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Citroen Bijou

Haute Couture für die Ente

Fast ausgestorben ist heute das Handwerk der Hobbydesigner: in einer Epoche der zahlenmäßigen Explosion von Baureihen und Typenzahlen mit häufigen Facelifts oder Maßnahmen zur MOPF (so bezeichnen manche Konzerne die Modellpflege) fällt es schon schwer, der Programmentwicklung zu folgen.

Als die Laufzeiten einzelner Automodelle minimal sechs Jahre, oft auch Jahrzehnte umfassten, fühlten sich viele berufen, Verbesserungsvorschläge für die in die Jahre gekommenen Konstruktionen vorzustellen. Vom Schüler, der die Fachpresse mit Bleistiftzeichnungen beglückte bis zum professionellen Stilisten, der gekonnte Entwürfe veröffentlichte, reichte der Kreis der Ratgeber. Dazu kamen die nicht immer gelungenen Objekte, bei denen renommierte Karosseriefirmen oder engagierte Eigenbauer ihre Ideen in Blech oder Kunststoff verwirklichten.

Beliebtestes „Opfer“ war der Volkswagen: zeitweise kokettierte das Werk mit dem Käfer-Werbeslogan „Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann". 1967 musste VW-Generaldirektor Heinrich Nordhoff unter dem Druck einer Attacke des Bundesfinanzministers Franz-Josef Strauß 36 der geheimen Prototypen für einen Käfer-Nachfolger in der Öffentlichkeit zeigen – keine der Studien fand mit Hinblick auf den ungewissen Publikumserfolg den Segen der Firmenleitung.

  • 2 CV im modernen Kleid

    Eine vergleichbare Zuneigung von Kleinserienherstellern und Hobbykonstrukteuren konnte der legendäre Citroen 2 CV genießen. In einem speziellen Fall verbesserte sogar eine hauseigene Filiale den aus der Vorkriegszeit stammenden Karosserieentwurf. Die 1925 gegründete britische Citroen-Filiale in Slough montierte mit großem Erfolg von 1935 bis 1955 den legendären Traction Avant in rechts- und linksgelenkter Ausführung.

    Mit der Montage des 2 CV mit Rechtslenkung begann man im Februar 1953, trotz verschiedener Ausstattungsverbesserungen und der Herstellung eines eigenständigen Pick-up-Modells war dem Wagen bei den konservativen Käufern auf der Insel kein großer Erfolg beschieden. Citroen Cars Limited in Slough beauftragte deshalb Peter Kiwan-Taylor, der bereits den Lotus Elite sehr elegant gezeichnet hatte, eine moderne Form mit Anklängen an den Citroen DS 19 zu gestalten. Das viersitzige Coupé feierte seine Premiere bei der London Motor Show in Earls Court im Oktober 1959.
  • Hervorragende Presseresonanz…

    Für die ADAC Motorwelt berichtete im Dezember 1959 Ken B. Hopfinger unter der Überschrift „London: Hunger nach Autos“ über den Neuling: „Die Überraschung der Ausstellung war zweifellos der neueste Kleinwagen Bijou, den das britische Montagewerk der französischen Citroen-Werke herausbrachte. Bei diesem Kleinwagen hat der Citroen 2 CV, der den Beinamen „das hässliche Entlein“ trägt, Pate gestanden. Aber nur das Fahrgestell stammt vom Citroen 2 CV, sonst hat das Modell Bijou keine Ähnlichkeiten mit dieser in Frankreich sehr beliebten Fahrmaschine.

    Beim Bijou handelt es sich um einen Viersitzer mit Allsicht-Fenstern, Frontantrieb und luftgekühltem Zweizylinder-Motor mit vier synchronisierten Vorwärtsgängen. Die in der Form ansprechende pontonförmige Karosserie besteht aus Kunststoff. Der Benzinverbrauch für diesen Wagen wird mit 4,6 Liter auf 100 km angegeben.“

    Auch Reinhard Seiffert kommentierte in „Das Auto, Motor und Sport“ die Neuvorstellung mit Anerkennung: „Zuviel Hässlichkeit verkauft sich offenbar auch in England schlecht. Die britische Citroen-Filiale jedenfalls entschloss sich, dem Citroen 2 CV sein Wellblechkleid auszuziehen und verpasste ihm einen guten Kunststoff-Anzug. Das Ganze war in elegantem Beige mit weißer Innenausstattung unter dem Namen Bijou einer der Haupt-Anziehungspunkte in London. Das kleine Auto sieht recht hübsch aus, abgesehen vielleicht von den Radausschnitten für die großen Räder und deren ansehnliche Federwege. Der Citroen Bijou soll vorläufig nur in England lieferbar sein. Ein Versuchsballon?“
  • …aber vom Käufer ignoriert

    1960 ging der Citroen Bijou statt mit dem in London gezeigten hochformatigen Grill mit großem Doppelwinkel mit einer neuen Frontpartie in Produktion, wobei man völlig auf das Markenlogo verzichtete. Technisch entsprach das kleine Auto dem 2 CV mit 425 ccm und 12,5 SAE-PS, war aber deutlich vollständiger ausgestattet und verfügte sogar über das Einspeichen-Lenkrad der DS-Baureihe.

    Mit einem Preis von 695,- Britischen Pfund war der Citroen Bijou allerdings exakt 201,- Pfund teurer als der in der gleichen Saison präsentierte Austin Mini. Mit einer Gesamtstückzahl von 213 Exemplaren (verschiedene Quellen nennen 209 oder 211 Fahrzeuge) blieb der Citroen Bijou weit unter den Erwartungen des Herstellers und der Kommentatoren, wurde aber bis 1964 im Katalog der britischen Citroen-Filiale geführt.

    Etwa 140 Exemplare haben nach Schätzungen bis in die Gegenwart in Sammlerhand überlebt. Wie zählebig der „unmoderne“ Ahnherr 2 CV war, beweist auch die Tatsache, dass er die optisch frischere, 1967 eingeführte Dyane (mit über 1,4 Millionen Exemplaren sicher ein Erfolgsauto) fast um ein Jahrzehnt überdauerte. Der Slogan „Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann" hatte wohl auch für Enten seine Gültigkeit.

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