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Tipps für sicheres Motorradfahren


Als Motorradfahrer wissen wir, dass sich ein Motorradunfall nicht mit 100%iger Sicherheit ausschließen lässt. Auch muss nicht jeder Motorradunfall in einer gesundheitlichen Katastrophe enden. Trotzdem bleibt es eine anspruchsvolle Herausforderung für jeden Motorradfahrer, neben allem spielerischen Spaß an seiner Beschäftigung auch nach Jahren immer gesund und unversehrt anzukommen. Dazu gilt es, persönliche Strategien zu entwickeln, um aus eigenen, guten und schlechten Motorraderfahrungen zu lernen. So kann der 7. oder sogar 8. Sinn geweckt, geschärft und wach gehalten werden, um die Wahrscheinlichkeit eines kapitalen Motorradunfalls zu minimieren. Gesunder Respekt vor den spezifischen Gefahren schützt vor verzweifelter Panik in aussichtloser Situation. Nachfolgende Tipps sollen helfen, den Spaß am unbeschwerten Motorradfahren zu erhalten.


  • Grundsätzliches zur Vorbereitung

    Halte Dich und Dein Motorrad ständig fit!
    Sportarten, die Ausdauer und Schnelligkeit trainieren, schaffen auch auf langen Ausfahrten unter ungünstigen Bedingungen Reserven. Je nach Wetter und Fahrweise: Genug essen, viel trinken (Mineralwasser, Apfelschorle).
    Die Technik des Motorrades muss zu 100 % funktionieren: Bremsanlage, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager (Schwingen-, Lenkkopf-, Radlager), Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor sollten in optimalen Zustand sein.
    Stelle die Bedienungselemente so gut wie möglich für Dich ein. Hand- und Fußhebel, Lenker und ggf. Sitzbankhöhe. Mögliche Beladung darf die Bedienung des Motorrades nicht behindern oder erschweren.

    Trage bei jeder Fahrt den best möglichen Schutz am ganzen Körper!
    Zum vollständigen Schutz gehören:
    ECE-Helm, Motorradlederhandschuhe, Motorradstiefel, Nierengurt, ggf. separater Rückenprotektor,
    eine Jacke mit großflächigen Protektoren an Schulter, Ellenbogen/Unterarm, Rücken und eine (Leder)Hose mit Protektoren an Hüfte und Knie/Unterschenkel
    Tourenfahrer kombinieren gerne Textiljacken und Lederhosen. Endurofahrer bevorzugen
    zudem Cross-Stiefel. Sie schützen die gefährdeten Unterschenkel und Füße am besten.

    Teste zu Beginn jeder Fahrt kurz die Bremsen und andere wichtige Komponenten!
    Dies gilt besonders nach längerer Standpause der Maschine. Beseitige Mängel sofort. Achte darauf, dass das Abblendlicht beim Fahren immer brennt!


  • Grundsätzliches zum Fahren

    Fahre Dich und das Motorrad (z.B. Reifen) zu jedem Fahrtbeginn „warm“. Je seltener Du Motorrad fährst, umso länger dauert Deine Warmlaufphase.

    Motorradfahren ist Sport, und Sport braucht eine Aufwärmphase. Selbst wenn das Motorradfahren so wenig verlernt wird wie das Fahrradfahren: Mit Konzentration und freudiger Erwartung die Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe einüben. 
    Dem Reifen geht´s ähnlich: Er benötigt für gute Arbeit eine Mindesttemperatur. Bis dahin ist der Grenzbereich tabu.

     

    Jede Fahrt ist das Training für die nächste Fahrt! Bleibe positiv lernfähig. Schätze Dein Können und das der anderen jeden Tag auf´s Neue realistisch ein und sammle ständig und bewusst neue Erfahrungen. Nimm dabei aber auch Seele und Körper mit, sonst bleibt der Spaß auf der Strecke.

    Wie in allen Lebensbereichen werden auch auf dem Motorrad die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen durch ständige bewusste Wahrnehmung und die Anwendung des „Gelernten“ verbessert. Dies gilt besonders, wenn nur gelegentlich Motorrad gefahren wird. Natürlich hilft als Basis-Ausbildung ein fundiertes Sicherheitstraining, auch um zu erfahren, wo die eigenen Schwächen und Grenzen liegen.

     

    Wenn Du Motorrad fährst, fährst Du „nur“ Motorrad: Lasse auch im Kopf keine Ablenkungen und Störungen zu, die Dich vom konzentrierten Motorradfahren abhalten.

    Und unterwegs: Zum Fotografieren, Programmieren des Navigationssystems und/oder fürs Studium der Landkarte usw. suche einen Platz, auf dem Du sicher stehen bleiben kannst und niemanden störst.

     

    Achte auf eine entspannte und gesammelte Sitzhaltung, besonders wenn es zur Sache geht. Die Füße bleiben (möglichst) immer auf den Fußrasten.

    Wer entspannt eine gute Verbindung zu seinem Untersatz hat, braucht sich bei schneller Reaktion nicht erst „sortieren“, um das Beste aus der Situation herauszuholen.

     

    Fahre so zügig, dass Du immer noch entspannt und ausreichend konzentriert bleibst bzw. bleiben kannst!

    Motorradfahren erfordert Konzentration, und zwar umso mehr, je zügiger die Fortbewegung erfolgt. Auf schwierige Ereignisse kann meist nur dann schnell und angemessen reagiert werden, wenn der Fahrer zu der Konzentration weitgehend entspannt ist. Die Anspannung und die Reaktionen des Körpers sind ein guter Gradmesser für die körperliche und mentale Beanspruchung beim Fahren. Also, auf Signale des Körpers achten. Entspannte Konzentration ermöglicht höhere Ausdauer. Aber auch langsames „Herumschleichen“ ohne wirkliche „Anforderungen“ können den „Konzentrationsfaden“ abreisen lassen. In solchen Phasen auch mal eine Pause machen.

     

    Überwinde die Angst vor dem Bremsen, trainiere es bis zum Maximum.

    Eine Voll- oder Notbremsung mit dem Motorrad in einer kritischen Verkehrssituation gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die zur Vermeidung eines meist schweren Unfalles beim ersten Versuch perfekt gelingen muss. Deswegen kann das Bremsen auch aus hohen Geschwindigkeiten nicht genug geübt werden. Übrigens: Es erhöht den Fahrspaß, die Bremsen auch in Schrecksituationen gewohnheitsgemäß professionell bedienen zu können.


  • Im Kurvenlabyrinth

    Trainiere die spezielle Blickführung für Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf.

    Gleichgültig auf welcher Maschine: Bei zügiger Kurvenfahrt kommt auf dem Motorrad erst richtiger Frohsinn auf. Für einen flüssigen Ablauf der Fahrt ist die kontinuierliche Blickführung alles entscheidend. Deswegen besonders die Konzentration auf das Wichtige, das Sehen und schnelle Verstehen der Gegebenheiten trainieren und bei Unklarheiten konsequent die Geschwindigkeit rausnehmen. 

     

    Überwinde die Angst vor satter Schräglage. Trainiere den schnellen und ausgeprägten Schräglagenwechsel!

    Die schräge Kurvenfahrt hat für Motorradfahrer etwas Faszinierendes. Einerseits gilt hohe Schräglage als Ausdruck von Verwegenheit, andererseits verursacht sie bei manchen Motorradfahrern ab einer gewissen Ausprägung Unbehagen. In schwierigen Situationen wird dann nur ein Teil der physikalischen Möglichkeiten genutzt, sprich es werden zu große Kurvenradien gefahren, obwohl kleinere möglich gewesen wären. Auch ist vielen nicht klar, dass je nach Maschinentyp und Lenkerbreite bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten für einen schnellen Richtungs- und Schräglagenwechsel entschlossene und kräftige Lenkimpulse erforderlich sind. Mit diesem Thema kann sich der Motorradfahrer hervorragend bei einem Sicherheits- und Rennstreckentraining im sogenannten Kreisel vertraut machen. Das Training soll natürlich nicht dazu führen, in öffentlichen Straßenkurven immer auf der allerletzten Rille zu fahren. Sonst ist der hinzugewonnene persönliche Handlungsspielraum wieder voll ausgeschöpft und kein Sicherheitsgewinn entstanden. 

     

    Trainiere das Zusammenspiel von Gas, Kupplung, Vorderrad- und Hinterradbremse bei zügiger Kurvenfahrt und in Schräglage.

    In Schräglage hält die Physik für den Motorradfahrer einige Überraschungen bereit, die gefährlich werden, wenn Bremsen, Gas und Kupplung bei Schreckreaktionen falsch bedient werden. Wissen und Training kann die Wahrscheinlichkeit der Fehlbedienung reduzieren.

     

    Lass Dich von Nichts und Niemanden zu Dingen provozieren, die nicht zu Dir und Deinem Fahrstil passen. Jeder ist für sich und sein Tun verantwortlich!

    Vorrangig bei sportlichen Gruppenfahrten auf anspruchsvollen Kurvenstrecken oder Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen, entwickelt sich gelegentlich eine besondere Gruppendynamik, d.h. die Gangart der Vorausfahrenden beschleunigt sich sukzessive. Wer weiter hinten in der Gruppe fährt, müsste bei dem Versuch, den Anschluss zu halten, über seine und allgemein gültige Grenzen hinausgehen. Wer in dieser Situation rechtzeitig erkennt, wo vernünftige Grenzen liegen, kommt zwar später an, ist aber trotzdem Sieger. 

     

    Wenn Dich auf anspruchsvoller (Kurven-)Strecke der Frohsinn mit Adrenalin begleitet (z.B. Zustand des „Flow“), vergesse nicht alles.

    Achte auch auf kleine Fehler, die Dir unterlaufen, und bewerte Deine aktuelle Konzentration und Kondition. Mach mal ´ne Pause!

     

    Wenn es eng wird: Gib nicht zu schnell auf!

    Jeder Motorradfahrer kennt die Situation: Aus dem entspannten Fahren heraus wird die Verkehrs- und Risikosituation fast schlagartig brenzlig. Anstatt konzentriert das „richtige“ zu tun, erstarren wir zu einer viel zu schnellen Salzsäule. Meist wird Bremse und Kupplung betätigt und ansonsten nur gewartet was passiert. Mental trainiert werden können solche Situationen durch Phantasie. In vergleichsweise harmlosen Verkehrs- und Fahrsituationen im Kopf durchspielen, welche nutzbaren Möglichkeiten geblieben wären, wenn es enger gewesen wäre. 

     

    Nutze die Trickkiste der Physik! Versuche die Fahrphysik des Motorrades zu verstehen und setze abseits des öffentlichen Verkehrs das neue Verständnis spielerisch um (Motorrad-Sicherheitstraining)

    So wie die Physik Überraschungen für den Motorradfahrer bereithält, so kann sie auch trick- und segensreich eingesetzt werden. So lässt sich z.B. die Hinterradbremse in enger werdenden Kurven geschickt zur Schräglagenkorrektur einsetzen.


  • Im Verkehrsgetümmel

    Schaue so weit wie möglich nach vorne, ohne die Details direkt vor Dir zu übersehen. Lass Dich von Deinem Blick leiten. Beobachte gut, nutze alle wichtigen Hinweise im Verkehrsgeschehen und auf der Straße, bleibe im Zweifel misstrauisch.

    Die sogenannte Blickführung zählt zu den wichtigsten „Lenkungsinstrumenten“ auf dem Motorrad. Wohin man schaut, dorthin fährt man auch. Außerdem können Gefahren durch einen weitreichenden Blick früher erkannt werden. Vorausschauendes Fahren gibt immer auch eine Gelassenheit im Zeit- und Bewegungsablauf.

     

    Verzichte auf mögliche Vorrechte! Die Vermeidung von Konflikten und Unfällen hat absoluten Vorrang

    Für Motorradfahrer sollte immer die Unfallvermeidung an erster Stelle stehen. Die Fragen des Vorrechtes und der Fehler eines Anderen spielen eine untergeordnete Rolle. Versuche keine Fahrmanöver mit der Brechstange.

     

    Überwache und erahne so oft und so gut es geht den Verkehr um Dich herum, auch wenn kein Spur- und Richtungswechsel ansteht.

    Besonders im dichten Verkehr und bei Gruppenfahrten ist die Position anderer Verkehrsteilnehmer für geplante Fahrmanöver entscheidend. Hier gilt es, Überblick zu bewahren.

     

    Erwarte trotzdem stets das Unerwartete! Je weniger Du siehst, umso mehr Vorstellung und Phantasie von möglichen bevorstehenden Abläufen und Ereignissen sind gefragt!

    Wenn der Blick auf den nächsten Strecken- und Verkehrsbereich versperrt ist, hilft es eine realitätsnahe Vorstellung von dem zu haben, was auf einen zukommen könnte. Die Reaktionszeiten und die Anpassung an die realen Gegebenheiten verkürzen sich damit.

     

    Mache Dich immer so gut sichtbar wie möglich. Bringe Dich zu den anderen Verkehrsteilnehmern so in Position, dass Du auch gesehen werden kannst. Schalte im Zweifelsfall am Tag auf das Fernlicht um. Auch wechselnde Fahrlinien könne die Auffälligkeit erhöhen.

    Für eine höhere Auffälligkeiten sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen sowie Scheinwerferlampen mit erhöhter Lichtausbeute sinnvoll.

     

    Bei Unklarheit der Verkehrsabläufe: Reagiere schnell, sehr schnell, entschlossen und für andere berechenbar!

    Selten werden kritische Verkehrsituationen oder gar Unfälle von einem Fehler allein verursacht. Meist werden die möglichen Folgen des Fehlers von den Beteiligten falsch eingeschätzt. Umso wichtiger ist es, eigene und fremde Fehler möglichst schnell zu erkennen und sofort entschärfende Maßnahmen zu ergreifen, also meist die Geschwindigkeit stark reduzieren. Wichtig dabei ist auch die Fehlererkennung zu trainieren.

     

    Ärgere Dich nicht über andere, die Dich behindern oder stören. Nimm sie als Realität wahr und überlege Dir, wie Du in Zukunft solchen Störungen entgehen kannst! Störe und behindere andere möglichst wenig!

    Im heutigen, vielfach dichten Verkehrsgeschehen sind gegenseitige Störungen und Behinderungen unvermeidbar. Die wenigsten Zeitgenossen haben schlechte Absichten, wenn sie andere stören oder behindern. Gelegentlich stellen sie sich einfach nur ungeschickt an. Für die unbetrübte Freude am Motorradfahren möglichst Strecken zu Zeit wählen, zu denen dort nicht die Rush-Hour herrscht. 

     

    Halte Abstand und bewahre Dir Möglichkeiten, Unfälle zu vermeiden oder zu entschärfen, suche dazu Raum und Platz im Verkehrsgeschehen.

    Ausreichenden Abstand zu halten, hat nur Vorteile. Abgesehen von dem vornehm- distanzierten Charakter der Zurückhaltung, kann bei ausreichendem Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen gelassener und überlegter reagiert werden, wenn andere Stress und Hektik entwickeln. Durch ausreichenden Abstand kann der Überblick gewahrt und die Ausweichmöglichkeiten genutzt werden.

     

    Wähle die Fahrlinie auf Deinem Fahrstreifen möglichst rechts, vor allem in Linkskurven. Nur Rechtskurven werden links angefahren.

    Die schlimmsten Unfälle sind Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Da das Ausweichen mit dem Motorrad nicht ganz so einfach abläuft, wie es sich die meisten Zeitgenossen vorstellen, sollte so oft wie möglich der Abstand zum Gegenverkehr groß gehalten werden. Besonders bei schräger Fahrt in Linkskurven brauchen auch wir Motorradfahrer viel Platz, den wir dem Entgegenkommenden ohne vorherige Absprache nicht einfach wegnehmen können. Also, in Linkskurven rechts bleiben.


  • Und sonst noch ...

    Nutze zum Schnellfahren eine abgesperrte Rennstrecke! (Rennstrecken-Training) Dort herrschen beste Trainingsmöglichkeiten unter Anleitung.

    Nicht nur der ADAC bietet regelmäßig Rennstreckentrainings an.

     

    Trainiere von Zeit zu Zeit das Langsamfahren!

    Schnell geradeaus fahren können fast alle, das Langsamfahren dagegen sollte und kann ohne großen Aufwand und Platzbedarf immer mal wieder spielerisch geübt werden. Es vermittelt ein sehr feines Gefühl für die Bedienung der Maschine und ihre Stabilisierung. 

     

    Wähle bei schlechtem Wetter einen weichen Fahrstil. Mach bei Kälte genügend Pausen und iss genug.

    Als ob Regen und Kälte für Motorradfahrer nicht schon hässlich genug wären, kommen zusätzlich noch die erschwerten Sicht- und Fahrbedingungen hinzu. Vielfach sind die Bedenken vor dem schlechten Wetter allerdings größer als das schlechte Wetter selbst. Ein weicher, „fließender“ Fahrstil kann helfen auch dieser unangenehmen Situation noch etwas Gutes abzugewinnen. Wichtig ist eine regen- und kältegeeignete Ausstattung von Helm und Kleidung. 

     

    Kaufe das nächste Motorrad mit ABS! Kaufe kein Motorrad ohne Probefahrt!

     

    Übernimm einige dieser Tipps auch für das Autofahren.

    Mehr zum ADAC-Rennstreckentraining

     


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