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Opel Ascona 400

Die Streit-Axt vom Walter

„Die stärkste Seite vom Ascona ist sicherlich seine Zuverlässigkeit und eine unglaubliche Robustheit. Bei einem Unfall ist der Ascona wie ein Panzer. Der Unfall in Portugal (1982, Ursache ein Bruch des Lenkhebels, Anm. d. Red.) war wirklich ein schweres Ding, aber bis in den Innenraum ist nichts durchgekommen, absolut nichts. Der Motor gehört auch zu den Stärken des Ascona.“

So äußerte sich 1982 der zweifache Rallyeweltmeister Walter Röhrl in einem Interview über sein damaliges Rallyegefährt, mit dem er nach 1980 auf Fiat seinen zweiten Titelgewinn einfuhr.

  • Debüt bei der Rallye Monte Carlo 1980
    Während das Rallye-Duo Jochi Kleint/Gunter Wanger im Jahre 1979 die Rallye-Europameisterschaft noch auf einem für die Gruppe 2 vorbereiteten Opel Ascona B bestritt und am Ende gewann, werkelte man in der Rüsselsheimer Sportabteilung bereits an der Entwicklung eines Gruppe 4-Autos, das der um die Rallye-WM-Krone kämpfenden Konkurrenz gewachsen sein sollte. Demzufolge stellte die Opel-Entwicklungsmannschaft um Erich Koch 1979 den Ascona 400 vor, der in der kommenden Saison bei der Rallye Monte Carlo sein Debüt gab. Die zur Homologation erforderlichen 400 Einheiten wurden im Verlauf des Jahres 1979 im belgischen Antwerpen gebaut.
  • Das Opel-Team um Erich Koch

    Angeführt wurde das Opel-Team von Tony Fall und Jochen Berger, der 1974 an der Seite Walter Röhrls auf Opel Ascona A Rallye-Europameister wurde. Die technische Entwicklungsverantwortung lag zu diesem Zeitpunkt beim bereits eingangs erwähnten Erich Koch, der in den beiden Ingenieuren Goldstein und Meuer zwei fabelhafte Assistenten gefunden hatte.

    Bis zur Mitte des Jahres 1981 standen dem Team zwei Weltklassefahrer zur Verfügung: Jochi Kleint, Jahrgang 1948 und seit 1974 Rallye-Profi und der Schwede Anders Kulläng, Jahrgang 1943, der seit 1962 aktiv war und mehrfacher schwedischer Rallyemeister wurde. Ihnen zur Seite standen als Copiloten der Student des Maschinenbaus, Gunter Wanger sowie der königlich-schwedische Postbeamte Bruno Berglund.
  • Erster Gesamtsieg bereits beim zweiten Einsatz

    Schon von der ersten Rallye an, der damals noch schneereichen Monte ´80, erwies sich der 400 als absolut konkurrenzfähig und hinterließ mit den beiden Werksfahrern Kulläng und Kleint auf den Plätzen vier und acht im Gesamtklassement einen bleibenden Eindruck. So ließ der erste Gesamtsieg auch nicht lange auf sich warten: Bereits bei der folgenden Schweden-Rallye fuhren Kulläng/Berglund die „Familienlimousine“ auf Platz 1.

    Dabei entsprang der Schweden-Einsatz des Ascona 400 eher einer Privatinitiative des Schweden, der sein Monte-Carlo-Auto von Opel nur geliehen bekam, es aber selbst, mit Hilfe von Opel Schweden, einsetzte.

    Ein neuer Motor, Getriebe und eine Hinterachse wurden aus Deutschland geliefert, die notwendigen Reifen besorgte sich Kulläng selbst. Dann machte er sich daran, bei ausgiebigen Tests die für die schwedischen Verhältnisse erforderliche Fahrwerksabstimmung herauszufinden.
  • Der 400er bei der Himalaja-Rallye 1980

    Im Jahr 1980 folgte noch ein erster Platz bei der Himalaja-Rallye durch den Kenianer mit britischem Pass Shekhar Mehta. Dieser Einsatz hatte besondere Bedeutung für die Weiterentwicklung des Ascona 400 für künftige Extrem-Rallyes wie etwa der „Safari“ oder der „Elfenbein“. Eingesetzt wurde bei der „Himalaja“ eine Euroschotter-Version, die zudem höhergelegt wurde.

    Im diesem Jahr fanden drei verschiedene Ausführungen des Opel Ascona 400 Verwendung: Die besagte Euroschotterversion, eine Safari- sowie eine Asphaltvariante, wobei die Hauptunterschiede hier jeweils bei den Fahrwerken, den Karosserieverstärkungen und dem Fahrzeuggewicht zu finden waren.

    Den Sprung in die absolute Oberliga schafften Kleint/Wanger mit dem 400 durch einen Bronzeplatz bei der Rallye Monte Carlo im Folgejahr. Sie erreichten damit für Opel das bis dato beste Monte-Resultat aller Zeiten. Dieses Ergebnis sollte jedoch bereits im nächsten Jahr mit einem hochgewachsenen Regensburger hinterm Lenkrad nochmals getoppt werden.
  • Die Saison ´82: das Beste zum Schluss
    Die Stunde des Opel Ascona 400 sollte in der Saison ´82 schlagen, als das Team Walter Röhrl und Christian Geistdörfer im Cockpit Platz nahmen.

    Nachdem sich Walter Röhrl entschlossen hatte, seinen Vertrag bei Fiat nicht zu verlängern, stellte er sich in die Dienste von Daimler-Benz. Was zunächst wie ein gelungener Coup aussah, entpuppte sich alsbald als Sackgasse. Nachdem sich die Daimler-Benz AG den Rallyeweltmeister von 1980 mit einem Vertrag auf Lebenszeit gesichert hatte, ließen die Verantwortlichen aus Stuttgart urplötzlich verlauten, dass man sich 1981 aus dem Rallyesport zurückziehen werde und das freiwerdende Potenzial nun in die Entwicklung energiesparender Technologien stecken werde. Kurze Zeit später wurde der geschlossene Vertrag „in bestem gegenseitigen Einvernehmen“ aufgelöst.

    So stand Röhrl also unerwartet wieder auf der sprichwörtlichen Strasse, während inzwischen bei den anderen Teams die Personalentscheidungen längst getroffen waren. So kam es, dass sich „der Walter“, wie er noch heute von seinen zahlreichen Fans genannt wird, zunächst mit privaten Einsätzen bei nationalen Wettbewerben auf Porsche 924 Carrera GTS zufrieden geben musste.

    Die Rallyegemeinde empfand es geradezu als Erlösung, als man bei Opel im Herbst 1981 verkündete, dass man mit dem Tabakfabrikanten Rothmans einen zahlungskräftigen Sponsor an Land gezogen habe. Für die geplanten zehn WM-Läufe seien daher noch Plätze im Cockpit des Ascona 400 frei.
    Man verpflichtete das Duo Röhrl/Geistdörfer für die Saison ´82 und damit den „besten Rallyefahrer aller Zeiten“. Das musste auch sein, wollte man gegen die mittlerweile übermächtigen Quattros von Audi noch einen Stich machen.
  • Röhrl wird mit dem 400er zum zweiten Mal Weltmeister

    Und so kam es in dieser Saison zu einem der wohl spannendsten Duelle in der Geschichte des Rallyesports, an dessen Ende mit dem Sieg bei der Rallye Elfenbeinküste (27. Oktober bis 2. November 1982) über Michele Mouton im Audi Quattro Walter Röhrl auf Opel Ascona 400 zum zweiten Mal Rallyeweltmeister wurde. Zahlreiche Defekte des Quattro und eine nahezu schnee- und eisfreie Monte in diesem Jahr haben neben dem fahrerischen Talent des Walter Röhrl hierzu beigetragen.

    Es sollte die letzte offizielle Werks-Saison des Ascona 400 werden, die Wachablösung in Form des Opel Manta 400 stand kurz bevor.

    Doch was noch viel einschneidender war: Es sollte zugleich das letzte Mal sein, dass ein „Hecktriebler“ die Rallye-WM für sich entscheiden konnte. Der Siegeszug des Allradantriebs war nicht mehr aufzuhalten und die Gruppe-B-Monster mit später knapp 600 PS tauchten bereits am Horizont auf.

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