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Den Verkäufer befragen


Besonders wenn für den Käufer die Besichtigung der Gebrauchtmaschine mit großem Aufwand (z.B. weite Anfahrt, Beschaffung eines roten Kennzeichens) verbunden ist, möchte er verständlicherweise vorab möglichst viele Details über die angebotene Maschine erfahren, um entscheiden zu können, ob sich der Aufwand lohnt. Deswegen sollten folgende Fragen vom Verkäufer bereits bei der ersten Kontaktaufnahme am Telefon verbindlich und wahrheitsgemäß beantwortet werden.

  • Ist der Verkäufer der Eigentümer oder nur der Besitzer?
    Sie sollten sich die Informationen vorrangig vom Eigentümer holen und mit diesem verhandeln. Der Eigentümer kann meist verbindlichere Aussagen zu den verschiedenen Fragen machen als ein Verkaufsbevollmächtigter. Auch die Preisverhandlungen gestalten sich mit dem Eigentümer meist unkomplizierter. Lassen Sie sich ggf. eine schriftliche Verkaufsvollmacht von dem Verkäufer vorlegen, wenn dieser nicht der Eigentümer ist.

  • Wie lautet die genaue Modellbezeichnung? Welche Leistungsvariante?
    Gelegentlich werden in Anzeigen irrtümlich falsche Modellbezeichnungen oder Leistungsvarianten angegeben. Wichtig ist es, die Kosten für eine etwaige Leistungsänderung einzukalkulieren.

  • Stammt das Motorrad von einem inländischen Hersteller, offiziellen Importeur oder ist es ein Reimportfahrzeug?
    Bei reimportierten Motorrädern ist zu klären, ob der entsprechende Stempel des ausländischen Händlers in den Service-Unterlagen (Service- oder Kundendienstheft) vorhanden ist. Außerdem ist eine realistische Gebrauchtpreisfindung bei reimportierten Fahrzeugen schwieriger als bei Fahrzeugen, die über das offizielle inländische Vetriebsnetz des Importeurs verkauft wurden (siehe auch Preisfindung). In den meisten Fällen kann ein Vertragshändler, der mit Wartungsarbeiten beauftragt wird, die Herkunft des Motorrades über die Fahrgestellnummer ermitteln. Je nach Auftragslage entscheiden manche Vertragshändler dann, ob sie den Wartungsauftrag annehmen oder nicht. 

  • Wann wurde das Motorrad erstmalig in Deutschland zugelassen?
    Von dem Erstzulassungsdatum hängt ab, ob die Gewährleistungs- und die Garantiefrist abgelaufen sind. Außerdem wurden in den letzten Jahren Abgas- und Geräuschvorschriften für motorisierte Zweiräder verschärft, weswegen verschiedene neuere, modellgepflegte Typen leiser und zum Teil leistungsschwächer wurden. Neuere Modell haben dafür meist eine hochwertigere Ausstattung.

  • Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein?
    Wenn hier keine Übereinstimmung besteht, stellt sich die Frage nach dem Warum. Auskünfte wie "Laut Tacho" sollten misstrauisch stimmen.

  • Ist das Motorrad unfallfrei?
    Auch wenn sich die Richtigkeit der Aussage am Telefon nicht prüfen lässt, kann dies bei der Besichtigung nachgeholt werden. Widersprüchliche oder keine klaren Aussagen sollten misstrauisch machen.

  • Wie viele Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits?
    Viele Vorbesitzer sind ein Hinweis dafür, dass sie mit dem Motorrad nicht zufrieden waren. Wenn dieses vermutet wird: Warum?

  • Ist das Motorrad noch zugelassen oder muss ein rotes Kennzeichen (üblicherweise nicht für Privatpersonen erhältlich) bzw. ein Kurzzeitkennzeichen für die Probefahrt und ggf. Überführung beantragt werden? Letzteres ist dann Aufgabe des Verkäufers, der über alle Papiere verfügt. Details zu Kurzzeitkennzeichen können Sie vielfach auf den Internet-Seiten der zuständigen Zulassungsstelle finden.

  • Ist eine Probefahrtmöglich?
    Auch wenn es als selbstverständlich erscheint, dass der interessierte Käufer zu einem Besichtigungstermin auch eine Probefahrt machen kann, sollten etwaige Hinderungsgründe beachtet werden. Nicht jeder Edelbike-Eigentümer will sein schönstes Stück einem Fremden anvertrauen, zumal gelegentlich vermeintliche Kaufinteressenten von Probefahrten nicht zurückgekehrt sind. Fragen Sie deswegen besser nach, ob Sie selbst mit dem Motorrad fahren dürfen und ob der Verkäufer an die Überlassung des Motorrades Bedingungen knüpft (z.B. Hinterlegung eines Pfandes oder des Kaufpreises in bar). Siehe auch Punkt Probefahrt.

  • Ist der Fahrzeugbrief der erste oder ein Ersatzbrief? Wenn es ein Ersatzbrief ist, warum?
    Wenn seit dem Herbst 2005 Änderungen in den Fahrzeugpapieren notwendig waren, so wurden die neuen Zulassungsbescheinigungen Teil I und II ausgestellt. Aus diesen Papieren gehen die Zahl und die Daten der Vorbesitzer nicht mehr hervor. Die alten Fahrzeugpapiere werden in diesen Fällen für ungültig erklärt und dem Halter entwertet ausgehändigt. Fragen Sie in diesen Fällen, ob der „alte Fahrzeugbrief“ noch verfügbar ist, da er deutlich mehr Informationen enthält und als übersichtlicher gilt.
    Ersatzbriefe (alte Fahrzeug-Papiere) weisen darauf hin, dass die sechs Vorbesitzer den ersten Brief bereits gefüllt haben, dass mehrere wichtige Änderungen an dem Motorrad vorgenommen wurden (z.B. Leistungsänderungen), dass das Motorrad früher länger als ein Jahr abgemeldet war (Gutachten nach § 21 StVZO) oder der erste Fahrzeugbrief verloren gegangen ist.

  • Sind alle Bauteile original oder wurden Fremdteile bzw. Fremdzubehör montiert? Wenn fremde Teile montiert wurden, die die Betriebserlaubnis betreffen: Sind die Zubehör- oder Anbauteile in den Fahrzeugbrief eingetragen bzw. liegt für das Zubehörteil eine ABE oder eine Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers vor? Sind die Fremdteile Markenprodukte? Sie die Originalteile noch vorhanden?
    Die Klärung dieser Fragen hat besondere Bedeutung für Änderungen, die die Abgasqualität und das Geräuschverhalten betreffen. Änderungen an Vergaser, Einspritzanlage, dem Motor selbst oder der Auspuffanlage sollten im Brief oder als ABE dokumentiert sein (siehe auch Detailprüfung im Stand, Auspuffanlage).

  • Wurden die regelmäßig fälligen Inspektionen von einer Fachwerkstatt durchgeführt?
    Das Kundendienstheft gibt hier unter anderem Aufschluss darüber. Prüfen Sie die Aussagen des Verkäufers bei der Besichtigung.
    Wenn ja: Bei welchem Vertragshändler? Ist die Qualität seiner Arbeiten bekannt?
    Wenn nein: Von wem wurden die Wartungsarbeiten durchgeführt? Welche Qualifikation hat er?

Ein unvollständig ausgefülltes Kundendienstheft muss nicht immer ein K.O.-Kriterium sein.

Auch heute noch pflegen und warten ausreichend qualifizierten Fahrer, Besitzer oder Eigentümer ihre Maschine selbst. Technik- und sicherheitsbewusste Motorradfahrer sind vielfach bemüht, ihr Motorrad in möglichst optimalen Zustand zu halten. Um dies beurteilen zu können, sollten sie bei der Besichtigung auch darauf achten, ob

  • der Verkäufer einen kompetenten Eindruck macht,
  • eine entsprechende Werkstatt vorhanden ist,
  • andere Motorräder vorhanden sind,
  • der Verkäufer ein „Motorradfreak“ ist.

Meist entscheidet auch der Bauch mit darüber, ob dem Verkäufer zu vertrauen ist.

  • Sind in letzter Zeit Teile des Motorrads überholt worden?
    Wenn ja: Sind Rechnungen für Ersatzteile und Arbeiten vorhanden? Wann wurden die Arbeiten durchgeführt und von wem?

  • Werden übrige Zubehörteile mit angeboten? In welchem Zustand sind sie?
    Beispiele: Tankrucksack für Enduros mit domförmigen Tank, Koffer für vorhandenen Kofferträger, andere Sitzbank,  Kleidung. Häufig kann der Verkäufer dieses spezifische Zubehör nicht weiter verwenden. Er hat dann vielfach ein Interesse, auch dieses Zubehör zu verkaufen.

  • Wo wohnt der Verkäufer, wie ist er zu erreichen? Wo kann die Besichtigung der Maschine vorgenommen werden? 

    Wenn die Detailfragen zu der angebotenen Maschine geklärt sind, sollten noch die Adresse des Verkäufers und ein Termin für eine Besichtigung notiert werden. Ebenso gibt natürlich auch der Käufer seine persönlichen Daten bekannt. Kann oder will einer der Beteiligten den Termin nicht einhalten, z.B. weil die Maschine bereits verkauft wurde oder der Käufer das Interesse an dem Angebot verloren hat, sollte der mögliche Handelspartner rechtzeitig benachrichtigt werden.


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