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Fragen an den Verkäufer


Besonders bei der Recherche im Internet wird der Käufer auch auf interessante Angebote aus weit entfernten Regionen oder gar aus dem Ausland aufmerksam. Um unnötige Ausflüge zu letztendlich ernüchternde Besichtigungen zu vermeiden, können klare Fragen und deren ehrliche Beantwortung früh die Entscheidungsfindung erleichtern. Folgende Fragen sollte der Verkäufer bereits bei der ersten Kontaktaufnahme per Telefon oder Mail beantworten, damit der Kaufinteressierte schnell weiß, ob die angebotene Maschine für ihn in Frage kommt. Siehe hierzu auch Checkliste „Fragen an den Verkäufer“. Viele Informationen zu dem Fahrzeug können aus der Anzeige übernommen werden. Der Kaufinteressierte sollte sich ausdrücklich bestätigen lassen, dass diese Informationen korrekt sind. Widersprüchliche Aussagen unbedingt ansprechen und Unklarheiten beseitigen. Die Angaben zu der Maschine in den Online-Anzeigen inklusive aller Bilder abspeichern. Sie dienen als Grundlage für die Produktbeschreibung im Kaufvertrag. 

Fragen am Telefon:

  • Ist der Verkäufer der Eigentümer oder lediglich der Besitzer?
    Sie sollten sich die Informationen vorrangig vom Eigentümer holen und mit diesem verhandeln. Der Eigentümer kann meist verbindlichere Aussagen zu den verschiedenen Fragen machen als ein Verkaufsbevollmächtigter. Auch die Preisverhandlungen gestalten sich mit dem Eigentümer unkomplizierter. Lassen Sie sich ggf. eine schriftliche Verkaufsvollmacht von dem Verkäufer vorlegen, wenn dieser nicht der Eigentümer ist. 
  • Wie lautet die genaue Modellbezeichnung? Welches Baujahr? Welche Leistungsvariante?
    Gelegentlich werden in Anzeigen irrtümlich falsche Modellbezeichnungen oder Leistungen angegeben. 
  • Stammt das Motorrad ursprünglich von einem offiziellen Importeur, einem Re- oder Parallelimporteur?
    Im letzten Fall gilt es, besondere Hinweise zur Garantie (Werks- oder Werkstattgarantie) und Ersatzteilversorgung zu beachten. Die Herkunft des Fahrzeugs lässt sich meist anhand der Eintragungen im Fahrzeugbrief bestimmen (dort auf der letzten Seite).
  • Wann wurde das Motorrad erstmalig zugelassen?
    Von dem Erstzulassungsdatum hängt ab, ob die Gewährleistungs- bzw. Garantiefrist bereits abgelaufen ist. Außerdem wurden in den letzten Jahren die Zulassungsvorschriften geändert. Euro 3-Motorräder können in 2017 nur im Ausnahmefall erstmals zugelassen werden. 
  • Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein?
    Wenn hier keine Übereinstimmung besteht, muss geklärt werden, warum. Auskünfte wie „Laut Tacho“ sollten misstrauisch stimmen.
  • Wurden die regelmäßig fälligen Inspektionen von einer Fachwerkstatt durchgeführt?
    Das Scheck- bzw. Kundendienstheft gibt hier unter anderem Aufschluss darüber, wer regelmäßige Wartung vorgenommen hat. Prüfen Sie die Aussagen des Verkäufers bei der Besichtigung.
    Wenn ja: Bei welchem Vertragshändler? Ist die Qualität seiner Arbeiten bekannt?
    Wenn nein: Von wem wurden die Wartungsarbeiten durchgeführt? Qualifikation des Mechanikers?
  • Wieviele Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits?
    Die neuen Zulassungsbescheinigungen (Teil II, Fahrzeugbrief) haben nur Platz für einen Vorbesitzer. Trotzdem wird die Zahl der Vorbesitzer in der Zulassungsbescheinigung Teil I in der Zeile B unter der Kennzeichenangabe angegeben. Bei Erstbesitzer steht an dieser Stelle eine „0“. Viele Vorbesitzer sind ein Hinweis dafür, dass die Vorgänger mit dem Motorrad nicht zufrieden waren. Wenn dieses vermutet wird: Warum?
  • Ist das Motorrad unfallfrei?
    Auch wenn sich die Richtigkeit der Aussage am Telefon nicht prüfen lässt, kann dies bei der Besichtigung nachgeholt werden. Widersprüchliche Aussagen sollten misstrauisch machen. Wenn das Motorrad nicht als „unfallfrei“ angeboten wird, klären Sie, welche Bauteile beschädigt, repariert oder ersetzt wurden. Schäden, die nicht oder nur provisorisch repariert wurden, sollten mittels Bilder dokumentiert werden. Sind Unterlagen (Rechnungen) zur Reparatur noch vorhanden?
  • Welche Ausstattung hat das Motorrad ab Werk?
    Meist wird hierüber bereits in der Anzeige informiert. 
  • Wurden Komponenten des Motorrades überholt oder ersetzt?
    Wenn Teile des Motorrades wie z.B. der Motor, der Rahmen, der Tank, die Elektrik usw. überholt oder ersetzt wurden: Sind die Rechnungen für diese Arbeiten noch vorhanden?
  • Sind alle Bauteile original oder wurden Fremdteile bzw. Fremdzubehör montiert? Wurde die Maschine grundlegend umgebaut?
    Wenn fremde Teile montiert wurden, die die Betriebserlaubnis betreffen: Sind die Zubehör- oder Anbauteile in den Fahrzeugbrief eingetragen bzw. liegt für alle Zubehör- oder Anbauteile eine ABE oder eine Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers vor? Besonders betrifft dies: Motor, Einspritz- und Auspuffanlage, Beleuchtung, Räder u. Reifen, Federelemente und weitere Komponenten.
    Bei mehreren Änderungen an verschiedenen Komponenten, die technisch zusammen wirken, kann eine Einzelbetriebserlaubnis (§ 21 StVZO) erforderlich sein oder werden.
    Die Klärung dieser Fragen hat besondere Bedeutung für Änderungen, die die Abgasqualität und das Geräuschverhalten betreffen. Vor einem Kauf müssen alle Zulassungsvoraussetzungen lückenlos und zweifelfrei geklärt und entsprechend dokumentiert werden. Ist dies nicht möglich, sollte der Kauf gut überlegt werden.
    Sind die Fremdteile Markenprodukte? Sind die Originalteile noch vorhanden? 
  • Wann wurde das Motorrad das letzte Mal gefahren? Hat das Motorrad längere Zeit gestanden?
    Manche meist ältere Motorräder fristen ein wenig bewegtes Leben in einem Keller, einer Garage oder auch im Freien und sollen jetzt endlich verkauft werden. Besonders auffällig wird dies, wenn das Alter der Maschine und die angegebene Laufleistung nicht zueinander passen. In diesen Fällen muss mit Standschäden gerechnet werden. Davon betroffen sind vorrangig alle Gummi- (vor allem Reifen) und Kunststoffteile, besonders wenn das Fahrzeug längere Zeit im Freien ohne Schutzplane abgestellt wurde, die Bremsen, die Batterie, Tank und Vergaser sowie bewegte Teile des Fahrwerks und des Endantriebs. Der Besitzer sollte zur Erweckung aus dem Dornröschen-Schlaf die wichtigsten Teile überprüft, gepflegt oder ersetzt haben. Bei der Besichtigung besonders die genannten Teile prüfen oder vom Kauf absehen. 
  • Ist das Motorrad zugelassen, oder ist ein Kurzzeitkennzeichen für die Probefahrt verfügbar? Bei Saisonkennzeichen: Wann ist die „aktive“ Zeit?
    Wenn das Motorrad abgemeldet (außer Betrieb gesetzt) ist: Wie lange ist das Fahrzeug bereits abgemeldet?
    Ein Fahrzeug, das außer Betrieb gesetzt wurde, kann in einem Zeitraum von sieben Jahren wieder angemeldet werde. Dabei ist darauf zu achten, dass bei der Wiederinbetriebnahme ein gültiger HU-Prüfbericht vorliegen muss.
  • Ist eine Probefahrt möglich?
    Auch wenn es als selbstverständlich erscheint, dass der interessierte Käufer zu einem Besichtigungstermin auch eine Probefahrt machen kann, sollten etwaige Hinderungsgründe beachtet werden. Nicht jeder Edelbike-Eigentümer will sein schönstes Stück einem Fremden anvertrauen. Fragen Sie deswegen besser nach, ob Sie selbst mit dem Motorrad fahren dürfen und ob der Verkäufer an die Überlassung des Motorrades Bedingungen knüpft (z.B. Hinterlegung eines Pfandes oder des Kaufpreises in bar). Siehe auch Punkt Probefahrt.
  • Werden sonstige Zubehörteile mit angeboten? In welchem Zustand sind sie?
    Beispiele: Tankrucksack für Enduros mit domförmigen Tank, Koffer für vorhandenen Kofferträger, andere Sitzbank, Kleidung, Montageständer. Häufig kann der Verkäufer dieses spezifische Zubehör nicht weiter verwenden. Er hat dann vielfach ein Interesse, auch dieses Zubehör zu verkaufen.
Wenn die Beantwortung dieser Fragen beim Käufer einen vertrauenswürdigen Eindruck vom Verkäufer hinterlässt und die Fahrzeugeigenschaften den Wünschen entsprechen, sollte ein Termin für Besichtigung und Probefahrt vereinbart werden. Ist ein direkter Abschluss des Handels geplant sein, sollten auch Fragen der Bezahlung und der Fahrzeugummeldung besprochen werden. Bei längeren Anfahrten sollte verbindlich vereinbart werden, dass sich Käufer und Verkäufer sofort informieren, wenn der geplante Besichtigungstermin nicht eingehalten werden kann bzw. das Fahrzeug bereits anderweitig veräußert wurde.

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