganten Coupés mit Offenbacher Zulassung auftauchten, sprach die Fachzeitschrift mot sofort vom „Opel Anti-Capri“: die Redaktion bescheinigte dem noch namenlosen Viersitzer mit der zu erwartenden Motorisierung von 1.500, 1.700 und 1.900 ccm und der „ausgewogenen Form nach italienischer Art“ gute Marktchancen.

Die Rüsselsheimer hatten seit Jahren alle Coupé-Marktnischen systematisch mit einer Fülle von Versionen besetzt. Den Kadett gab es in mit zwei Karosserievarianten und zusätzlich noch in der populären Rallye-Ausführung, das baugleiche Olympia Coupé teilte mit dem Kadett LS die Form. Die zahlreichen Versionen des Rekord Coupé fanden im Modell Sprint und in den Commodore GS bzw. GS/E ihre Krönung; mit dem 1968 vorgestellten GT war zudem ein attraktiver Sportwagen ins Programm gekommen, dem die anderen Massenhersteller wenig entgegenzusetzen hatten.

  • Eleganz mit Blitz gegen Flower-Power vom Rhein

    Der Anfang 1969 vorgestellte Ford Capri mit seiner eigenständigen Form und vier Sitzen traf den Zeitgeschmack wohl noch präziser: schon im ersten Jahr liefen in Deutschland 134.344 Coupés vom Band, 1970 stieg die Zahl auf fast 170.000 Fahrzeuge. Dieser Erfolg ließ Opel nicht ruhen, und schon im Juni 1970 präsentierte man – kurz vor dem Anlauf der Bänder in Bochum - den von Charles „Chuck“ Jordan entworfenen Manta der Presse.

    In der Werbung konzentrierte man sich auf die Familientauglichkeit des Neulings: „Manta-Formel: Starker Motor – Elegantes Fahren. Europäische Reisesportlimousine in drei Versionen. Kraft für fünf. Komfort für fünf. Gepäck für fünf.“ Damit spielte Opel darauf an, dass der Ford Capri nur über vier Sitze und einen wesentlich kleineren Kofferraum verfügte.

    In den ersten Tests erhielt der Manta die Anerkennung dieser Qualitäten, doch vermisste man bei kleineren der drei angebotenen Motoren (mit 68 und 80 PS) die erwartete Sportlichkeit. Fahrverhalten, Ausstattung und die Optik der Karosserie von Charles Jordan (der in den achtziger Jahren die Leitung des Stylingstudios von General Motors übernahm) fanden rundum Anerkennung.
  • Auf Anhieb erfolgreich

    Noch im Jahr 1970 erreichte der Manta eine Produktionszahl von 55.393 Stück – der Verkauf startete am 25. September. Mit einem Preis von 7.953,15 D-Mark fand die Normalausführung die meisten Käufer. Schon im ersten vollen Modelljahr 1971 kam der Manta mit einer Gesamtstückzahl von 144.981 Exemplaren dem Kölner Rivalen (168.326 Fahrzeuge) sehr nahe – dies erstaunt um so mehr, da der Manta nicht – wie der Kölner Konkurrent - sieben Motoroptionen vom 1,3 Liter-Vierzylinder bis zum 2,6 Liter-Sechszylinder anbieten konnte.

    Zum beliebtesten Manta-Modell – vor allem im Export – entwickelte sich die 1,9-Liter-Version – für den 90-PS-Motor war ein Aufpreis von 216,45 Mark zu entrichten. Das SR-Paket mit mattschwarzer Motorhaube, seitlichen „Rallyestreifen“ bot serienmäßig 3-Punkte-Gurte vorne, Halogen-Doppelscheinwerfer, Drehzahlmesser, Amperemeter, Ölmanometer und weitere Kleinigkeiten. Dazu der Prospekt: „Mattschwarze Steuerzentrale mit blendfreien Rundinstrumenten – hier fühlt sich der Sportfahrer sofort zu Hause“. Der „Sportfahrer“ hatte für diese Extras einen Aufpreis von 822,51 Mark zu entrichten, womit der Manta SR 1900 immer noch unter der 10.000-Mark-Schallmauer blieb.

    In den USA boten die Buick-Händler den Manta in den Modelljahren 1971/72 als 1900 Series Sport und Rallye Coupé an, erst ab 1973 wurde auch in diesem Markt die europäische Modellbezeichnung übernommen.
  • Mehr Leistung – nicht mit Opel

    Schon kurz nach der Vorstellung des Manta erfüllte das Tuninggewerbe – an der Spitze die Unternehmen Steinmetz und Irmscher – den Wunsch nach höherer Motorleistung. Die Nachfolge des Rallye-Kadett im Motorsport übernahm allerdings nicht der Manta, sondern das am Turiner Salon im Oktober 1970 vorgestellte Schwestermodell Ascona, das unter Walter Röhrl und Jochen Berger 1974 die Rallye-Europameisterschaft gewann.

    Sonderentwicklungen wie der Manta mit Turbolader von Michael May oder eine Studie mit dem 2,5-Liter-Sechszylinder-Aggregat aus dem Commodore blieben im Serienprogramm folgenlos. Eine Randerscheinung stellte der auf der IAA 1973 präsentierte Manta GT/E dar. Der dank Bosch-Einspritzung auf 105 PS erstarkte und 190 km/h schnelle 1,9 Liter startete direkt in die erste Energiekrise und konnte ab März 1974 nur in knapp über 5.000 Exemplaren vermarktet werden.
  • Rarer Höhepunkt aus Belgien

    Eine vielfach unbekannte Variante des Opel Manta entstand in Belgien: der TE 2800 wurde von Transeurop Engineering mit Unterstützung der General Motors Continental in Antwerpen zur Serienreife entwickelt. Der mit dem 2,8-Liter-Sechszylinder des Commodore aufgerüstete Sportler verfügte über eine Leistung von 142 PS und erreichte eine nach Herstellerangaben eine Spitzengeschwindigkeit von 207 km/h. Der TE 2800 wurde gleichfalls ein Opfer der Energiekrise, brachte es nur auf eine Stückzahl von 79 Exemplaren und zählt heute zu den großen Raritäten.

    Nach 498.553 Fahrzeugen endete im Juli 1975 die Produktion des ersten Opel Manta – in den letzten Verkaufsmonaten mussten die Sondermodelle „Swinger“ und „Black magic“ (mit dem 105-PS-Einspritzmotor) die rückläufigen Verkäufe anschieben, während schon bald die ersten Manta B vom Band liefen.

    Das Schicksal des Manta war von seinen einstigen Vorteilen bestimmt. Die Familien- und Alltagstauglichkeit ließ ihn nicht so rassig erscheinen wie manchen Wettbewerber – als sportlicher Wagen nur knapp anerkannt, wurden viele Manta im Alltagsbetrieb verschlissen oder gegen das erfolgreiche Nachfolgemodell getauscht. Andererseits stellte der Manta eine günstige Basis für Hobbytuner dar – mit den entsprechenden Folgen für die Optik und in der Nutzung.

    Zwischen Verachtung und Verheizen fanden viele Coupés ein rasches Ende – heute ist die von Opel 1970 propagierte „Manta-Formel“ ein wichtiger Meilenstein in der Werksgeschichte, Fahrzeuge in originaler Optik und Technik sind gefragte Klassiker.
  • Weiterführende Informationen zum Thema Opel Manta
    Opel Manta - Alles über den Kultsportler aus Rüsselsheim: Technik - Design – Rennsport

    Egbert Schwartz

    96 Seiten, ca. 140 Abbildungen, Format 21,5 x 28,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
    ISBN 978-3-7654-7812-3, 19,95 Euro

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