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Grundsätzliche Überlegungen zu Motorrad-Schutzkleidung


Textil oder Leder

Textilfasern und Leder sind grundunterschiedliche Materialien bzw. haben grundunterschiedliche Eigenschaften und stehen als Obermaterial für Motorradbekleidung im scharfen Wettbewerb. Gemeinsam ist beiden Materialien, dass ihre spezifischen Eigenschaften stark von der individuellen Qualität der Materialien abhängig sind. Eine Bewertung der individuellen Qualitäten von Leder und den vielfältigen, unterschiedlichen Textilmaterialien erfordert viel Erfahrung und lässt sich durch den Käufer als Laien meist nur schwer vornehmen. Deswegen sollte sich ein Käufer die Erfahrungen mit seiner bisherigen Motorradbekleidung bewusst machen und einige grundlegende Überlegungen anstellen. Vielfach hilft auch der Informationsaustausch mit anderen Bikern.


  • Abriebsprüfungen

    Bei standardisierten Abriebsprüfungen im Rahmen von Produkttests wird die Abriebfestigkeit der Obermaterialien ermittelt. Als Maß dient dabei die Massenreduzierung der Probe während der Prüfung. Außerdem erfolgt eine optische Bewertung des Abriebbildes der unterschiedlichen Proben. Hier und bei praktischen Anwendungen (Stürze mit längeren Rutschanteilen) erweist sich hochwertiges Leder selbst hochwertigen Textilfasern deutlich überlegen. Es bestehen folgende Zusammenhänge (allgemein gültige Aussagen, spezifische Besonderheiten werden nicht berücksichtigt):

    • Abrieb: Leder ist als Naturmaterial allgemein dichter und homogener aufgebaut als Textilien. Bei mechanischer, abreibender Belastung gibt es im Leder einen Lastausgleich, der ein Reißen verzögert oder verhindert. Je nach Elastizität der Unterlage des Leders (Futter, Unterbau) verteilt sich die Belastung durch den Reibpartner (Straßenoberfläche) auf unterschiedlich große Flächen des Leders. Eine größere Auflagefläche des Obermaterials ist dabei im Allgemeinen günstiger. Hierbei wird relativ mehr Energie vernichtet, als dies bei den meisten Textilien zu erwarten ist. Abhängig von der Herkunft und Qualität sollte Leder in Dicken von 1 mm (z.B. Känguruleder) bis 1,5 mm (Rindsleder) verarbeitet sein, um ausreichende Resistenz gegen Durchrieb zu besitzen. Bei Stärken von ca. 1,4 mm hat Leder allein bessere Dämpfungs-Eigenschaften als einfache Textilstoffe, wodurch die Stoßbelastung eines Aufpralles reduziert werden kann. 
      Textilgewebe bestehen aus einzelnen Fäden (unterschieden werden Kett- und Schussfaden), die eine mechanische, abreibende Belastung je nach Faden- und Belastungsrichtung anfangs relativ gleichmäßig aufnehmen. Sobald allerdings wenige Fäden im Gewebe durchreißen und der Last nachgeben, werden auch die benachbarten Fäden schnell überlastet. Dies geschieht teilweise auch ruckartig. Es kommt dann auf relativ kurzer Reibstrecke zu einem großflächigen Bereich mit Fadenrissen. Das ursprünglich geschlossene Gewebe öffnet sich sehr schnell. Die Beständigkeit von Textilien gegen Abriebsbelastung ist auch abhängig von der Lastrichtung im Verhältnis zu der Ausrichtungen des Kett- bzw. Schussfadens. Deswegen haben Textilien im Allgemeinen ein weniger homogenes Abriebsverhalten als Leder.
    • Regenschutz: Je nach Qualität und Bearbeitung ist Leder mehr oder minder atmungsaktiv und nimmt Wasser auf. Leder kann mit wasserdichten und atmungsaktiven Membranen kombiniert werden (Z-Liner oder laminiert). Die Wasseraufnahme ist von der Hydrophobierung des Leders abhängig. Die meisten Textilgewebe sind sehr atmungsaktiv und nehmen je nach Imprägnierung mehr oder weniger Wasser auf. Die Wasserabdichtung der Innenseite erfolgt über besondere Membranen, die als Z-Liner zwischen Außengewebe und Innenfutter eingehängt oder auf der Innenseite des Außengewebes auflaminiert sind. Selbst wenn das Eindringen von Nässe unterbunden wird, führt die Verdunstung des Wassers auf und in dem Gewebe zur Ab- und ggf. Auskühlung. Für Leder und Textilien gilt, dass die Auflaminierung der atmungsaktiven, wasserdichten Membranen auf die Rückseite des Obermaterials geringere resultierende Atmungsaktivität des Verbundes zur Folge hat, als dies bei Verwendung von Z-Linern der Fall wäre.
    • Hitzestau: Leder wirkt von sich aus thermisch nicht ausgleichend. Es kann nur bedingt warm halten bzw. kühlend wirken. Der Temperaturbereich zwischen 15 und 25° C wird in Motorrad-Lederbekleidung allgemein als angenehm empfunden. Entscheidend ist eine besondere Behandlung des Leder, die besonders bei dunklen Lederfarben z.B. eine teilweise Reflexion des Sonnenlichtes ermöglicht (sogenanntes Cool Leather) oder auch die Atmungsaktivität erhält. Auf besondere Belüftungsöffnungen (mit Reiß- oder Klettverschluss zu bedienen) wird aus Rücksicht auf die Festigkeit des Gesamtverbundes vielfach verzichtet. Meist wird das Leder ersatzweise in den Bereichen perforiert, in denen eine Luftdurchlässigkeit gewünscht wird. 
      Es ist bei Textilgeweben üblich geworden, diese mit den unterschiedlichsten Futterstoffen zu kombinieren, die warm halten können. Allgemein gilt, dass jedes zusätzliche Futter die Atmungsaktivität reduziert. Bei hohen Umgebungstemperaturen und Trockenheit ist es deswegen vorteilhaft, auch Funktionsmembranen herausnehmen zu können. Die kühlende Wirkung ergibt sich durch die im Vergleich zu Leder meist bessere Atmungsaktivität einfacher Textilgewebe. Darüber hinaus werden viele Textiljacken mit besonderen Belüftungsöffnungen versehen.
    • Komfort: Kleidungsstücke aus Leder sind allgemein schwerer als vergleichbare Textilkleidungen, obgleich deren Ausstattung meist aufwendiger ist. Das geringere Gewicht und der bessere Schutz vor Temperaturextremen vermitteln vielen Motorradfahrern bei Textilkleidung das Gefühl höheren Komforts.


  • Textil oder Leder

    Textilfasern und Leder sind grundunterschiedliche Materialien bzw. haben grundunterschiedliche Eigenschaften und stehen als Obermaterial für Motorradbekleidung im scharfen Wettbewerb. Gemeinsam ist beiden Materialien, dass ihre spezifischen Eigenschaften stark von der individuellen Qualität der Materialien abhängig sind. Eine Bewertung der individuellen Qualitäten von Leder und den vielfältigen, unterschiedlichen Textilmaterialien erfordert viel Erfahrung und lässt sich durch den Käufer als Laien meist nur schwer vornehmen. Deswegen sollte sich ein Käufer die Erfahrungen mit seiner bisherigen Motorradbekleidung bewusst machen und einige grundlegende Überlegungen anstellen. Vielfach hilft auch der Informationsaustausch mit anderen Bikern.

    Abriebsprüfungen Bei standardisierten Abriebsprüfungen im Rahmen von Produkttests wird die Abriebfestigkeit der Obermaterialien ermittelt. Als Maß dient dabei die Massenreduzierung der Probe während der Prüfung. Außerdem erfolgt eine optische Bewertung des Abriebbildes der unterschiedlichen Proben. Hier und bei praktischen Anwendungen (Stürze mit längeren Rutschanteilen) erweist sich hochwertiges Leder selbst hochwertigen Textilfasern deutlich überlegen. Es bestehen folgende Zusammenhänge (allgemein gültige Aussagen, spezifische Besonderheiten werden nicht berücksichtigt):

    • Abrieb: Leder ist als Naturmaterial allgemein dichter und homogener aufgebaut als Textilien. Bei mechanischer, abreibender Belastung gibt es im Leder einen Lastausgleich, der ein Reißen verzögert oder verhindert. Je nach Elastizität der Unterlage des Leders (Futter, Unterbau) verteilt sich die Belastung durch den Reibpartner (Straßenoberfläche) auf unterschiedlich große Flächen des Leders. Eine größere Auflagefläche des Obermaterials ist dabei im Allgemeinen günstiger. Hierbei wird relativ mehr Energie vernichtet, als dies bei den meisten Textilien zu erwarten ist. Abhängig von der Herkunft und Qualität sollte Leder in Dicken von 1 mm (z.B. Känguruleder) bis 1,5 mm (Rindsleder) verarbeitet sein, um ausreichende Resistenz gegen Durchrieb zu besitzen. Bei Stärken von ca. 1,4 mm hat Leder allein bessere Dämpfungs-Eigenschaften als einfache Textilstoffe, wodurch die Stoßbelastung eines Aufpralles reduziert werden kann.
      Textilgewebe bestehen aus einzelnen Fäden (unterschieden werden Kett- und Schussfaden), die eine mechanische, abreibende Belastung je nach Faden- und Belastungsrichtung anfangs relativ gleichmäßig aufnehmen. Sobald allerdings wenige Fäden im Gewebe durchreißen und der Last nachgeben, werden auch die benachbarten Fäden schnell überlastet. Dies geschieht teilweise auch ruckartig. Es kommt dann auf relativ kurzer Reibstrecke zu einem großflächigen Bereich mit Fadenrissen. Das ursprünglich geschlossene Gewebe öffnet sich sehr schnell. Die Beständigkeit von Textilien gegen Abriebsbelastung ist auch abhängig von der Lastrichtung im Verhältnis zu der Ausrichtungen des Kett- bzw. Schussfadens. Deswegen haben Textilien im Allgemeinen ein weniger homogenes Abriebsverhalten als Leder.
    • Regenschutz: Je nach Qualität und Bearbeitung ist Leder mehr oder minder atmungsaktiv und nimmt Wasser auf. Leder kann mit wasserdichten und atmungsaktiven Membranen kombiniert werden (Z-Liner oder laminiert). Die Wasseraufnahme ist von der Hydrophobierung des Leders abhängig. Die meisten Textilgewebe sind sehr atmungsaktiv und nehmen je nach Imprägnierung mehr oder weniger Wasser auf. Die Wasserabdichtung der Innenseite erfolgt über besondere Membranen, die als Z-Liner zwischen Außengewebe und Innenfutter eingehängt oder auf der Innenseite des Außengewebes auflaminiert sind. Selbst wenn das Eindringen von Nässe unterbunden wird, führt die Verdunstung des Wassers auf und in dem Gewebe zur Ab- und ggf. Auskühlung. Für Leder und Textilien gilt, dass die Auflaminierung der atmungsaktiven, wasserdichten Membranen auf die Rückseite des Obermaterials geringere resultierende Atmungsaktivität des Verbundes zur Folge hat, als dies bei Verwendung von Z-Linern der Fall wäre.
    • Hitzestau:Leder wirkt von sich aus thermisch nicht ausgleichend. Es kann nur bedingt warm halten bzw. kühlend wirken. Der Temperaturbereich zwischen 15 und 25° C wird in Motorrad-Lederbekleidung allgemein als angenehm empfunden. Entscheidend ist eine besondere Behandlung des Leder, die besonders bei dunklen Lederfarben z.B. eine teilweise Reflexion des Sonnenlichtes ermöglicht (sogenanntes Cool Leather) oder auch die Atmungsaktivität erhält. Auf besondere Belüftungsöffnungen (mit Reiß- oder Klettverschluss zu bedienen) wird aus Rücksicht auf die Festigkeit des Gesamtverbundes vielfach verzichtet. Meist wird das Leder ersatzweise in den Bereichen perforiert, in denen eine Luftdurchlässigkeit gewünscht wird.
      Es ist bei Textilgeweben üblich geworden, diese mit den unterschiedlichsten Futterstoffen zu kombinieren, die warm halten können. Allgemein gilt, dass jedes zusätzliche Futter die Atmungsaktivität reduziert. Bei hohen Umgebungstemperaturen und Trockenheit ist es deswegen vorteilhaft, auch Funktionsmembranen herausnehmen zu können. Die kühlende Wirkung ergibt sich durch die im Vergleich zu Leder meist bessere Atmungsaktivität einfacher Textilgewebe. Darüber hinaus werden viele Textiljacken mit besonderen Belüftungsöffnungen versehen.
    • Komfort: Kleidungsstücke aus Leder sind allgemein schwerer als vergleichbare Textilkleidungen, obgleich deren Ausstattung meist aufwendiger ist. Das geringere Gewicht und der bessere Schutz vor Temperaturextremen vermitteln vielen Motorradfahrern bei Textilkleidung das Gefühl höheren Komforts.


  • Schutzpolster und Protektoren

    Den Namen Protektor für Motorrad-Schutzkleidung dürfen streng genommen nur Schutzpolster tragen, die nach EN 1621-1 und EN 1621-2 geprüft sind. Die EN 1621-1 regelt die Belange der Gelenk-Protektoren, die EN 1621-2 die der Rückenprotektoren. (Normbezeichnungen mit einem vorangestellten „pr“ deuten auf eine vorläufig Norm hin. Diese Protektoren wurden vor der endgültigen Ratifizierung der Norm geprüft, erfüllen aber ebenso die EN 1621-Normen). Beworben werden diese Protektoren als sogenannte CE-Protektoren.

    Wichtig!
    Nicht alle Protektoren, die als CE-Protektoren gelobt und beworben werden, haben für sich und in Kombination mit der jeweiligen Bekleidung das Schutzpotenzial, das als Stand der Technik bezeichnet werden könnte. Gleichzeitig gibt es hoch wirksame "Schutzpolster" in der dafür geeigneten Kleidung, die keine CE-Prüfkennzeichnung tragen. Der Käufer sollte deswegen die Ausstattung kritisch prüfen.

    Folgende Materialien können für Protektoren verwendet werden:

    • EPS-Protektoren: Ein harter Styropor-Kern in einem Verbund unterschiedlicher Gewebe
    • Hartschalen-Protektoren: harte Außenschale aus Polycarbonat oder Polypropylen auf der Innenseite ausgepolstert mit Schaummaterial
    • Polyethylen-Schaum: z.T. ergonomisch vorgeformter Protektor aus Schaum mit geschlossenen Zellen
    • Polyurethan-Schaum: ähnlich Polyethylen-Schaum, bessere Dämpfungseigenschaften
    • Bioelastan: relativ voluminöses, elastisches Material aus Polyurethan und Temperform, ergonomisch vorgeformt

    Für alle Protektoren gilt:

    • Stoßenergie wird nur abgebaut, wenn genügend "Volumen" bzw. genügend "Verzögerungsweg" vorhanden ist. Die Dicke und das elastische Verhalten des Protektormaterials entscheidet dabei vorrangig über die Restkraft auf der Innenseite des Protektors. Das beste Material hat wenig Nutzen bei zu schwacher Dimensionierung der Protektoren.
    • Je größer die Fläche ist, die ein Protektor abdeckt, um so besser ist die Sicherheit bei einem Unfall. Die möglichen Belastungen auf den Körper eines verunfallenden Motorradfahrers sind so vielfältig, dass alle Körperbereiche einen maximalen Schutz benötigen. Hier ist natürlich ein angemessener Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort anzustreben. Trotzdem können geschickt gestaltete Protektoren ein Mehr an Sicherheit bieten, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.
    • Ellbogen- bzw. Knieprotektoren sollten immer auch Elle bzw. Schienbein abdecken.
    • Bei engem Schnitt der Kleidung und stabilem Außenmaterial sollten die Protektoren an dem Außenmaterial befestigt sein. Bei weitem Schnitt sollten die Protektoren möglichst groß dimensioniert und möglichst dicht am Körperteil befestigt sein.



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