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Jetzt fehlt ihm nur noch die große Klappe

Alfasud 1,5

Jetzt fangen die natürlich wieder mit dem Rost an, werden Sie sagen. Ist doch klar, Alfasud und Rost gehören zusammen. Wir wollen aber gar nicht vom Rost reden, denn das haben wir in der Januar-Ausgabe lang und breit getan.

Wir wissen, dass Alfa Romeo seit zwei Jahren intensiv gegen den Rost kämpft, wir kennen die Maßnahmen und wir sind zuversichtlich. Rost am Sud ist jetzt hoffentlich kein Thema mehr. Doch der Alfasud ist immer noch ein Thema, obwohl er nun schon seit acht Jahren fast unverändert gebaut wird.


  • Nicht weniger als neun Sud-Varianten

    Erinnern Sie sich? Als er damals kam, verblüffte er mit einem großen Innenraum, sein wassergekühlter Boxermotor war ein technischer Leckerbissen, und auch der Preis des Viertürers schmeckte: 7.990 DM. Das waren Zeiten!

    Ein paar Jahre später, 1978, kostete der billigste Alfa 10.240 DM, und einschließlich der Coupé-Versionen gab es nicht weniger als neun Variationsmöglichkeiten zum Thema Sud. Aber schon damals wurde vermutet, dass bald ein ganz neues Modell kommt. Als die Italiener jetzt „einen neuen Alfa Romeo in der kompakten Mittelklasse“ ankündigten, durfte man gespannt sein. Es kam aber kein ganz neues, sondern nur ein bearbeitetes, ein aufgefrischtes Modell. Aber außen und innen ist genauso viel verändert worden, dass man wieder über den Alfa reden muss.

    Breite Kunststoff-Stoßfänger, vorn mit integriertem Spoiler, und seitliche Schutzleisten halten kleinere Rempeleien vom Blech ab und setzen den Sud optisch besser ins Licht. Zusammen mit den Änderungen an Scheinwerfern und Grill schaut er nun mit dem typischen Gesicht der modernen Alfa-Generation in die Welt, und direkt von vorn betrachtet hat er Ähnlichkeit mit der Giulietta. Der Luftwiderstandswert soll mit der neuen Nase um zwei Prozent auf den klassenüblichen cw-Wert von 0,41 gesenkt worden sein.

    Auch das Heck sieht mit den geänderten, vergrößerten Leuchten besser aus. Aber das, worauf man nun schon seit Jahren gewartet hat, sucht man vergebens - eine Hecktür. Sie kommt erst Ende es Jahres. Solange wollten wir mit einem Test natürlich nicht warten. Denn die Frage, wie gut der Sud heute ist, lässt sich auch jetzt schon beantworten.


  • Zahlreiche Verbesserungen im Detail

    Als wir ihn vor eineinhalb Jahren zum letzten Mal testeten, mussten wir ihm ein paar Dinge ankreiden, die uns schon immer missfielen: schwach gefederte Sitze, nackte Metall-Lenkradspeichen, die Heizung war nicht wirksam genug, das Gebläse zu schwach, es gab keine Entfrosterdüsen für die Seitenscheiben und keine Wisch-Wasch-Automatik.

    Und heute? Die Sitze wurden spürbar komfortabler (bessere Polsterung, längere Sitzflächen), in einigen Einstellbereichen spürt man jedoch einen harten, unteren Lehnenabschluss am Steißbein. Heizung und Gebläse wurden kräftiger, und auch die Luftverteilung zur Frontscheibe und zum Innenraum wurde deutlich verbessert. Unverändert blieb die (ewig umstrittene) Hupenbetätigung am Wischerhebel, und um Scheibenwischen und -waschen muss man umständlich am Wischerhebel drehen und ziehen. Da fehlt eine schnelle Wisch-Wasch-Automatik. Und immer noch fehlt ein voll abgepolstertes Lenkrad.

    Die Instrumente lassen sich beim neuesten Sud noch besser als bisher ablesen, und die Schalter für beheizbare Heckscheibe, Warnblinker und serienmäßige Nebelrückleuchte liegen nun nicht mehr versteckt unter dem Armaturenbrett, sondern gut erreichbar über der Heizungsregulierung. Schlecht: Nachts sind die Schalter nicht beleuchtet, und so fingert man unsicher herum.


  • Gutes Platzangebot

    Nach wie vor gut ist das, was den Alfasud schon immer auszeichnete: Man hat viel Platz in diesem Auto, besonders auf der Rückbank. Mehr beispielsweise als in einem Opel Ascona, VW Passat oder Citroen GS. (Den Audi 80 will ich ausklammern, denn der ist ein gutes Stück länger und in dieser Klasse in Sachen Kniefreiheit unschlagbar.) Das Gepäck wird in dem für den Alfasud (und Citroen GS) typischen Kasten-Kofferraum untergebracht, und in diesem glattflächigen Abteil lassen sich 400 Liter verstauen.

    Zum Vergleich: Ein Ascona fasst 410 Liter, ein Passat 320 bis 620 Liter, ein Jetta 520 Liter und ein GS 400 bis 460 Liter. Man fragt sich allerdings: ist es nun besser, das Gepäck erst über eine Bordwand zu heben und dann leicht verstauen zu können, oder, wie beim Alfa, in ein niedriges Abteil schieben zu können, dafür aber tief in die Knie gehen zu müssen?

    Vorteilhaft ist auf jeden Fall die neue Durchlademöglichkeit: Wer lange Gegenstände zu transportieren hat, kann sie nun von der Abstellkammer ins Wohnzimmer durchschieben, und braucht dafür keinen Dachgepäckträger. Um das Sperrgut gegen Vorrutschen und die Insassen vor Verletzungen zu schützen, sollte Alfa Romeo aber schnellstens einen langen Ski-Sack (wie im Audi) anbieten. Damit sind die sichtbaren Änderungen am neuen Alfasud aufgezählt.


  • Lenkung sorgte für die ein oder andere Schrecksekunde

    Beim Fahren stellt man ein angenehm niedriges Innengeräusch fest und das Sud-typische, scheppernde Auspuffschnattern ist zumindest beim1,5-Liter-Motor in ein tieferes Bruzzeln übergegangen. Der Motor springt auch bei Kälte sofort an, läuft spontan rund und nimmt sofort das Gas an. Während Vollgasfahrten über 13,5 l/100 km aus dem großen Tank (50 Liter) saugen können, gibt sich der Alfa bei ruhiger Fahrweise auch mit knapp über 9 Litern/100 km zufrieden.

    Noch immer geht die Schaltung des serienmäßigen 5-Gang-Getriebes recht zäh, aber die Ungenauigkeiten früherer Sud-Schaltungen sind offenbar zu den Akten gelegt. Dafür erschreckte der Alfa-Testwagen mit einer merkwürdigen Lenkung: Solange das Auto beschleunigt wurde, ging die Lenkung ausreichend leichtgängig; nahm man aber das Gas weg, fuhr konstant oder bremste, dann versteifte sie sich in der Mittellage derartig, dass man glaubte: Herrjeh, jetzt klemmt sie fest.

    Ein Werkstatt-Besuch schaffte jedoch Abhilfe. Insgesamt ist die Lenkung nicht mehr so leichtgängig wie früher, und beim Rangieren muss man schon kräftig hinlangen. Am Fahrverhalten des Alfa gibt es nichts auszusetzen, und auch der Federungskomfort ist ordentlich.


  • Fazit

    Kleine Macken hat der Alfasud also immer noch, aber insgesamt muss man ihm bescheinigen, dass er in der Mittelklasse ein Auto ist, das gute Reisequalitäten besitzt, familiengerecht ist und doch einen Schuss Sportlichkeit hat.

    Heute kostet der Alfasud 1,5 14.490 DM, der Alfasud 1,3 (55 kW/75 S) 13.990 DM. Beide haben mit 5-Gang-Getriebe, Drehzahlmesser, Digital-Uhr, höhenverstellbarem Lenkrad und getönten Scheiben eine sehr gute Ausstattung, und brauchen den Preisvergleich mit den Konkurrenten nicht zu scheuen.

    Wenn es um die Motorisierung geht: Wir haben die größeren Sud-Motoren schon immer den etwas unelastischeren, kleineren vorgezogen und würden daher zum 1.5-Liter-Alfa greifen. Aber erst, wenn er die große Hecktür hat.


  • Daten und Messwerte

    Hubraum: 1.474 cm³

    Leistung: 61 kW/83 PS

    Beschleunigung 0-100 km/h: 13,2 s

    vmax: 165 km/h

    DIN-Verbrauch, Super (Stadt/90/120 km/h): 11,3/6,4/8,7 l/100 km

    Testverbrauch (Stadt/Landstraße/Autobahn): 9,9/8,4/9,1 l/100 km

    Test-Durchschnitt: 9,1 l/100 km

    Innengeräusch

    bei 50 km/h (3. Gang): 62 dB(A)

    bei 100 km/h (4./5. Gang): 73/69 dB(A)

    bei 130 km/h (5. Gang): 74 dB(A)

    Länge: 3,99 m

    Wendekreis: 11 m

    Leergewicht: 885 kg

    Zuladung: 425 kg

    Preis: 14.490 DM

    Kaskoklasse (VK/TK): 20/32

     

    ADAC Motorwelt 03/1980


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