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Tipps für Ersatzteil-Fischzüge im Netz


Mit seiner rasanten Verbreitung zieht das Internet in Bereiche ein, bei denen blindes Vertrauen in die Kompetenz des Anbieters auch Probleme machen können. Neben der Suche nach Maschinen erlebt der Handel mit Motorrad-Ersatzteilen einen echten Boom. Der ADAC hat Tipps zur richtigen Netz-Nutzung zusammengestellt.

Internet-Fans nennen die vielfache Transparenz der Informationen und Angebote, besonders aber einen leicht möglichen direkten Preisvergleich als großen Vorteil. Allerdings kann bei der Ersatzteil-Suche für Motorräder oder Roller nicht allein der Preis das Kriterium sein. Für Laien ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob es Original-Marken-Teile sind, die zwar von Zulieferern stammen, deren Herkunft die Fahrzeug-Hersteller aber durch Kennzeichnung auf dem Teil oder der Packung für sich reklamieren, oder Teile, die direkt bei dem jeweiligen Teile-Hersteller erworben wurden, der auch den Motorrad-Hersteller beliefert. Oder ob es sich um so genannte Ident-Teile oder gar Nachbauteile handelt. Die stammen nicht aus der Urproduktion des für die Motorradserie fertigenden Teileherstellers sondern von Branchenkollegen, sind funktionsgleich mit dem Erstausstattungsteil, aber nachgebaut. Solche Teile und die Ident-Teile werden fast immer zu günstigeren Preisen angeboten, da sie direkt beim jeweiligen Hersteller erworben werden, während die Fahrzeug-Hersteller noch einen Vertragshändler dazwischen schalten.

Während sich hier die Qualitätsfrage selten stellt, gab es in der Vergangenheit aber „No name“- Produkte, die nicht der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprachen. Am spektakulärsten war der Fall von kleinen Blinkern, bei denen sogar die Kennzeichnung gefälscht war. Bei ihnen bestand akute Schmor- und sogar Brandgefahr.


  • Anbieter checken

    Bei gebrauchten Teilen aus dem Sortiment von Motorrad-Recyclern, Teilehändlern oder Werkstätten bleibt immer ein anderer Unsicherheitsfaktor. Über Qualität und Zuverlässigkeit von Anbietern und Ware können zwar fundierte Beschreibungen, aussagekräftige Bilder und ehrliche Angaben zur Herkunft der Teile einiges aussagen. Ein Check des Anbieters über eine der aktiven Motorrad-Communities im Netz ist dennoch ratsam. Auf diesem Weg kann die fehlende persönliche Beratung durch die Bewertung gleich gesinnter Bikern oft kompensiert werden und schwarze Schafe unter den Anbietern entlarvt werden.

    Auf gut frequentierten Plattformen sind Online-Shops, Verwerterbetriebe und entsprechende Werkstätten oft selbst bei Fragen aktiv und deshalb als kompetent zu erkennen. Per Mausklick lassen sich über Suchmaschinen oder Portale oft auch im eigenen Postleitzahlenbereich oder der Umgebung entsprechende Anbieter finden. Ein persönlicher Augenschein der Teile vor Ort oder der oft zusätzlich angebotene Werkstatt-Service ist besser, kann aber auch nicht gänzlich vor unliebsamen Überraschungen bei den Ersatzteilen schützen.


  • Doppelte Vorsicht

    Wenn Ersatzteile aus Unfallmotorrädern stammen, ist doppelte Vorsicht geboten. Zwar versichern solche Versender meist, dass sie keine Teile verkaufen, die aufgrund des Schadensbildes des verunfallten Motorrads ziemlich sicher eine Beschädigung aufweisen. Aber selbst wenn diese nicht oder noch nicht sichtbar ist, ist es ratsam, vor allem bei sicherheitsrelevanten Fahrwerksteilen (Rahmen, Schwingen, Gabeln oder Rädern, Fußrasten und deren Haltern) vor der Verwendung eine Vermessung oder Röntgenuntersuchung durch einen Fachbetrieb vornehmen zu lassen. Die Preise dafür können aber schnell höher als die Ersparnis sein… 

    Für alle Ersatzteile von Profi-Händlern, Online-Shops oder gewerblichen Versendern gilt gegenüber Privatleuten eine Gewährleistungsfrist von mindestens einem Jahr. Am besten sollte ausschließlich versicherte Pakete, die nachzuverfolgen sind, geordert werden. Schließlich ist fast immer Vorkasse gefordert. Weil die Versandkosten je nach Größe und Gewicht stark variieren, sollte man sich vorher in Sachen Preise kundig machen. Gleiches gilt für sperrige und sehr schwere Güter, die per Spedition versandt werden. Beim Versendungskauf (Unternehmer an Verbraucher) trägt im Übrigen der Verkäufer das Risiko des Verlusts der Kaufsache auf dem Transportweg. 

    Nicht nur, weil schnell auch einmal ein falsches Teil bestellt wird, das dann gar nicht verwendet werden kann, sollte jeder Motorradfahrer wissen: Wer bei einem gewerblichen Versender ein Ersatzteil bestellt, hat ein gesetzliches Widerrufsrecht. Das heißt, dass man als privater Endverbraucher jeden nach den Fernabsatzvorschriften bestellten Artikel innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen zurückgeben und damit den Kaufvertrag widerrufen kann. Aber: Bei einer „Verschlechterung“ der Ware kann vom Käufer Wertersatz verlangt werden. Unter einer Verschlechterung der Ware versteht sich nicht deren ausschließliche Prüfung, wie sie im Ladengeschäft möglich gewesen wäre. Ein Einbau oder eine Nutzung ist auf jeden Fall problematisch. 

    Und noch eine Fußangel kann sich im Kleingedruckten verstecken: Vom Versender angebrachte Aufkleber auf den gebrauchten Motorradteilen sollten nicht entfernt werden. Nur so kann bei Rückgabe zweifelsfrei bewiesen werden, dass es sich tatsächlich um die gelieferte Ware handelt.


  • Auktionen oder Teile-Börsen

    Eine andere Möglichkeit, ein gesuchtes Motorrad-Ersatzteil im Internet zu suchen und zu finden, bieten Datenbanken oder private Auktionen im Netz sowie spezielle Motorrad-Ersatzteilbörsen. In solchen Börsen kann jeder Privatmann seine Ersatzteile, meist kostenlos, einstellen und andere darin stöbern. Für exotische Marken- und Modelle, aber auch für alte Maschinen oder echte Motorrad-Oldtimer, für die eigentlich gar keine Teile mehr hergestellt werden, gibt es eigene Ersatzteilbörsen. Wenn das gesuchte Teil nicht Online zu finden ist, besteht meist auch die Möglichkeit, ein entsprechendes Gesuch aufzugeben. Beim Privatverkauf ist ein Sachmängelhafungsausschluss zulässig und üblich, so dass im Nachhinein, wenn Mängel an dem Ersatzteil festgestellt werden, Ansprüche gegen den Privatverkäufer auf Mangelbeseitigung oder Rücknahme nur schwer durchsetzbar sind. Man sollte also nicht die Katze im Sack kaufen.

    Wie und wo ein Ersatzteil gekauft wurde, ändert nichts am grundsätzlichen Rat des ADAC, Einbauten von Ersatzteilen und sonstige Arbeiten am eigenen Motorrad nur vorzunehmen, wenn die notwendigen Vorkenntnisse und Fertigkeiten vorhanden sind. ADAC-Tipp: Bei Unsicherheiten sollte man solche Arbeiten grundsätzlich von einem Fachbetrieb ausführen lassen. Auch wer glaubt, ein guter Schrauber zu sein, sollte am besten hinterher seine Arbeiten von einem Fachmann abnehmen lassen!


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