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30 Jahre AUDI Quattro

Auf allen Vieren zum H-Kennzeichen

Im späten Winter 1980 erschienen in der europäischen Fachpresse die ersten Bilder eines fast ungetarnten Fahrzeugs, das in Schweden bei Schnee und Eis die letzten Erprobungen durchlief und mit den markanten „Vier Ringen“ an den Türen seine Identität nicht verbarg.

Kurz vor der Premiere waren schon Details bekannt: das kantige Coupé mit 2,2-Liter-Fünfzylinder-Motor, Turbolader und Allradantrieb sollte nicht als Audi 80 Coupé vermarktet werden, sondern den Namen „Quattro“ tragen. „Auto, Motor und Sport“ präsentierte den Neuen aus Ingolstadt in Heft 5 vom 27. Februar 1980 an prominentester Stelle auf der Titelseite, stellte ihn auch „als den wahren Salonlöwen“ in den Mittelpunkt der Vorschau zum Genfer Salon.

Auf sechs Seiten dokumentierte das Magazin ausführliche die Vor- und Entwicklungsgeschichte des Projekts EA 262 und die treibenden Kräfte bei Audi: Jörg Bensinger, Walter Treser und Ferdinand Piech. Redaktionsdirektor Ferdinand Simoneit und Chefredakteur Gert Hack reichten zum Thema Allrad und Audi noch Kommentare nach.

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Audi Club International e.V.


  • Wenig Euphorie im Ausland

    Andere Medien reagierten nicht so euphorisch: die Katalognummer 1980 der „Automobil Revue“ in Bern bestätigte dem Quattro „außerordentlich hohe Fahrleistungen und einen originellen Vierradantrieb für bestmögliche Vorschubkraft“, während das „Auto-Jahr“ neben einer ausführlichen technischen Beschreibung bemerkte: „der Audi Quattro mag zwar etwas klobig wirken, dennoch ist der Luftwiderstandsbeiwert Cw=0,40 recht gut.“

    Das französische Monatsmagazin „L’Automobile“ bestätigte dem Quattro „eine schlichte Präsentation, wobei die Ausstattung aber keine Lücken aufweist.“ „Sport-Auto“ räumte dem jüngsten Produkt von Audi nur wenig mehr als eine Seite ein und notierte: „Dabei wirkt das Audi-Coupé, das im Herbst auch im Zivil-Look auf den Markt, kommt, äußerlich ziemlich unscheinbar. Dieser „V.A.G.-Porsche“, wie die VW-Audi-Vertriebsleute ihr neues Kind intern nennen, weist ein extremes Keilform-Styling auf.“ Diese Aussage war ebenso unzutreffend wie die Prognose, dass vom Quattro nur 2.000 Exemplare aufgelegt werden sollten.

    „rallye racing“ war deutlich besser informiert: „Der Audi Quattro soll dem etwas betulichen Audi-Image auf die Sprünge helfen, frei nach dem Motto „Sieh mal einer an, was die tüchtigen Jungs in Ingolstadt alles können“. 1980 sollen erst einmal 400 Quattro gebaut werden, die für die Homologation in der Gruppe 4 nötig sind.“ Die Hamburger Motorsport-Zeitschrift konnte auch bereits im März 1980 mit einem kurzen Fahrbericht inklusive Fotos unter winterlichen Bedingungen im Alpenraum aufwarten.
  • Immer wieder ein Kritikpunkt: die Optik

    „mot“ kritisierte in gewohnt nüchterner Form: „eine große Heckklappe, wie die Form des Quattro vermuten lässt, hat der neue Audi nicht. Ein variabler Gepäckraum war wegen des über der Hinterachse stehenden 92-Liter-Tanks nicht zu realisieren.“

    In der gleichen Zeitschrift unterzog Olaf von Fersen im Mai 1980 die Technik des Quattro einer gründlichen Analyse und konstatierte: „Ein Wunsch-Auto der Ingenieure: wenn der Audi Quattro die Erwartungen erfüllt, die seine Schöpfer in das Konzept gesetzt haben, dann könnte dieses optisch leider wenig attraktive Coupé einen starken Impuls für die künftige Entwicklung der Automobiltechnik liefern.“
  • Der erste öffentliche Auftritt

    Der 50. Genfer Autosalon vom 6. bis 16. März 1980 präsentierte den Audi Quattro erstmals dem Publikum – in Konkurrenz zu Neuheiten wie dem Fiat Panda und den optisch sicher charmanteren Renault Fuego (siehe ADAC Oldtimer-Newsletter am 04.03.2010) und Ferrari Mondial 8.

    Auch hier bewunderte man die technischen Details – Begeisterung war nicht zu erkennen. So konnte der Quattro auch in der populären Leserwahl 1981 von „Auto, Motor und Sport“ nicht zu den Siegern aufrücken. Sogar der einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannte und in Ingolstadt gebaute VW Iltis, der als Stammvater der Quattro-Entwicklung gelten kann, platzierte sich mit 5 % der Leserstimmen unter den fünf besten Geländewagen. Der Iltis hatte allerdings sportlich dem Quattro eines voraus: vier Exemplare konnten sich bei der zweiten Auflage der Rallye Paris-Dakar im Januar 1980 die Plätze 1, 2, 4, und 9 sichern.

    Die Marke Audi war zu dieser Zeit im Motorsport noch weitgehend ein unbeschriebenes Blatt, was sich allerdings kurzfristig ändern sollte.
  • Nur Sport macht glücklich

    Das erste Signal für die Richtung, die die Ingolstädter anstrebten, war die Verpflichtung des Rallye-Champions Hannu Mikkola für die Saison 1981. Als so genannter Nullwagen trieb das Team Mikkola/Hertz den Quattro bei der Rallye Algarve in Portugal regelrecht vor dem Feld her, „gewann“ 29 von 30 Sonderprüfungen und erzielte einen Vorsprung von 29 Minuten. Unter Wettbewerbsbedingungen, aber außer Konkurrenz - der Audi war im Oktober 1980 noch nicht homologiert.

    Ab 1. Januar 1981 (292 Wagen hatte man im Vorjahr gebaut) trat der Quattro in Gruppe 4 an und konnte bei der österreichischen Jänner-Rallye unter Franz Wittmann einen Aufsehen erregenden Sieg erringen, kurze Zeit später gewannen Mikkola/Hertz in Schweden erstmals einen Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft. Der große Durchbruch kam im Oktober 1981 bei der Rallye San Remo: Michèle Mouton und Fabrizia Pons siegten als erstes Damenteam in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft, 1.956 Fahrzeuge liefen in diesem Jahr vom Band.

    Die Spur zur Legende war frei: wenn man den Audi Quattro im Jubiläumsjahr als Revolution der Automobiltechnik und Wegbereiter der Marke zum Premium-Segment feiert, denkt niemand mehr an den verhaltenen Empfang bei der Geburt.

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