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Suzuki LJ 80 (1979-83)

Eljot, der Würzige

 

In der Kürze liegt sie, die Würze. Ein philosophischer Lehrsatz, den einst auch japanische Automobilkonstrukteure beherzigten. Und danach beispielsweise so einkaufskorbformatige Geländewägelchen wie den Suzuki LJ 80 bauten.

Der vor nunmehr 35 Jahren mit einem frechen „klemm-mich-unter-den-arm-und-nimm-mich-mit“-Blick das Publikum der Frankfurter IAA angrinste. Unser Autor Egbert Schwartz erinnert sich.


  • Ein Design zum Liebhaben

    Und natürlich haben wir damals, anno 1979, ganz begeistert in diese Knubbelaugen zurückgezwinkert. Ich hab's noch heute im Ohr: „Ist der knuffig“ und „Aaach wie süß!“ hauchten die Betrachter rundum ihre väter- und mütterlichen Emotionen angesichts dieses Handtaschen-Offroaders aus.

    Verständlich, wirkte dieser Stoppelhopser mit seinen 3,20 m Länge doch eher wie ein zu heiß gewaschener Willys-Jeep. Allerdings prangte „Suzuki“ als Markenname auf der Front. Outsider assoziierten damit seinerzeit eher Motorräder. Aber das hier? Hatte vier Räder. War also zweifelsfrei ein kleines Automobil.

    Tatsächlich hatte die japanische Suzuki Motor Co. ihr erstes Wägelchen bereits 1955 präsentiert. Mit einem Zweitaktmotor als Triebling. Doch damit war 1977 Schluss: Jenem Jahr, in dem der LJ 80 als Evolutionär einer 1970 begründeten Kleingeländewagenfamilie namens "Jimny" erstmals in Japan vom Stapel lief und in den Export ging.


  • Mini-Jeep mit den Fahreigenschaften eines Eselkarrens

    Vor allem in den iberischen Touristenregionen machte sich der „Eljot“ dank der Gewürze Handlichkeit und Agilität als Funcar schmackhaft: Ich erinnere mich daran, mit dieser offenen Miniaturausgabe des ebenfalls blattgefederten Jeep Renegade lebensfreudig von Schlagloch zu Schlagloch geflogen zu sein und eine bis dahin nicht erlebte Naturverbundenheit empfunden zu haben.

    Wie groß war die Freude, als er dann nach seiner IAA-Premiere 1979 im darauf folgenden Jahr erstmals in Deutschland käuflich war. Wenngleich zunächst nur die freien Importeure den Eljot-Hunger stillen konnten – weil der offizielle Münchener Suzuki-Verteiler zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Modell zu verteilen hatte.

    Als Rand-Anekdote sei hier vermerkt, dass der LJ 80 ursprünglich unter der Bezeichnung "Jipsy" verkauft werden sollte, was aber am Veto der Karosseriefirma Karmann scheiterte, die sich den Namen "Gipsy" hatte schützen lassen. Ich sag noch heute: Gottlob, denn die verniedlichende Lautmalung von "LJ" geht eh' besser über die Zunge, finden Sie nicht?


  • Ein Autochen für viele Geschmäcker

    „Eljot“ offerierte jedenfalls vielerlei Geschmacksrichtungen: alltagstauglicher Kleinwagen für allfällige Kindertransporte und Besorgungen, rollender Einkaufskorb, äußerst wendiges Stadtmobil, luftiges wie lichtiges Cabrio für den Sonntagsausflug, Gelände-Spaßmobil für´s Wochenende, fahrsicherer Durchkommer im schneereichen Winter – und das alles in Gestalt eines preiswerten sowie sparsamen Kompaktfahrzeugs.

    Dem großen Jeep CJ eiferte Suzukis kleiner LJ nicht nur optisch und phonetisch nach, er wollte ihm gleichermaßen in puncto Geländefähigkeiten das Wasser reichen. Das konnte das Nachwuchs-Talent mit würzigen Technik-Zutaten wie einer vollwertigen Geländeuntersetzung, einem geringen Eigengewicht (weniger als eine Tonne mit Sprit, Zubehör und Fahrer) sowie einem hoch über der Vorderachse installierten Motor (womit auch Ölwanne, Verteiler und Ansaugschnorchel ausreichend Höhenschutz genossen). Der kleine Vierzylinder entpuppte sich als richtiger "Quirl", den man gewissenlos bis 7.000 U/min hochjubeln konnte. Die 4.800 Touren bei kleinwagengerecht maximalen 107 km/h (mit 16"-Serienpneus) lagen somit weit unterhalb der Kollapsgrenze. Im Schnitt flossen zwischen 9 und 12 Liter Bleisaft durch den Mikuni-Vergaser.

    Wie bitte? Sie haben weitere technische Gimmicks erwartet? Vergessen Sie`s (die hundertprozentige Differentialsperre im Hinterachsgetriebe war nur für´s Parken dimensioniert und ging im Geländeeinsatz meist kaputt). Der japanische Spartaner konnte und wollte nicht mehr bieten, musste es auch nicht. Denn letztendlich war es nicht seine Technik, mit der er die junge Käuferklientel überzeugte: Spaß zum konkurrenzlos niedrigen Preis war das essentielle Gewürz.


  • Spaßfaktor Cabrio und Sondermodelle zum Abgesang

    Es gab Eljot offen oder geschlossen, aber kaum einer mochte Eljot permanent geschlossen fahren, den größeren Spaßfaktor besaß halt das „Cabrio“. In Anführungszeichen, weil Verdeckkonstruktion und -handhabung eher der einer Lkw-Plane entsprachen. Im Laufe seiner Deutschland-Karriere ließ sich der LJ 80 mit allerlei Zubehör ab Werk sowie von freien Anbietern würzen: Das reichte vom Astabweiser über Dachträger (z.B. für's Surfbrett), lackierte Speichenfelgen, Breitreifen inklusive Kotflügelverbreiterungen, Flankenschutz, Rammschutzbügel, Radio, Seilwinden oder Teppichboden bis hin zu Zusatzscheinwerfern.

    So dauerte es nicht lange, bis landauf wie landab kaum noch ein wirklich serienmäßig dreinschauender Suzuki LJ 80 zu entdecken war. Konsequenterweise ließ Suzuki-Deutschland eine ganze Flotte Sondermodelle vom Stapel. Das erste hieß - na? Richtig: „Eljot“, wie kamen Sie drauf? Anno 1981 zu haben, in metallicsilber und -blau, mit weißen Sternfelgen, Stoßstangen, Bügel und Faltverdeck, limitiert auf 500 Stück.

    Dann ein „Chasseur“ für den jagenden Landadel, natürlich im dezenten „huntergrün“ mit khakifarbener Plane, Seilwinde und Gewehrständer. Halali. Weiter ging die Jagd nach Kunden schließlich im letzten Eljot-Jahr mit drei „Suzuki Special“-Ausstattungspaketen. Doch orderte die Suzuki-Klientel mittlerweile bevorzugt den größeren, seit Frühjahr 1982 ausgelieferten „SJ 410“: Ein Geländewägelchen mit kantigem Charakter und ziemlich unknuffig, daher lebenslang auch ohne Spitznamen.

    Oder hätte Ihnen „Essjot“ gefallen? Na, bitte!


    Foto: Suzuki


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