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ADAC Motorwelt vor 60 Jahren

Mercedes-Benz 170

Im Juni 1949 gab es wieder einen neuen Mercedes. Nicht ganz neu, sondern eine Weiterentwicklung des bewährten Vorkriegs-170 V, aber in vielen Details doch deutlich verbessert.

Er wurde gefeiert als „ein Erlebnis, das uns Freude machte, das uns in lebendigster Form deutschen Wiederaufbauwillen, gepaart mit schwäbischer Tüchtigkeit und Fleiß demonstrierte“.

  • Probefahrten auf der Solitude
    1945 war das Werk in Untertürkheim zerstört und es kostete viel Kraft in so kurzer Zeit die Fabrik wieder aufzubauen und dazu die Automobilproduktion wieder in Gang zu setzen.

    Probefahren durfte der Tester der ADAC Motorwelt das neue Fahrzeug auf der Solitude Rennstrecke. Aber die war noch voller Schlaglöcher; auf der anderen Seite konnten so die Fortschritte in der Federung und Straßenlage umso besser „erfahren“ werden.

    Voll des Lobes war unser Tester:
    „Ruhig liegt das Steuerrad in der Hand, fast erschütterungsfrei schluckt das Fahrzeug die Schlaglochreihen, wunderbar weich und sportlebendig beschleunigt der Motor, spielend leicht schaltet sich das vollsynchronisierte Getriebe, wirkungsvoll und weich betätigen sich die Bremsen.“
  • Gediegene Ausstattung

    Der neue 170 S war eine Weiterentwicklung des 170 V, der übrigens weitergebaut wurde. Der 170 S erhielt einen größeren Motor, der nun 52 PS leistete. Die Vorderachse wurde vollständig neu entwickelt; sie war eine Querlenkerachse mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern. Die Hinterachse wurde verbreitert und ebenfalls mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern gefedert.

    Gelobt wurde überdies die neu überarbeitete Einscheiben-Trockenkupplung und das vollsynchronisierte Viergang-Getriebe. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 120 km/h gemessen, der Verbrauch lag bei „normaler“ Geschwindigkeit bei 9,7 l/100 km.

    Dann kommt der Tester ins Schwärmen:
    „Das markante, rassige Profil, die Wagenform, die eine außerordentlich glückliche Mischung zwischen amerikanisch/europäisch und deutschem Geschmack zu sein scheint, die vornehme Linie wahrend. Die Innenausstattung ist äußerst sorgfältig und geschmackvoll. Das reich ausgestattete Armaturenbrett enthält u.a. Tagesuhr, Tachometer mit Kilometerzähler, Öldruckmesser, Benzinstandsanzeiger und Fernthermometer. Das Mittelfeld ist für den Einbau eines Radiogerätes freigehalten.“ Selbstverständlich war diese Ausstattung zu dieser Zeit keineswegs, ebenso wenig wie eine serienmäßige Heizung.
  • Neu war der Dieselmotor im 170 D

    Interessanterweise kostete der Benziner damals mehr als die Dieselvariante, der Preis stand allerdings bei Drucklegung noch nicht fest. Es wurden zirka 9.400,- und 10.200 DM prognostiziert. Das war für die damalige Zeit ein sehr stolzer Preis.

    Alles in allem war der neue Wagen eben „mercedös“. Der 170 S war zwar kein Luxusfahrzeug, aber ein Gebrauchsfahrzeug der Spitzenklasse.

    Die wahre Neuerung war aber der Dieselmotor:
    1936 erschien auf der IAA der erste Mercedes Diesel (260 D), einer der beiden ersten Diesel Personenwagen überhaupt. Lange galt der Dieselmotor als nicht für Personenwagen geeignet. Hoher Preis, großer technischer Aufwand, erhebliches Mehrgewicht, mangelnde Laufruhe und anderes mehr, dazu nicht rauchfreie Verbrennung und Geruchsbelästigung, sehr hohe Druckspitzen bei der Verbrennung.

    Viele dieser Nachteile wurden beim 170 D entscheidend verbessert oder gar eliminiert. Die Mercedes Ingenieure hatten das Vorkammerverfahren bei der Kraftstoffeinspritzung beibehalten, aber gelernt, den Verbrennungs-Ablauf wesentlich besser zu beherrschen.

    Der fahrfertige Wagen wog zwar immer noch 1.250 gegenüber 1.160 kg, aber der entscheidende Vorteil war damals wie heute der geringere Kraftstoffverbrauch: 6,4l/100 km. Das ist auch heute noch ein respektabler Wert.
    Übrigens gab es damals auch noch einen Hinweis auf „Schwarzbenzin“: da konnte man beim Diesel noch mehr sparen!

    Später erschien auch der 170 S in einer Dieselversion als sog. 170 DS. Als wenig später der Typ 180 auf den Markt kam, verschmolz man die Typen 170 V und 170 S sowie 170 D und 170 DS, um die Preise gegenüber den 180er Typen reduzieren zu können. Man nahm die abgespeckten Karosserien der S-Typen und packte diese auf die alten Fahrgestelle der V-Typen: es entstanden die Typen 170 S-V und 170 S-D. Dieser "Kunstgriff" wurde gerade von der sensiblen Benziner-Kundschaft wenig honoriert, weshalb sich von diesen Zwitter-Typen überwiegend die Diesel-Modelle verkauften.

    ADAC Motorwelt 06/1949

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