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80 Jahre Adler-Frontantrieb

Adler Trumpf – aus der Not geboren

 

1931/32 erreichte die Weltwirtschaftskrise in Deutschland ihren Höhepunkt mit 70.000 Konkursen und über 6 Millionen Arbeitslosen. In dieser Zeit hatten die Frankfurter Adlerwerke drei Modelle anzubieten, die in einer Zeit schnellen technischen Fortschritts in ihrer Konzeption zunehmend veraltet erschienen.


  • Adler übernahm die Röhr-Mannschaft

    Es waren hochbeinige viereckige Konstruktionen, ganz im Stil der Zwanziger Jahre. Adler Favorit, Adler Standard 6 und Adler Standard 8 unterschieden sich lediglich durch Radstand, Zylinderzahl und Hubraum.

    Doch wer sollte sie kaufen? Überall standen unverkaufte Adler und viele Händler machten dicht. Da nutzte es wenig, dass Clärenore Stinnes einen Film über ihre viel beachtete Weltumrundung mit einem Adler Standard 6 in die Kinos brachte. Von 10.000 Beschäftigten in den 20er Jahren sank die Mitarbeiterzahl der Adlerwerke auf unter 3.000: Adler kämpfte ums Überleben.

    Als die Röhr-Werke in Oberramstadt als weiteres Opfer der Wirtschaftskrise Konkurs anmeldeten, gelang dem Vorstandsvorsitzenden der Adlerwerke Hagemeier ein Glücksgriff. Er stellte den begnadeten Ingenieur Gustav Röhr mit seinem Team, Ingenieur Josef Dauben, Ingenieur Otto Winkelmann, und nahezu Röhrs gesamte Entwicklungsmannschaft ein.

    Röhr erhielt den Auftrag, parallel zur laufenden Entwicklung eines konventionellen 1,5 Liter Heckantrieb-Fahrzeugs mit seiner Mannschaft einen modernen Wagen mit Frontantrieb zu entwickeln. Die Motoren sollten baugleich sein.


  • Geradezu revolutionäre Konstruktion

    Röhrs Entwurf war geradezu revolutionär durch Frontantrieb, Tiefbettkastenrahmen, Einzelradaufhängung, Zahnstangenlenkung, geringes Gewicht und niedrigen Schwerpunkt. Im Spätsommer 1932 ging der Trumpf in Produktion, mit dem gleichen 1,5 Liter Motor wie der konventionelle Primus mit Heckantrieb.

    In zahlreichen Beiträgen der Motorpresse der frühen 30er Jahre wurden die verblüffenden Fahreigenschaften dieses völlig neuen Adlers gewürdigt, der den werbewirksamen Namen „Trumpf“ erhielt.

    Die Überlegenheit des Trumpf gegenüber dem konventionellen Primus in Fahreigenschaften und Straßenlage wurde von den Kunden schnell erkannt, und die Verkaufszahlen brachten Adlers wieder in Schwung.

    Die Adler-Werbeabteilung feierte ihn als „Meister der Kurve“. Diese Eigenschaften des modernen Wagens forderten eine Beteiligung mit zweisitzigen Werkssportwagen an den in den 30er Jahren sehr beliebten Motorsport-Veranstaltungen geradezu heraus.


  • Gründung der Adler-Rennsportabteilung

    Erwin Kleyer, der Sohn des Firmengründers der Adlerwerke, bildete mit Ingenieur Otto Winkelmann und Obermeister Robert Heckel eine Sport- und Versuchsabteilung, die mit bekannten Rennfahrern dem Trumpf das Rennen beibrachte.

    Erfolge blieben nicht aus, und „Triumphe des Trumpf“ konnten schon 1933 bei der 2.000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland und bei der Internationalen Alpenfahrt gefeiert werden.

    1934 folgten für den Trumpf Sport weitere Höhepunkte bei diversen Motorsportveranstaltungen, mit ersten Preisen bei der 2.000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland, der 6.000-Kilometer-Fahrt durch Italien, der Internationalen Alpenfahrt, der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt und dem großen Preis von Belgien.

    Mit diesen Sporterfolgen und die damit verbundene Beachtung in der Öffentlichkeit in der Hand drängte Erwin Kleyer den Vorstand der Adlerwerke , ab Ende 1933 den Trumpf AV-Sport mit überarbeiteter Sportwagen-Karosserie in einer Kleinserie auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig wurde der 33 PS 1,5 Liter Motor auf 1,7 Liter aufgebohrt, was die Leistung auf 38 PS brachte.

    Dieser „SUPER-Trumpf“ kostete stolze 5.750,- Reichsmark und wurde mit den folgenden Werbeattributen angepriesen: „Die Karosserie ist gedacht für Fahrer, die es lieben, auf ihren Fahrten sportlich ausgerüstet zu sein und hohe Reisedurchschnitte zu erreichen. Ein Wagen für junge Leute, denen Sonne oder Wind nichts anhaben können. Infolge seiner Geräumigkeit bietet dieser Adler Trumpf-Sport einen Fahrkomfort höchsten Ausmaßes. Eine ungewöhnlich geräumige Gepäckunterbringungsmöglichkeit sorgt für jede Reisebequemlichkeit. Die Adler-Ingenieure haben diesen Adler-Trumpf im Bewusstsein geschaffen, etwas Besonderes zu bieten – Er ist etwas Besonderes“.

    Der Käuferzuspruch blieb eher gering. Auch die Werbung als „Hans-Albers-Wagen“ änderte nichts daran (der berühmte Schauspieler fuhr eine Zeitlang diesen Wagen).


  • Luxuriöses Sport-Cabriolet und kleiner Trumpf Junior

    Ab 1934 wurde parallel zum Sportwagen mit einfachem Klappverdeck ein luxuriöses zweisitziges Sport-Cabriolet mit Notsitz unter dem stattlichen, gefütterten Verdeck angeboten. Es hatte ein gleich gestaltetes Armaturenbrett wie der offene Sportwagen.

    Für die schwerere Cabrio-Karosserie gab es wahlweise zum serienmäßigen 1,7 Liter 38 PS Motor einen Sport-Motor mit 9 PS Mehrleistung. Die technischen Modifikationen betrafen den Zylinderkopf, die Ölwanne, die Kühlwasserzirkulation sowie geänderte Kolben, Kolbenbolzen und einen größeren SOLEX 35 Vergaser mit anderer Düsenbestückung. Die Verdichtung betrug 1:7. Der Sportmotor konnte auf Wunsch auch für die viersitzigen Trumpf-Modelle geordert werden.

    Im Dezember 1934 berichtete die „Motor und Sport“ von einem Beschleunigungsvermögen des „Trumpf-Sport“ von 0 auf 80 km/h in 19 Sekunden. Weitere 13 Sekunden benötigte er bis zur Erreichung von 100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit lag bei 115 km/h. Das Wagengewicht betrug etwa 970 kg.

    Die Hinterfedern waren gegenüber der Normalausführung etwas verstärkt und die Scheibenräder mit angeschraubtem, verchromten Haltering oder mit in Wagenfarbe lackiertem und angeschweißtem Ring erhältlich. Die Achsuntersetzung wurde geringfügig von 1:4,83 auf 1:4,67 geändert. Der Benzinverbrauch betrug erhebliche 15 bis 16 Liter auf 100 km. Es wurde deshalb ab 1935 ein größerer Tank mit 45 Litern Fassungsvermögen eingebaut.

    Ins Auge fiel am Armaturenbrett das große Kombiinstrument mit großzügig dimensioniertem Tachometer, umrahmt von kleineren Instrumenten für Öldruck, Wassertemperatur, Benzintankinhalt und Uhrzeit. Wegen ihrer teilweise schlechten Ablesbarkeit wurden sie gerne durch größere Zusatzinstrumente ersetzt.

    Die Karosserie der Kleinserie, die wahrscheinlich nur wenige Dutzend Fahrzeuge umfasste, wurde bei Dörr und Schreck in Frankfurt gefertigt, ähnliche Einzelkarosserien auch bei Authenrieth in Darmstadt und wahrscheinlich auch bei Gläser in Dresden.

    Für das Modelljahr 1935 wurde die Karosserie erneut modifiziert, die Kotflügel tiefer hinuntergezogen, mit seitlichen Schürzen. Die Türleisten wurden abgeändert, und das Ersatzrad verschwand im Innenraum hinter der Sitzbank.

    Im Gegensatz zur Trumpf-Limousine war das Sport-Cabrio jedoch kein großer Erfolg und und so erlebte der Trumpf-AV-Sport Ende 1935 seine Produktionseinstellung. Die Trumpf-Baureihe mit 1,7 Liter und ab 1938 mit 2,0 Liter Motor blieb bis 1940 in Produktion, und es wurden insgesamt 33.097 Trumpf gefertigt.

    Ganz besondere Trumpf waren die Renn- und Rekord-Stromlinien Fahrzeuge von 1935 bis1939, von denen es einige auch in die Le Mans-Siegerlisten schafften. 1934 brachten die Adlerwerke mit dem Trumpf-Junior den kleinen Bruder des Trumpf mit einem Einliter-Motor heraus. Dieses Modell erwies sich als eins der modernsten Fahrzeuge seiner Zeit und entwickelte sich für Adler zum größten Erfolg in der Firmengeschichte.

    Als Limousine, Cabrio-Limousine, Cabrio und Sport-Cabrio wurden etwa 80.000 Exemplare vom Trumpf Junior bis 1940 gebaut. Heute laufen, betreut vom Adler-Motorveteranen-Club, noch etwa 600 Exemplare des Trumpf und Trumpf Junior in verschiedenen Ausführungen in aller Welt.


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