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Range Rover der Russen

Lada Niva: Rustikaler Dauerbrenner mit Ost-Charme

"Wenn es keine Straße mehr gibt, sondern nur noch eine Richtung, dann ist er in seinem Element". So titelt der deutsche Importeur über den Lada 2121, auch bekannt als Niva. In Produktion seit nunmehr über 30 Jahren, gedieh ihm nur gelegentlich eine Modellpflege an. Nach dem Motto: Bewährtes soll man nicht ändern.

Noch heute versprüht er den unverwechselbaren Charme der Siebziger Jahre, auch wenn er inzwischen über Polstersitze statt Kunstledergestühl verfügt. Das Reserverad unter der Motorhaube jedoch ist geblieben.

Der erste Niva verließ 1976 die 270 Kilometer langen Produktionsstraßen der AVTOVAZ - Russlands größter Automobilfirma in Togliattigrad, rund 1000 km südwestlich von Moskau. Mit seinem permanenten Vierradantrieb, mit dem er den meisten Kontrahenten damals um Jahre voraus war und dem Top- Preis-Leistungsverhältnis fuhr er konsequent in die Herzen von Off-Road-Fans, Abenteurern, Jägern und Förstern.

Auch das russische Militär setzte auf auf den kleinen Off-Roader: Als "2122" oder "Reka" wurden in den späten 70er Jahren bis 1988 verschiedene Amphibien-Versionen getestet. Jedoch kam die Rote Armee nicht mehr in den Genuss der Serienversion des 2122 - der eiserne Vorhang war gefallen.

Aber das sollte nicht das Ende der Niva-Geschichte sein. Nach 1989 setzte der robuste Russe, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Ostflair den Siegeszug im Rest der Welt fort. Dabei stand ihm sein funktional-karges Interieur, dass man notfalls auch mit dem Hochdruckreiniger säubern könnte, ebenso wenig im Weg, wie der nachgesagte schlechte Fahrkomfort mit vibrierender, dröhnender, schaukelnder Karosserie.

Beflügelt vom Erfolg realisierte Lada 1993 in Europa sogar eine Cabrio-Version, ein Jahr später noch den 2131 - eine Version mit langem Radstand. Der altgediente 2121 erhielt ein zeitgemäßes face-lift: Als "Safari" besticht er im Zebra-Design.

Und das erscheint passend: Denn wo die Zebras grasen, fühlt sich auch der Niva wohl. Nicht umsonst bedeutet sein Name übersetzt "Feld". Wenn er abseits der Straße behände über buckliges Terrain turnt, lernt man die stets knurrenden, stählernen Innereien des Taigaläufers schnell zu schätzen. Straßen sind dann Luxus und der 1200 Kilo leichte Schwerarbeiter wird zum guten Freund. Die Tests im wilden Usbekistan von 1973 haben ihn gut auf seine Aufgabe vorbereitet.

Macht er doch einmal schlapp, reicht in der Regel ein Schraubenzieher, um ihn wieder zum Laufen zu bringen. Komplizierte Technik und ausgefallene Ersatzteile sind ihm, im Gegensatz zu seinen Kollegen aus den oberen Preisklassen, fremd. "Treuer Kamerad und anspruchsloser Wegbegleiter" - diese Worte bringen sein Wesen auf den Punkt. Unbeeindruckt vom fortschrittlichen Westen, der ihn oft belächelte, bahnte er sich so seinen Weg und erwarb sich quer über die Kontinente zahlreiche Huldiger.

Herber als die Fans urteilten allerdings die ADAC-Auto-Tester in ihrem Testbericht vom August 1989. Während das Gesamtfazit mit "Rustikales, schwergängiges Allradfahrzeug für den Einsatz abseits der Straße. Schlechter Wiederverkauf" - sich noch im Rahmen hielt, waren die Einzelwertungen zum Teil vernichtend. "Verarbeitung im Detail unbefriedigend", so der Kommentar der Tester zur Karosserie. Auch der Fahrkomfort konnte sie nicht überzeugen, wie das "aufdringlich heulende Heizungsgebläse" belegt.

Und dennoch, seit Jahren trotzt der Niva dem Aussterben, während viele seiner, oft sehr erfolgreichen Automobil-Kollegen vom Markt verschwanden. Russischer Phlegmatismus oder einfach nur kluge Konservierung einer genialen Idee? Mit seinem Charme durchbrach der Niva den Vorhang, lange bevor die Politik es tat. Es tut gut zu wissen, dass manchmal noch das Herz über den Verstand triumphiert. Und der wahre Abenteurer liebt es eben hart.


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