Räume

Off-Space: Der ländliche Raum organisiert sich neu

Off-Space: Überwiegend ländlich geprägte Regionen
Auch in Zukunft werden Menschen in Kleinstädten und Dörfern leben. Zwar kann angesichts des Megatrends Urbanisierung die Stadt zu Recht als der Lebensraum der Zukunft bezeichnet werden. Doch auch in Deutschland werden 2040 nach Eurostat-Prognosen immer noch 11,4 Millionen Menschen in überwiegend ländlichen Regionen leben. Die Einwohnerzahl wird zwar bis dahin insgesamt um knapp 1,6 Millionen sinken, es wird aber keineswegs zu einer Entvölkerung des ländlichen Raums kommen. Relativ betrachtet bleibt der Anteil fast unverändert: Auch 2040 werden immerhin noch 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands auf dem Land leben (2017: 16 Prozent). Der ländliche Raum wird also keineswegs vollständig marginalisiert. Im Gegenteil: Angesichts der hohen Immobilien- und Mietpreise in den Städten, die für viele Bürger kaum mehr bezahlbar sind, steigt die Attraktivität des Umlands von Metropolen bis weit in die Regionen hinein. Weil hier auch in Zukunft mehr Menschen leben werden, als die aktuelle öffentliche Debatte es vermuten lässt, ist auch der ländliche Raum auf ein effektives Mobilitätssystem und eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen.

Dörfer können eine Renaissance als Wohn- und Lebensorte erfahren, sofern sie verkehrstechnisch gut an die Städte und urbanen Zentren angebunden sind.

Pendler sind immer öfter bereit, weitere Strecken zur Arbeit zurückzulegen. Hinzu kommt der hohe Freizeitwert, den der ländliche Raum für immer mehr Menschen hat. Gerade die Suche vieler Stadtbewohner nach Erholungs- und Aktivitätsräumen sorgt für eine anhaltend hohe Offsite-Mobilität innerhalb des ländlichen Raums.

Wie wir uns dort künftig fortbewegen, wird mehr denn je eine Frage der Infrastruktur sein: Neben modernen Verkehrswegen, innovativer Verkehrsplanung und -steuerung kommt es dabei auf innovative Verkehrsmittel, neue Antriebsformen von Fahrzeugen und smarte Mobilitätsdienste an.

Smart Grid, Smart Car, Smart Home

Zudem wird die digitale Vernetzung von Fahrzeugen ebenso wichtig wie die Vernetzung z.B. von Tankstellen mit dem Smart Grid für die dezentrale Stromversorgung von morgen, die ohne Elektromobilität nicht zu denken ist. Bei der Dezentralisierung der Netze, der Energieversorgung und des Energiemanagements wird es künftig darum gehen, ganz unterschiedliche Systeme zusammenzuschalten, also Mobilität mit Energieversorgung, Telekommunikation und intelligentem Gebäudemanagement. Bis 2040 wird es darum gehen, gerade auch im ländlichen Raum unterschiedliche, bisher getrennte Strukturen zu vernetzen, angefangen von Gebäuden und Haushalten mit intelligenten Geräten, über Energiesparhäuser bis hin zu E-Autos oder Windparks in der Region, die künftig die Rolle der „Kraftstofflieferanten“ übernehmen – ob in Form von Strom oder Wasserstoff als Energiespeicher. Die Funktionserweiterung der Automobilität – als Integration von Smart Grid, Smart Car und Smart Home – greift vor allem im Off-Space: Fahrzeuge werden durch die Verbindung von Elektromobilität und Digitalisierung zum Stromspeicher in der Infrastruktur eines nachhaltigen Energiesystems – gerade auf dem Land, wo die Öko-Energieparks den Treibstoff von morgen erzeugen.

Leben in kleinen Netzwerken

Der ländliche Raum organisiert sich neu.

Blockchain-Communities gründen sich autonom als hyperlokale Netzwerke im ländlichen Raum und ermöglichen gerade älteren Bevölkerungsgruppen und solchen mit vielfältigen Mobilitätsanforderungen wie Familien und Jugendlichen den Zugang zu Mobilität.

Ärzte und andere Dienstleister werden auch 2040 noch regelmäßig über die Dörfer fahren. Der ländliche Raum wird daher strukturell nicht abgehängt, sondern neu verbunden. Vor allem in dünn besiedelten Regionen stehen dezentrale Flotten autonomer Fahrzeuge zur Verfügung, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden – quasi als Mobilitätsgenossenschaften. Fahrzeuge bringen den Nutzer zum nächsten IÖV-Knotenpunkt, der als multimodaler Traffic Hub den Umstieg auf Busse und den Schienenverkehr organisiert und so die Anbindung an naheliegende Klein- und Mittelstädte ermöglicht.