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Vorfahrt für E-Motorräder?


„Freiheit spüren – Leidenschaft erfahren – Abenteuer erleben“ – das Motto der Intermot 2014. Auf der vergangenen Messe waren die E-Motorräder bereits ein echter Hingucker. Zwei Jahre später sollen sie dieses Jahr besonders im Fokus stehen. 

  • 50 Jahre Motorradmesse Köln - Die Intermot 2014

    Es macht den Anschein, dass die E-Motorräder bald als fester Bestandteil der Motorradwelt gelten: Die Intermot nahm 2012 die „E-Bikes“ mit in ihren Titel und bezeichnet sich seitdem als „Internationale Motorrad-, Roller- und E-Bike-Messe“. Auch bei der diesjährigen Intermot, die vom 1. bis 5. Oktober stattfindet, kommt den batteriebetriebenen Bikes eine große Rolle zu. 2012 interessierten sich rund 100.000 Besucher für die erstmalig eingerichtete Schwerpunkthalle „e-Motion“, in der sich alles um das Thema Elektromobilität dreht. 
    Wie steht es um die aktuellen Elektrofahrzeuge? Und müssen sich die großen kraftstoffbetriebenen Brüder schon in Acht nehmen?

  • Die E-Bike-Modelle
    Wer sich mit der relativ jungen Erscheinung der E-Motorräder beschäftigt, entdeckt gewisse Parallelen zur Stromerzeugung mit Windrädern. Jeder findet sie irgendwie gut, doch so richtig haben will sie niemand. Die Entwicklung der „E-Bikes“ tritt auf der Stelle. Die großen Hersteller lassen es sich nicht nehmen, ein eigenes E-Modell auf den Markt zu bringen – dafür die herkömmlichen Produktionszweige etwas herunterzufahren, oder noch mehr Geld in den Bereich der E-Mobilität zu stecken, scheint jedoch keine wirkliche Option zu sein.

    Zero DS
    Der umweltbewusste Biker sieht sich mittlerweile einer doch sehr breiten Palette möglicher E-Motorräder gegenüber. Die amerikanische Motorradschmiede Zero ist gewissermaßen Vorreiter auf diesem Gebiet. Ihre Zero DS bringt es mit ihren 54 PS auf maximal 158 km/h. Je nach Größe der Batterie liegt die Reichweite zwischen 74 und 253 Kilometern, wobei das Vollladen zwischen 6 und 10 Stunden in Anspruch nimmt. Mit ihrem Preis zwischen 13.000 € und 17.500 € (je nach Ausstattung) liegt die 169-204 kg schwere „DS“ voll im Durchschnitt ähnlicher E-Motorräder.

    Brammo Empulse R
    Die Brammo Empulse R verfügt durch die Kombination ihres Elektromotors mit einem Sechsganggetriebe über ein durchaus ungewöhnliches Alleinstellungsmerkmal. Spiegel, Sitz wie auch die komplette Bedienung des Fahrzeugs entsprechen voll den gewohnten Standards von vergleichbaren benzinbetriebenen Maschinen. Nach maximal 206 km ist Schluss. In acht Stunden sind die Lithium-Ionen-Akkus wieder vollgeladen. Die 213 kg können immerhin auf einen Spitzenwert von 177 km/h getrieben werden. Brammo selbst sieht seine Empulse R als Spaßmobil, das derzeit jedoch durch den erst anlaufenden Vertrieb in Europa noch mit 15.300 € bis 17.500 € zu Buche schlägt. 

    BMW C Evolution
    Der Münchner Motorradhersteller BMW, der im vergangenen Jahr riesige Summen in den Bereich der Elektromobilität investiert hat, wartet mit dem Roller BMW C Evolution auf. Durch die intensive Forschung für den i3 wie auch den i8 können die Münchner beim C Evolution ein Stück weit auf die Technik ihrer E-Automobile zurückgreifen. Die Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h wie auch die maximale Reichweite von 125 km sind sehr überschaubar. BMW stellt jedoch klar, der C Evolution sei ein Fahrzeug für Berufspendler, wofür auch die geringe Ladezeit der Akkus (drei bis vier Stunden) spricht. Preislich liegt der 48 PS starke und 265 kg schwere BMW-Roller mit 15.000 € im unteren Durchschnitt.

    Harley-Davidson LiveWire
    Ein echter Paukenschlag ist den Bossen von Harley-Davidson mit ihrem Project LiveWire gelungen. Harley und Elektromobilität? Wie soll das zusammenpassen? Millionen an Investitionen – vier Jahre Forschung und ein eigens dafür eingerichtetes Team haben die LiveWire hervorgebracht. 209 kg, 75 PS, in 0 auf 100 in knapp vier Sekunden und eine Ladezeit von 3,5 Stunden stehen einem Topspeed von 148 km/h und einer geringen Reichweite von 85 km gegenüber.  Was sich Harley ihr E-Motorrad für den Fall der Markteinführung kosten lassen will, steht noch nicht fest.

    Lito Sora
    Die Sparte der Elektro-Motorräder hat neben Zero auch weitere kleine Unternehmen wie die kanadische Firma Lito Green Motion hervorgebracht, die sich auf die Produktion von E-Bikes spezialisiert hat. Die Lito Sora kommt mit ihren 78 PS je nach Fahrweise zwischen 100 und 200 km weit. Bis die Akkus dann allerdings wieder vollgeladen sind, braucht es neun Stunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h bei einem Gewicht von 260 kg ist in Ordnung. Mit 49.000 € zählt das kanadische E-Motorrad zu den teureren Modellen.

    Voxan Wattmann
    Zu den relativ konventionell gehaltenen Bikes gesellt sich mittlerweile auch eine beschauliche Gruppe von Exoten, die versuchen, die klassischen Motorrad-Attribute mit der Elektromobilität in Einklang zu bringen. Der französische Hersteller Voxan, der für ein paar Jahre von der Bildfläche verschwunden war, hat mit der Wattmann ein echtes Schwergewicht im Angebot. 200 PS beschleunigen die satten 350 kg auf immerhin 170 km/h Höchstgeschwindigkeit. Auch die Reichweite von etwa 180 km kann sich durchaus mit der Konkurrenz messen. Und trotz des hohen Gewichts schafft es die Wattmann innerhalb von 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Aber nicht nur das Gewicht, auch der Preis ist weit oben mit dabei: 45.000 € lassen sich die Franzosen ihr E-Bike kosten.

    Mission R
    Das Team von Mission Motorcycles behauptet von sich, die besten E-Motorräder der Welt zu bauen. Und die Zahlen der Mission R lassen wirklich aufhorchen. Mit bis zu 17 Kilowattstunden verfügt die Mission R über die stärkste Batterie. 163 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 225 km/h müssen sich vor keinem Benziner verstecken. Auch die Reichweite von 170-225 km ist gegenüber vielen Modellen der Konkurrenz beachtlich. Je nach Ausstattung kostet das Fahrzeug zwischen 24.000 € und 31.000 €.

    Energica Ego
    Der CRP Gruppe ist es nach eigener Aussage mit der Energica Ego gelungen, ein Motorrad zu konstruieren, das alle Vorstellungen übertrifft. Und tatsächlich: von 0 auf 100 in unter drei Sekunden, eine Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h und eine Ladezeit von 3,5 Stunden muss man der Energica Ego erst einmal nachmachen. Die 258 kg schwere Maschine verfügt dazu über einen Rückwärtsgang, der das Rangieren in geneigten Parklücken zum Kinderspiel werden lässt. Die 100kw Leistung entladen die Akkus des Italieners jedoch relativ schnell: nach 50 bis 120 km ist Schluss. Das Superbike, das 2015 auf den Markt kommen soll, wird zwischen 22.000 € und 30.000 € kosten.

  • Die Infrastruktur
    Der langfristige Erfolg der Elektrofahrzeuge hängt sowohl vom technischen Fortschritt wie auch einer entsprechenden Infrastruktur ab. Die EU hat sich ein optimistisches Ziel gesetzt. Bis 2020 sollen 450.000 Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge in den EU-Mitgliedsländern zur Verfügung stehen. Beim Aufstellen dieser E-Tankstellen schieben sich Fahrzeughersteller und Netzbetreiber jedoch gegenseitig den schwarzen Peter zu. Erstere berufen sich darauf, ihr Soll mit der Produktion der Fahrzeuge bereits zu erfüllen, die Netzbetreiber wollen kein Risiko eingehen ohne sicher sein zu können, dass ein gewisser Absatz an E-Fahrzeugen und somit Umsatz an ihren Ladestationen garantiert ist. 
    Aktuell gibt es in Deutschland schätzungsweise 1900 öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Im Internet gibt es mittlerweile Suchmaschinen, mithilfe derer der Fahrer die nächstgelegene E-Tankstelle ansteuern kann (e-tankstellen-finder.com oder elektrotankstellen-europa.com). Auf diesen Seiten ist für die jeweilige Tankstelle auch vermerkt, welche Fahrzeuge dort „betankt“ werden können. 
    Oftmals sind die E-Tankstellen aber noch nicht da, wo sie benötigt werden – nämlich in Parkhäusern, Parkplätzen oder vor dem Arbeitsplatz. Die Hersteller betonen, ihre Fahrzeuge könne man auch an einfachen Haushaltssteckdosen laden. Kritiker sehen durch die regelmäßige, mehrstündige Dauerbelastung jedoch ein Sicherheitsproblem, da „normale“ Steckdosen bei dieser Art der Nutzung schmelzen könnten. 

  • Fazit
    Studiert man die aktuellen Testberichte zu Elektro-Motorrädern, haben viele der Modelle einiges gemeinsam. Kein Kupplungshebel am Lenker - kein Ganghebel an der Fußraste. Bis auf den C Evolution von BMW haben die E-Bikes weitestgehend noch kein ABS, dafür jedoch zwei bis drei verschiedene Fahrmodi, die den Akku jeweils unterschiedlich stark belasten. Ein bei fast allen Modellen auftretendes Problem ist der Stauraum für das Ladekabel. Es gibt oftmals genau eine richtige Möglichkeit, das Kabel zu verstauen. Wer diese nicht kennt, ist eine Zeit lang beschäftigt. 
    Die Elektromobilität hat in der vergangenen Jahren bereits enorme Fortschritte gemacht. Die Hersteller sind sich jedoch einig, dass an vielen Stellen wie der Reichweite oder der Ladezeit noch Luft nach oben ist. In Zusammenarbeit mit der EU oder der jeweiligen Staatsregierung könnte die benötigte Infrastruktur verbessert und entsprechende Kaufanreize für E-Fahrzeuge geschaffen werden. Ob sich die strombetriebenen Maschinen auf weite Sicht etablieren können, oder weiter den Stempel als „Spaßmobile“ tragen, bleibt abzuwarten. 


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