Motive und Bedürfnisse

Berufliche Anforderungen: Mobiles Arbeiten 2040

Gesellschaftliche Trends und disruptive Prozesse in der Wirtschaft sorgen für einen fundamentalen Wandel der Arbeitswelt. Der Übergang von der klassischen Industrie- hin zu einer Service- und Netzwerkökonomie ist geprägt von einer neuen Kultur des Arbeitens und zunehmend digitalen Wertschöpfung. Die Arbeitsorganisation findet im Jahr 2040 unter völlig neuen Bedingungen statt: Flexible, team- und projektorientierte Arbeitsformen sind der Normalfall. Kollektive Arbeitszeitregelungen werden zwar nicht vollständig verschwinden, sodass auch in Zukunft Arbeitswege an mehr oder weniger feste Tageszeiten gebunden sein werden. Doch mobiles, vernetztes Arbeiten wird integraler Bestandteil des Alltags sein – mit allen Konsequenzen für die Unternehmensorganisation und -kultur, die Businessmodelle und Produkte, die Kommunikation etc.

Unternehmen sind immer seltener geschlossene, hierarchische Systeme, sondern offene Netzwerke und Plattformen, die durch Kooperation und Kollaboration extrem agil, kunden- und bedarfsorientiert agieren und neue, vielfältige Business-Ökosysteme erschaffen. Solche Netzwerke erfordern höhere Selbstverantwortungs- und Autonomiegrade der Mitarbeiter. Dadurch steigt die Komplexität von Arbeitsumfeldern – mit weitreichenden Folgen.

In Deutschland gehört laut Erhebungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) für rund 14 Prozent und damit für Millionen Erwerbstätige eine sehr hohe berufliche Mobilität schon heute zum Alltag. Ihr Anteil wird in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Dass Pendler generell mehr Stress empfinden und gesundheitliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, ist in vielen Untersuchungen nachgewiesen worden. Zuletzt hat eine Studie des BiB die negativen Folgen innerhalb der Gruppe belegt: Wer mehr als eine Stunde für die Fahrt zur Arbeit braucht, hat deutlich mehr physische und psychische Nachteile als Personen, die aufgrund ihres Jobs an mindestens 60 Tagen auswärts übernachten (Rüger/Schulze 2016).

Flexibel, unabhängig von Ort und Zeit arbeiten zu können wird immer wichtiger.

Der Wunsch, komfortabel zu reisen und zugleich produktiv sein zu können, steigt und damit die Nachfrage nach einer Infrastruktur fürs mobile Arbeiten, die Wegzeiten zu wirklicher Arbeitszeit werden lässt.

Wenn es darum geht, Reisezeiten effektiv fürs Arbeiten nutzen zu können, sind digitale Vernetzung, ruhige Arbeits- und Meeting-Möglichkeiten aber erst der Anfang. Künftig wird es darum gehen, kluge, ganzheitliche Konzepte für mobiles Arbeiten zu entwickeln. Arbeitgeber wie auch Mobilitätsdienstleister müssen produktive, kreative und sichere Arbeitsumfelder schaffen – mit allem, was dazugehört, um gute Leistungen auch unterwegs zu erreichen. Verkehrsmittel, aber auch Bahnhöfe, Flughäfen, Hotels, Co-working Spaces werden zum festen Bestandteil unserer Arbeits- und Lebenswelt. Sie bilden die „Hardware“ des Mobile Office in der Netzwerkökonomie von morgen. Smart-Travel bedeutet dann nicht nur zuverlässig, sicher und bequem zu reisen, sondern zugleich sinnvoll arbeiten zu können – und nicht zuletzt sich gesund fortzubewegen.

Die steigende Digitalisierung und Virtualisierung von Geschäftsprozessen verstärkt den Trend. Doch entgegen dem Drohbild einer von künstlicher Intelligenz bestimmten Arbeitswelt werden Computer, Software und Algorithmen menschliche Mitarbeiter nicht überflüssig machen. Weil Wissen, Talent und Kreativität die zentralen Erfolgsfaktoren sind, kommt es künftig auf ein kluges Zusammenspiel von Menschen und Maschinen an.

Die Arbeitswelt von morgen wird aber nicht durch eine 360-Grad-Virtualisierung geprägt sein. Der Mensch wird in der Wertschöpfung auch 2040 noch eine wichtige Rolle spielen. Auch in der digitalen Ökonomie werden soziale Prozesse und menschliche Fähigkeiten enorme Bedeutung haben, die auf persönlichem Austausch, auf Teamstrukturen und interdisziplinärer Zusammenarbeit basieren. Das führt in einer zunehmend dezentral organisierten Arbeitswelt auch zu einem hohen berufsbedingten, aber individuelleren Pendlerverkehr und einem weiterhin steigenden Bedarf an Business-Mobilität.