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Doppelte Schutzwirkung durch Außenschale und Innenmaterial

Kleine Materialkunde


Motorrad-Helme schützen doppelt. Die Außenschale verteilt, unabhängig vom Material (siehe unten), eine punktuelle Krafteinwirkung durch hohe elastische Verformungsenergie und soll Eindringung spitzer oder kantiger Gegenstände verhindern. Die eigentliche Dämpfung übernimmt das Innenmaterial zwischen Außenschale und Futter. Das wird in der Regel aus besonderen EPS-Hartschaummaterialen der Styropor-Familie hergestellt, die Aufprall-Energie absorbieren. Aber nur einmal, da ein Aufprall zu einer Komprimierung und damit bleibender Verformung führt. Deshalb müssen Helme nach Unfällen oder Stürzen ausgetauscht werden, selbst wenn sie äußerlich scheinbar unbeschädigt sind. Der ADAC rät dringend dazu, diese Herstellervorschrift zu befolgen.

Zur Helmschalen-Herstellung werden zwei Werkstoff-Gruppen genutzt: thermoplastische Kunststoffe und Duroplaste. Thermoplaste wie Acrylnitril-Butadien-Styrolt (ABS), Polycarbonat oder Polyamid sind unter Hitze leicht formbar. Sie eignen sich deshalb fürs Spritzguss-Verfahren, weil sich damit leicht große Helmmengen kostengünstig herstellen lassen. Duroplaste und Verbundwerkstoffe (z.B. Aramidfasern, Glasfaserverstärkter Kunststoff, Carbon, Dyneema) erfordern dagegen ein aufwändiges Laminat-Verfahren. Schalen dieser Materialien sind besonders hart und bruchfest, aber teurer.

Wie Langzeit-Materialtests beweisen, altern Duroplaste weniger schnell. Bei guter Pflege währt ihre Lebensdauer mindestens acht Jahre. Helme aus Thermoplasten, die keine zusätzliche Lackschicht besitzen, können bei starker Ultraviolett-Strahlung und durch andere Einflüsse (Lösungsmittel, Benzin) früher verspröden. Wegen nachlassender Schutzwirkung sollten solche Helme nach rund fünf Jahren gewechselt werden, betont der ADAC. Dieser Zeitraum ist allerdings bei starker Nutzung für Helme aller Bauarten besser, da auch das Dämmmaterial nachgibt und der Helm nicht mehr optimal sitzt.

Ganz wichtig: Motorradhelme sollten nicht beklebt oder lackiert werden. Im Klebstoff oder in der Farbe enthaltenes Lösungsmittel kann die Stabilität der Helmschale beeinträchtigen. Eine Ausnahme bilden die Aufkleber des Instituts für Zweiradsicherheit (IfZ), die Ersthelfer über das Öffnen des Helm oder des Verschlusssystems des Kinnriemens bei Notfällen informieren: Sie besitzen einen 
lösungsmittelfreien Spezial-Klebstoff.

Wer mit offenem Kinnriemen fährt, nimmt seinem Helm die Schutzwirkung, weil er vom Kopf fliegen kann. Klapphelme dürfen nur geschlossen genutzt werden, da der Fahrtwind sonst fatale Folgen hat. Ausgenommen sind Helme, deren Kinnteil komplett hinter den Helm geschoben werden kann. Aber nur dann, wenn sie eine zusätzliche Zertifizierung als Jet-Helm haben.

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