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Motorradsicherheit

Motorrad fahren ist mehr als motorisierte Fortbewegung!


Motorrad fahren steht für Leidenschaft, Freiheit und Individualität. Leider fährt das Risiko dabei immer mit. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Motorrad tödlich zu verunglücken, ist bezogen auf die Personenkilometer 20-mal höher als mit einem Pkw. Im

Jahr 2013 kamen 568 Motorradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben, 8.974 wurden schwer verletzt. Die Gesamtzahl der Verkehrstoten ist in den letzten Jahren zurückgegangen, bei den Motorradfahrern bleiben die Ereignisse relativ unverändert: etwa jeder sechste Getötete ist ein Motorradfahrer.

Der ADAC nimmt sich dieses Problems an und analysiert die Ursachen, gibt Tipps für Motorradfahrer und macht Straßenbauverwaltungen und Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft Vorschläge für mehr Sicherheit.



Laden Sie sich hier die ADAC Broschüre herunter

Oder Sie fordern den Flyer kostenlos per E-Mail an unter verkehr.team@adac.de.


Jeder sechste Getötete ist ein Motorradfahrer. Der ADAC nimmt sich dieses Problems an und analysiert die Ursachen, gibt Tipps für Motorradfahrer. In der Fachbroschüre konzentriert sich der Inhalt auf straßenbaulichen und verkehrstechnischen Maßnahmen, die geeignet sind, die Sicherheit für Motorradfahrer maßgeblich zu beein­flussen.


  • Motorradfahren ist Sport

    Motorradfahren ist eine hoch komplexe Fortbewegungsart mit körperlichen und mentalen Anforderungen, die denen anspruchsvoller Sportarten wie Wettkampf-Tennis oder Skispringen entsprechen. Dies wies das Institut für Leistungsmedizin der Uni Freiburg schon vor Jahren nach.

    Vom Menschen im Sattel wird viel Können, Kompetenz und Kondition gefordert. Nur allzu schnell kann die sprichwörtliche Freude am Fahren durch einen Sturz oder Unfall nachhaltig getrübt werden. Schließlich haben weder Fahrer noch Maschine Knautschzonen, nur wenige bisher das segensreiche ABS oder gar einen Airbag.

    Die Risiken können nie ganz ausgeschaltet werden. Aber sie können nachhaltig minimiert werden: mit der richtigen Einstellung, mit fortwährendem Training und Lernbereitschaft, mit Verantwortung gegenüber sich selbst, den Angehörigen und den Mitmenschen im Straßenverkehr.


  • Der Fluch der Landstraße

    Eine umfassende Analyse von Real-Unfällen des Jahres 2005 durch die ADAC-Experten brachte eindeutige Ergebnisse. Erstaunlich dürfte für viele dieser Fakt sein: Knapp 70 Prozent aller Zweirad-Unfälle passieren innerorts, nur rund 30 Prozent außerorts. Trotzdem kommen 68 Prozent der getöteten Motorradfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften auf Landstraßen ums Leben. 2005 waren dies allein 700 von 1040 Opfern!

    Belegt werden konnte außerdem, dass 82 Prozent aller Motorrad-Unfälle, unabhängig von der Unfallstelle, bei Tageslicht passieren und 91 Prozent der getöteten Zweirad-Lenker bei trockener Straße verunglückten.


  • Problem Selbstüberschätzung

    Weitere Erkenntnis: Motorradfahrer sind sich selbst der größte Gegner. Denn die meisten Crashs mit Verletzungen oder Todesfolge, in denen der Biker als Hauptverursacher eingestuft wurde, waren Alleinunfälle ohne Fremdbeteiligung (53 Prozent). Mehrheitlich in gut 60 Prozent der Fälle betroffen: Männer zwischen 25 und 55, die auch als Halter die große Mehrheit bilden. Die ermittelte Unfallursache war in der absoluten Mehrzahl »nicht angepasste Geschwindigkeit«, gefolgt von ungenügendem Sicherheitsabstand und Überholen trotz unklarer Verkehrslage.

    Zugespitzt ausgedrückt: Der klassische Unfallfahrer ist ein Mann mittleren Alters, der sich bei gutem Wetter auf der Landstraße mit zu hohem Tempo selber von der Bahn schießt. Dies lässt dies nur einen Schluss zu: »Die realistische Selbsteinschätzung der verunfallten Fahrer stimmt in den meisten Fällen nicht. « Dass womöglich das Tempo für die Straßen- und Verkehrsverhältnisse zu hoch war, die Blickführung bei der Kurvenfahrt nicht stimmte oder die Schräglage für den Kurvenradius zu gering war, das eigene Bremsvermögen oder das der Maschine falsch eingeschätzt wurde, der Bremspunkt nicht richtig gewählt oder die Bremsen falsch dosiert wurden, lasse sich immer auf eine einzige, gemeinsame Ursache für die Unfälle reduzieren: »Fehlende Deckungsgleichheit vom Bild des Fahrers und der Realität.«

    Gleiches gelte für das vermeintliche und deshalb trügerische Gefühl der Sicherheit durch längere Fahrpraxis oder einen Saisonverlauf ohne gefährliche Situationen. Allerdings spielt auch die falsche Bewertung der eigenen körperlichen Verfassung eine große Rolle, schließlich sind Kondition und Konzentration eng verknüpft. Neben der Maschinen-Bedienung, der Haltearbeit und dem Winddruck-Widerstand seien Auge, Hirn und Niere bei der hohen Stresskompensation, die beim Motorradfahren zu leisten ist, extreme Energie-Vernichter: »Viele Motorradfahrer bewerten ihre konditionelle Verfassung, die Tagesform oder den Abbau von Reserven völlig falsch und überschreiten ihre Leistungsgrenzen.«


  • Training hilft jedem
    Dass realistische Selbsteinschätzung, Fertigkeit im Umgang mit der Maschine und vieles mehr bei guten Motorradtrainings gelernt werden muss und kann, wird an einem Beispiel klar: »Selbstredend kann man die Reaktion auf ein wegrutschendes Rad auf Asphalt nur bedingt trainieren. Aber Bremsen und Ausweichen oder die Flucht ins Gelände kann ziemlich real geübt werden. Auch die mentale Beschäftigung mit den richtigen Schritten lässt einen Notmanöver besser in den Griff bekommen und deshalb im Falle eines Falles reflexartig das Richtige tun.«

    Jeder Motorradfahrer kann sich verbessern –und sollte dies auch konsequent tun. Denn: Bei der schnellen Entwicklung der Fahrwerks-, Brems- und Reifentechnik wird der Grenzbereich der Fahrphysik immer schmäler, die Anforderung an den Fahrer damit immer größer. Auch die »Anpassung« an die jeweilige Maschine oder an wechselnde Motorrad-Gattungen erfordert Training. »Sogar Bremsen mit ABS will gelernt sein, sagt ein ADAC-Motorradtrainer mit Blick auf Um- und Wiedereinsteiger. Die Angebotspalette des ADAC in Sachen Motorradtrainings war deshalb noch nie größer und vielseitiger.


  • Vorsicht statt Vertrauen

    Training und realistische Selbsteinschätzung sind das Eine. Optimale Fahrerausrüstung das Andere. Zu ihr sollten immer ein Helm mit neuer ECE-Norm, gute Schutzkleidung mit eingearbeiteten Protektoren, Motorrad-Handschuhe und -Stiefel gehören.

    Sehr großes Potenzial zur Steigerung der Motorradsicherheit sehen ADAC-Experten bei »Partner-Unfällen«. Weil im Analyse-Jahr 2005 bei 72 Prozent der Kollisionen mit Motorrädern Vierrad-Lenker die Verursacher waren, sollen diese verstärkt über die Besonderheiten einspuriger Fahrzeuge aufgeklärt werden.

    »Aber auch Zweirad-Piloten können mit weniger Vertrauen und mehr Vorsicht viel zu einem Rückgang der Unfallzahlen beitragen. Die Haupt-Unfalltypen von Kollisionen zwischen Autos und Motorrädern sind nämlich seit vielen Jahren unverändert«, sagt ein ADAC-Verkehrsexperte: Linksabbiegen des Pkw bei entgegenkommendem oder überholendem Motorrad (toter Winkel), Übersehen des Motorrades oder Fehl-Einschätzung seines Tempos beim Einbiegen aus Nebenstraßen oder Feldwegen, Vorfahrtsverletzungen an Kreuzungen, Kurvenunfälle durch Nicht-Einhalten der Fahrspur, Ausparken ohne »Rücksicht« des Pkw-Fahrers.


  • Fehlende Knautschzone

    »Die Fehler der anderen einzukalkulieren und durch vorausschauende Fahrweise Risiken zu vermeiden, ist allemal besser, als eine Kollision mit Autos zu riskieren. Motorradfahrer ziehen nämlich – unabhängig vom Verursacherprinzip – immer den Kürzeren«. Eine erschreckende Analyse: 214 Motorradfahrer – aber nur drei Pkw-Insassen – starben 2005 bei Unfällen, die durch Autofahrer verschuldet wurden. War der Motorradfahrer Verursacher, sah die Bilanz ähnlich aus: 131 getötete Motorradfahrer gegen vier Todesopfer im Auto. Dass gerade bei Unfällen mit Autos der Motorrad-Airbag künftig eine hervorragende Schutzwirkung entfalten könnte, hat der ADAC-Crashtest mit einer Airbag-bestückten Honda Gold Wing bewiesen. Dieses System an weitere Motorradtypen und -klassen anzupassen, wäre ein wichtiger Schritt der Hersteller zu mehr Sicherheit. Gleiches gilt für andere Assistenzsysteme, die Autos sicherer machen, wie etwa eine Antischlupf-Regelung.

    Und zum Thema ABS: Der ADAC setzt sich seit Jahren für eine flächendeckende Verbreitung des Sturzverhinderers ein; wer ein neues Bike kauft, sollte keines mehr ohne nehmen. »Überbremsen und Stürze durch blockierende Räder haben meist schlimme Folgen und sind sehr oft Ursache von Motorrad-Alleinunfällen«, weiß ein ADAC Experte aus der Unfallanalyse. Doch auch ABS ist in seiner Entwicklung noch keineswegs ausgereizt: Ein voll kurventaugliches System steht auf der Wunschliste des ADAC weit oben.

    Auch die öffentliche Hand hat eine Menge Hausaufgaben zu erledigen: ein motorradfreundlicher Straßenbau mit Verzicht auf Bitumenflickerei, rutschhemmende Fahrbahn-Markierungen oder Ummantelungen von Leitplankenpfosten gehören zum großen Katalog der ADAC Forderungen zur nachhaltigen Verbesserung der Motorradsicherheit.

    Am meisten erreichen wir aber durch eine Bewusstseinsänderung bei den Motorradfahrern und Autofahrern selbst.

    Typische Konfliktsituationen im Überblick PDF, 109 KB


  • Das rät der ADAC
    • Kaufe oder fahre nur ein Motorrad, das »passt« und das Du in jeder Situation sicher im Griff hast.
    • Motorradfahren ist Sport: Nur wer körperlich und mental fit ist und sich und sein Leistungsvermögen jederzeit richtig einschätzt, fährt sicher.
    • Nur ein voll funktionstüchtiges Motorrad bietet die Gewähr für eine sichere Fahrt. Prüfe deshalb vor jeder größeren Fahrt mindestens Reifen, Bremsen und Beleuchtung. 
    • Schütze dich selbst und Beifahrer/innen bei jeder Fahrt mit sicherer, kontrastreicher Motorrad-Bekleidung, -Handschuhen, -Stiefeln und einem nach aktueller ECE-Norm geprüften Schutzhelm, der optimal sitzt.
    • Übe richtige Blickführung, Lenk- und Kurventechnik sowie Schräglage und Schräglagenwechsel in Trainings – nicht nur zum Saisonstart oder bei einem Maschinenwechsel.
    • Ob mit oder ohne ABS: richtiges und konsequentes Bremsen und/oder Ausweichen sowie die Flucht ins Gelände sind die beste Lebensversicherung und sollten deshalb fortwährend trainiert und optimiert werden.
    • Setzte auf eine vorausschauende, defensive Fahrweise und wähle das Tempo stets so, dass genügend Reserven bleiben, um unerwartete Situationen souverän meistern zu können.
    • Entwickle den berühmten »siebten Sinn« und kalkuliere stets die Fehler anderer Verkehrsteilnehmer ein.
    • Jeder ist für sich alleine verantwortlich. Lasse dich – auch bei gemeinsamen Ausfahrten – durch niemanden und nichts dazu verleiten, deine Grenzen zu überschreiten.
    • Plane Etappen bei Reisen und Touren eher kürzer als zu lang; kalkuliere dabei die Art der Maschine, Straßenbeschaffenheit sowie Witterungsbedingungen ein. Achte unterwegs auf die richtige Ernährung und genügend Flüssigkeitszufuhr durch regelmäßiges Trinken alkoholfreier Getränke.

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