Prinzipien

Sharing: Geteilte Mobilität

„Sharing“ ist das Leitmotiv einer neuen Generation von Konsumenten, die mit dem Tauschen und Teilen im Internet aufgewachsen sind. In Online-Netzwerken haben sie eine andere Logik des Gebens und Nehmens verinnerlicht: Sie konsumieren kollektiv und kollaborativ. Inzwischen verfahren aber längst nicht mehr nur junge Verbraucher nach dem Prinzip:

Sharing wird zur neuen Kulturtechnik einer vernetzten Gesellschaft – und zum Funktionsprinzip in der Mobilität. 

Immer mehr Menschen empfinden Eigentum nicht länger als Privileg, sondern eher als Bürde – auch und vor allem, wenn es ums Auto geht.

Sharing bedeutet eben nicht Verzicht. Es erweitert vielmehr die individuellen Möglichkeitsspielräume: Teilen, um mehr zu haben – von dem, was man sich sonst nicht leisten kann, oder von dem, was zur Belastung wird, wenn man es besitzt.

Carsharing über Online-Plattformen, ob von professionellen Anbietern oder nach dem Peer-to-Peer-Prinzip zwischen Privatpersonen, wird immer populärer, weil Menschen auf das Auto zwar nicht verzichten wollen, es aber nicht mehr besitzen müssen, um es zu nutzen.

Carsharing boomt, weil es wie kein anderes Konzept dem Wunsch entspricht, mobil und flexibel unterwegs zu sein, zugleich aber auch seine Mobilitätskosten zu senken und zum Schutz der Umwelt beizutragen. In Deutschland ist seit 2010 die Zahl der Carsharing-Nutzer um mehr als das Zehnfache auf über 1,7 Millionen gestiegen; die Anzahl der Sharing-Fahrzeuge hat sich im gleichen Zeitraum nahezu vervierfacht.

Wurde Carsharing lange als massenmarktuntaugliche Alternative für Öko-Fans belächelt, haben inzwischen nahezu alle Autohersteller die Chancen erkannt und entsprechende Geschäftsmodelle entwickelt. Auch Bahnunternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Weiterentwicklung ihres Carsharing-Angebots. Flotten werden vergrößert, immer mehr Städte erschlossen und Elektrofahrzeuge einbezogen.

Carsharing ist individuelle Mobilität nach dem Access-Prinzip – und sie wird künftig auch in ländlichen Gebieten funktionieren. Offen ist, wo die „Access-Points“ sein werden. Erste Automobilhersteller wollen Carsharing mithilfe von Autohäusern als Kooperationspartner in die Provinz bringen. Denkbar sind aber beispielsweise auch Tankstellen: Als Hubs in der Verkehrsinfrastruktur können sie in Zukunft die Kunden-Touchpoints für neue Mobilitätsservices sein.

Das Mobilitätsnetzwerk Flinc, das Sharing auch zum Funktionsprinzip bei Mitfahrgelegenheiten macht, schafft Corporate-Carsharing-Angebote für Firmenkunden – nicht mehr nur in Städten, sondern auch im Umland und in Regionen.

Höhere Flexibilität bei sinkenden Kosten

Menschen werden also auf den Besitz eines eigenen Autos immer öfter verzichten und eher auf Carsharing-Angebote zugreifen, die ihnen die flexible Nutzung eines Pkw ermöglichen, wann und wo sie ihn tatsächlich brauchen. Das verschafft ihnen eine höhere Flexibilität bei gleichzeitig sinkenden Mobilitätskosten bzw. steigender Kosteneffizienz.

Eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman kommt zu dem Ergebnis, dass durch Shared Mobility im Jahr 2040 die privaten Ausgaben für eigene Autos um 25 bis 30 Prozent gegenüber 2015 zurückgehen werden.

Je weiter sich diese Formen „geteilter Mobilität“ professionalisieren, desto weniger wird es notwendig sein, dass man immer dasselbe Auto vor der Tür hat. Der Vorteil der Autonutzung durch Carsharing liegt dabei nicht nur im kostengünstigen, zeitlich und räumlich flexiblen Zugriff auf ein Auto, wo und wann man es braucht. Für viele Menschen ebenso entscheidend ist die modulare, bedürfnisgerechte Optionenvielfalt, die sich durchs Carsharing eröffnet. Man muss sich nicht mehr auf ein bestimmtes Fahrzeugmodell festlegen, sondern findet für jeden Bedarf das passende Gefährt: Limousinen für Langstrecken, den Minivan für den Kurzurlaub mit der Familie, den E-Roadster für den Cabriospaß am Wochenende, Nutzfahrzeuge für Großeinkäufe oder geschäftliche Wege.

Neue Logik der Verkehrsmittelnutzung

Autos zu nutzen statt zu besitzen – das wird die Logik der Fortbewegung im 21. Jahrhundert bestimmen. Carsharing-Fahrzeuge werden zu „eigenen öffentlichen Verkehrsmitteln“. Als Public Private Vehicles ergänzen und stärken sie den öffentlichen Verkehr, entlasten die Umwelt wie auch kommunale Verkehrssysteme und ermöglichen eine individuell gestaltbare Mobilität. So wird das Verkehrsvolumen effizienter, schneller und mit weniger Fahrzeugen bewegt. Zusammen mit dem Ausbau des Radwegenetzes kann es so gelingen, die Zahl der Fahrzeuge in Städten bis zum Jahr 2040 um bis zu 30 Prozent zu senken. Denn insbesondere in urbanen Gebieten, die eine hohe Mobilitätsdichte durch öffentlichen Nahverkehr haben, braucht man das eigene Auto immer weniger.

Dieser Wandel erzeugt unterschiedliche Eigentums- und Nutzungsverhältnisse – und damit auch neue Herausforderungen auf den Märkten. Mit der Ausweitung und Professionalisierung solcher Sharing-Angebote steigt beispielsweise auch der Bedarf nach professioneller Absicherung. Insbesondere muss die Sicherheit von Fahrzeugen für das Peer-to-Peer-Carsharing gewährleistet werden.

Hersteller müssen sich zu Mobilitätsplattformen entwickeln, um ihre Produkte noch gewinnbringend vermarkten zu können. Denn was Airbnb für Unterkünfte bedeutet, ist Carsharing für die Automobilindustrie: Die Zahl der insgesamt benötigten Fahrzeuge wird enorm zurückgehen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein gemeinschaftlich genutztes Auto mindestens drei private Pkw ersetzt. Dieser Effekt wird künftig noch gesteigert, wenn autonom fahrende Carsharing-Autos sich eigenständig dorthin bewegen, wo sie benötigt werden.

Letztlich wird Sharing zum Funktionsprinzip nicht nur bei der individuellen, privaten Nutzung von Fahrzeugen, sondern auch im beruflichen Pendelverkehr in Form von Corporate Carsharing, bei Mitfahrgelegenheiten, Shared-Bike-Systeme in Städten bis hin zum Energie-Sharing beim Strom für Elektrofahrzeuge.