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BMW Touring – der „Frühblüher“

„Kombi-Coupé“ oder „Kombilimousine“ – keiner konnte den ersten Touring so recht einsortieren. Lesen Sie hier, wie BMW zur Heckklappe kam.


  • Premiere auf neutralem Terrain

    Eine Überraschung war der BMW Touring 2000 tii nicht nur für die Besucher des 50. Salon International de l’Automobile in Brüssel: im Mittelpunkt der BMW-Ausstellungsfläche stand vom 19. bis 31. Januar 1971 der erste Serienwagen der Marke mit Heckklappe. Publikum und Fachpresse reagierten interessiert, aber nicht euphorisch. Mit Formulierungen wie „Kombi-Look“, „Semi-Fastback-Styling“ oder „Schrägheckexpress“ versuchten Journalisten, das bisher Unvorstellbare in Worte zu fassen.

    Kombiwagen zählten auch in den frühen 1970er Jahren bei Marken mit sportlicher oder repräsentativer Ausstrahlung nicht zum Verkaufsprogramm: in Italien bauten Karosseriehersteller in kleiner Auflage Versionen von Alfa Romeo und Lancia, bei den französischen Herstellern wiesen Bezeichnungen wie Familiale, Break und Commerciale auf den nutzwert-orientierten Verwendungszweck hin. Mercedes delegierte die Fertigung des auf der „Heckflosse“ basierenden Universal an die Fabrik I.M.A. in Belgien. Den deutschen Markt der „Kombinations-Kraftwagen“ dominierten die CarAvan von Opel, Turnier von Ford sowie die Variant-Ableitungen aus der Palette von VW und Audi allesamt Fahrzeuge, die in Gestaltung und Ausstattung auf die professionelle oder familiäre Nutzung ausgerichtet waren.

    Die Begriffe „Lifestyle“ und „Yuppie“ sollten noch zwei Jahrzehnte auf ihren Einzug in die deutsche Sprache warten, obwohl innovative Konzepte schon neue Wege für die Kombination von Sportlichkeit und ausreichendem Laderaum aufzeigten. Dazu zählten der seit 1965 gebaute MG B GT, der 1968 vorgestellte Reliant Scimitar GTE oder im Herbst 1971 - ein halbes Jahr nach dem BMW Touring präsentierte „Rennkombi“ Volvo 1800 ES, der bald mit dem Messerschmitt Kabinenroller den Rufnamen „Schneewittchensarg“ teilen durfte.


  • Starker Einstieg

    Mit dem Touring 2000 tii fand die bislang stärkste Variante des Vierzylinders Eingang in das Modellprogramm der kleinen Bauserie: das 130 PS starke Aggregat mit mechanischer Kugelfischer-Benzineinspritzung kam vorher nur im viertürigen 2000 tii zum Einsatz. Die zweitürige Limousine 2002 tii kam erst im April 1971 in den Genuss des Einspritzaggregats.

    Mit einem Grundpreis von 13.653 Mark (der zudem bald auf 14.909 Mark stieg) war der Touring die teuerste Limousine der Baureihe. Für weitere 1.000 Mark konnte er als einziger BMW ab Werk mit einem Rallye-Paket geordert werden, das Leichtmetallräder, Recaro-Schalensitze mit Kopfstützen und Halogen-Nebelscheinwerfer beinhaltete. Andere Optionen waren die Automatik, ein 5-Gang-Getriebe oder das Sperrdifferential. Ende April 1971 erweiterte BMW die Palette der Touring-Modelle mit den Versionen 1600 und 2000, ab Oktober ging der Touring 1800 in Produktion. Zeitgenössische Pressestimmen lobten die einzeln umklappbaren Rücksitze (erstmalig bei einem deutschen Automodell verwirklicht) oder die serienmäßige Heckscheibenheizung.

    Die Testfahrer kritisierten gleichzeitig die Platzverhältnisse im Fond und das auf über eine Tonne angestiegene Leergewicht sowie den saftigen Aufpreis zur Limousine. Trotzdem konnten je über 10.000 Touring in den ersten beiden Jahren der Herstellung gefertigt werden, doch schon 1973 ging die Produktionszahl auf 7.973 Wagen zurück.


  • Langer Anlauf – kurzer Sprint

    Der Entscheidungs- und Entwicklungsprozess bei BMW dauerte gut acht Jahre – von den ersten Skizzen bis zum ab 1968 jedes Jahr öffentlich für das Ende der Werksferien angekündigten Produktionsanlauf. Schon im Dezember 1969 veröffentlichte „Auto, Motor und Sport“ Fotos eines als Glas 1304 getarnten Prototyps.

    Die Überarbeitung der 02-Baureihe im September 1973 wirkte sich auf die „Sportkombis“ im wesentlichen durch eine Änderung der Modellbezeichnung aus, die jetzt 1802, 2002 und 2002 tii mit dem Zusatz „Touring“ lautete – die kleinste Version mit 1,6-Liter-Motor war bereits im Frühling 1973 eingestellt worden. Im Gesamtkatalog der Baureihe 02 stellte man den Touring nur noch mit wenigen Fotos dar: Bereits im April 1974 liefen die letzten Modelle des Touring vom Band – nach nur 30.260 Exemplaren.

    Mehr als ein Jahrzehnt mussten BMW-Liebhaber warten, bis sie wieder ein Fahrzeug mit Heckklappe und weiß-blauem Markenzeichen erwerben konnten: im Juli 1987 stellte BMW in der Baureihe E 30 der 3er-Serie den fünftürigen Kombi Touring vor. So blieb zumindest der Name des nicht so erfolgreichen Erstlings bis heute in der Produktpalette erhalten.


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