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Audi 200 5T

Vorstoß in die Oberklasse


Wenn Anfang der 1980er-Jahre die vier markanten Rechteckscheinwerfer im Rückspiegel auftauchten, wurde es auch für die Luxuslimousinen aus München und Stuttgart eng auf der linken Spur der Autobahn – zumindest, wenn neben den vier Ringen im Kühlergrill das dunkelblaue 5T-Emblem prangte.


  • Nur ein aufgebrezelter Audi 100?

    Nach den Werksferien im Sommer 1979 brachten die Ingolstädter den bereits seit drei Jahren produzierten Audi 100 (Typ 43) mit einem dezenten optischen Facelift auf den Markt: Unter anderem mit neuen Stoßstangen, in die die aufpreispflichtigen Nebelscheinwerfer nun integriert waren, modifizierten Heckleuchten sowie neuen Stoffen im Innenraum.

    Und dieser Audi 100 sollte als Basis für den ersten Audi-Vorstoß in die Oberklasse des deutschen Automobilbaus dienen. Noch im gleichen Jahr stellten die Ingolstädter mit dem Audi 200 eine neue Topversion des Typ 43 vor – mit plüschigem Interieur im Wohnzimmer-Ambiente der späten Siebzigerjahre, ausgestattet mit so ziemlich allem, was die Audi-100-Preisliste hergab und einem eigenständigen Erscheinungsbild, das vor allem durch die markanten, viereckigen Doppelscheinwerfer geprägt war.

    Doch alleine mit großzügigen Platzverhältnissen und einer umfangreichen Luxusausstattung konnte man mit einem aufgebrezelten Audi 100 gegen die etablierten Wettbewerber nicht ankommen – das wusste man auch bei Audi. Eine dem Klassenstandard entsprechende Motorisierung musste also her.


  • Fünfzylinder Turbo-Benziner

    Der stärkste Motor im Audi 100 war anno 1979 ein 2,1 Liter großer Fünfzylinder, der es mit einer mechanischen Bosch K-Jetronic auf eine Höchstleistung von 136 PS/100 kW brachte. Dieses Triebwerk konnte allenfalls als Basismotorisierung für den Audi 200 5E dienen – als echte Alternative zu den Sechszylindern in der BMW 7er Baureihe und den bis zu acht Töpfen unter der Haube der S-Klasse (W 126) taugte er nicht.

    Einen Sechszylinder hatten die Ingolstädter nicht im Portfolio und der Kostendruck war zu hoch für eine solche Neukonstruktion. Als geniale Notlösung, die über Jahrzehnte das Image der Marke prägen sollte, schraubte man in Ingolstadt einfach einen KKK-Turbolader an den Fünfzylinder aus dem Audi 100, womit die Turbo-Ära bei Audi begonnen hatte.

    Mit einer Höchstleistung von 170 PS/125 kW bei 5.300 Kurbelwellenumdrehungen und einem maximalen Drehmoment von 265 Nm bei 3.300 U/min sorgte er für sportliche Fahrleistungen im gerade einmal 1.260 Kilo leichten Audi 200 5T. In weniger als neun Sekunden sprintete der 5T vom Stand auf Tempo hundert und erst jenseits der 200 km/h-Markierung endete der Vortrieb der Tachonadel.


  • Sportliches Handling, stattlicher Verbrauch

    Typisch für die Turbo-Benziner jener Zeit, waren zwei Charaktereigenschaften, die auch der Audi 200 5T sein eigen nannte: Im unteren Drehzahlbereich war vom Turboschub nicht viel zu spüren, dafür legte sich der Fünfzylinder jenseits von rund 3.000 U/min kräftig ins Zeug. Im Gegenzug quittierte er das Abrufen der vollen Leistung und hoher Drehzahlen mit rauen Trinksitten: 17 Liter auf hundert Kilometer durften es bei sportlicher Fahrweise schon mal sein.

    Dafür zeigte sich der Audi 200 als handlich im Kurvengewusel – der straffen Fahrwerksabstimmung und dem geringen Gewicht sei Dank. Ebenfalls überzeugend setzte sich der Frontantrieb in Szene (Allrad gab es im Audi 200 erst ab dem Nachfolgemodell vom Typ 44). Er hatte erstaunlich wenig Probleme, die Leistung des Turbomotors über die Vorderräder auf die Straße zu bringen und sorgte für ein sicheres Fahrverhalten.


  • Rares Sammlerstück zum günstigen Preis

    Die guten Nachrichten zu erst: Zwischen den ersten Kundenauslieferungen Anfang 1980 und dem Produktionsende 1982 sind gut 51.000 Audi 200 des Typs 43 von den Montagebändern gerollt – und rund drei Viertel davon hatten den Turbomotor unter der Haube. Gleichzeitig beginnen die Gebrauchtpreise anzuziehen – verständlich, schließlich bietet die inzwischen zum H-Kennzeichen gereifte Ingolstädter Limousine, alles was den Liebhabern junger Oldtimer gefällt: vom barocken Charme des Innenraums bis hin zur extravaganten Turbotechnik.

    Doch gerade letztgenanntes macht die Suche nach einem Audi 200 5T schwierig: Seinen Fünfzylinder-Turbo implantierte Audi nämlich auch in den nur wenige Monate später debütierenden Urquattro. So mussten wohl viele Audi 200 5T als Organspender für den wesentlich begehrteren und entsprechend höher dotierten quattro herhalten. Das hat den Bestand der Limousine stark reduziert. Ebenfalls problematisch ist die Ersatzteilversorgung, sofern nicht Teile aus dem Audi 100 herhalten können. Letztendlich muss man heute in aller Regel lange suchen, um einen Audi 100 5T in erhaltenswertem Zustand zu finden.


  • Technische Daten

    Motorbauart: Fünfzylinder-Reihenmotor mit Benzineinspritzung und Turboaufladung

    Hubraum: 2.144 cm³

    Leistung: 125 kW/170 PS bei 5.300 U/min

    max. Drehmoment: 265 Nm bei 3.300 U/min

    Getriebe: 5-Gang-Schaltegetriebe (optional 3-Stufen-Automatik)

    Antrieb: Frontantrieb

    Beschleunigung 0-100 km/h: 8,7 s

    vmax: 203 km/h

    Durchschnittsverbrauch: ca. 11 – 17 l/100 km (Super)

    Abmessungen (L x B x H): 4,70 x 1,77 x 1,39 m

    Wendekreis: 11,8 m

    Leergewicht: 1.260 kg

    Zuladung: 505 kg

    Bauzeit: 1979 – 1982

    Preis bei Markteinführung (Sept. 1979): 30.550 DM


    Text und Fotos: E. Schwartz, Audi AG


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