Einleitung

Aufbruch in ein neues, multimobiles Zeitalter

Die Art und Weise der Lebensführung wird individueller. Deshalb prägt kaum etwas unser Leben so sehr wie die Mobilität. Sie ist unentbehrlich. Mobil sein ist die Voraussetzung für soziale Teilhabe und gesellschaftlichen Fortschritt, für wirtschaftliches Wachstum, Selbstverwirklichung und individuellen Erfolg. Mobilität entscheidet darüber, ob Menschen ihre beruflichen und privaten Ziele erreichen, ihre Wünsche und Anforderungen miteinander vereinbaren, ihre Lebensqualität steigern können. Das heißt, Menschen wollen, sie müssen aber auch mobil sein.

Individualisierung als wichtigster Treiber

Einer der größten Treiber von Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft ist der Megatrend Individualisierung. Er bestimmt insbesondere wie kaum eine andere Entwicklung den Wandel der Mobilität und die Nachfrage nach neuen Mobilitätsangeboten. Das Streben nach Individualität führt zu einer Ausdifferenzierung von Weltanschauungen, einer Vielfalt an Lebensentwürfen, Biografien und Konsumgewohnheiten. Jeder kann heute sein Leben viel stärker nach persönlichen Wünschen und eigenen Vorstellungen gestalten. Das erzeugt eine Freiheit der Wahl, einen zunehmenden, vor allem aber einen veränderten Mobilitätsbedarf. Denn zugleich steigt dadurch auch die Komplexität in den Lebensbedingungen der Menschen: Allgemeine Flexibilitätsanforderungen nehmen ebenso zu wie der Wunsch nach Unabhängigkeit. Alltägliche Versorgungswege und die Familienkoordination bleiben genauso bedeutsam wie die Pflege vielfältiger sozialer Kontakte. Nicht zuletzt sorgen der Wandel der Arbeitswelt, zunehmende Freizeitaktivitäten, Reisen und Tourismus für steigende Mobilitätsansprüche.

Erst das Zusammenspiel der Megatrends Individualisierung und Mobilität sorgt für die Realisierung neuer Chancen, eine größere Optionenvielfalt, die Möglichkeit, Neues zu entdecken und zu erfahren. Weil Mobilität Beweglichkeit bedeutet, Veränderungs- und Wandlungsfähigkeit garantiert. Die individuelle Mobilität entspringt dem Wunsch, selbst zu entscheiden, wann, wie und wohin man sich bewegt. Das hat dafür gesorgt, dass Mobilität weltweit zum Ausdruck von Freiheit, Unabhängigkeit, Individualität und Selbstbestimmung geworden ist. Das wird auch im Jahr 2040 noch so sein.

Steigender Bedarf, neuer Mix

Mobilität sorgt für einen gelingenden Alltag ebenso wie für die Errungenschaften des globalen Marktes. Sie ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern eine zentrale Anforderung moderner Gesellschaften. Das Ergebnis: Die Welt im 21. Jahrhundert ist nicht nur durch einen weiter wachsenden Mobilitätsbedarf gekennzeichnet, sondern vor allem durch eine zunehmende Vielfalt an Mobilitätsformen.

Das macht diesen Bereich zu einem der größten Wachstumsmärkte. 

Alles in allem investieren private Haushalte in der EU jährlich über eine Billion Euro in ihre Mobilität, in Deutschland sind es pro Kopf rund 2.600 Euro im Jahr, jeder siebte Euro fließt hier in Leistungen, die das Unterwegssein ermöglichen (European Commission 2016).

Knapp 1,2 Billionen Personenkilometer legen die Deutschen Jahr für Jahr zurück – per Pkw, Bus und Bahn, mit Flugzeugen oder Schiffen. Insgesamt verzeichnet der Personenverkehr in der Bundesrepublik seit dem Jahr 2000 einen Anstieg um über 11 Prozent. Nach Prognosen der Europäischen Kommission wird der Mobilitätsbedarf hierzulande in den nächsten Jahrzehnten weiterhin kontinuierlich ansteigen, bis 2040 auf mehr als 1,3 Billionen Personenkilometer. Gut drei Viertel davon werden auch in Zukunft auf das Auto zurückgehen. Damit bleibt das Auto auf absehbare Zeit das Verkehrsmittel Nummer eins. Zu sehr ist das Mobilitätsverhalten auch in Zukunft mit dem Bedürfnis nach individueller Fortbewegung verknüpft. Und individuelle Mobilität ist für die Menschen eine so elementare Wohlstandserfahrung, dass sie darauf nicht verzichten wollen. Auch im Jahr 2040 wird daher das Auto noch der Garant für räumliche und zeitliche Flexibilität sein.

Smart Mobility: Der langsame Abschied vom Auto, wie wir es kannten

Dass das Auto dennoch seine alles dominierende Stellung verliert, die es bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts hatte, hängt mit seiner veränderten Funktionalität zusammen. Mitnichten bleibt daher alles wie gehabt. Denn was die Statistik nicht verrät: Der Konsum von Mobilität, wie wir ihn jahrzehntelang praktiziert haben, erlebt gegenwärtig eine historische Zäsur. Was vor uns liegt, ist der Beginn eines neuen, multimobilen Zeitalters.

Wir stehen vor ähnlichen Umwälzungen wie nach der Erfindung des Autos vor 125 Jahren. Hinter der vordergründigen Kontinuität verbirgt sich ein evolutionärer Wandel des Systems der Mobilität, der nicht unterschätzt werden darf.

Das eigene Auto, das lange Zeit vor allem für die Deutschen ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit war, ein Ausdruck der Persönlichkeit und des sozialen Status, verliert seine einstigen Vorteile gegenüber anderen Verkehrsmitteln, insbesondere seine eigentliche Funktion: Angenehm und schnell von A nach B zu kommen gelingt mit ihm angesichts überfüllter Straßen und staugeplagter Städte nicht mehr überall.

Das Auto wird es vielerorts daher schwer haben und sich im Jahr 2040 nur noch dann behaupten können, wenn es mit ihm gelingt, individuelle Fortbewegung und öffentlichen Verkehr zu verknüpfen: Nur wenn es sich also in den Mobilitätsmix von morgen klug und reibungsfrei einfügt und künftig zu einer wirklich bedarfsgerechten Mobilität beiträgt. Der Pkw bleibt ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Aber im Selbstverständnis der Menschen wird er eben nicht mehr zwingend die erste Wahl sein, sondern als Teil neuer, integrierter Mobilitäts- und Verkehrssysteme eine – weitgehend gleichberechtigte – Option unter anderen.

Die Krise des Automobils ist zugleich seine große Chance: Autos werden 2040 in allererster Linie Mittel zum Zweck sein – allerdings nicht nur der Fortbewegung, sondern zum Beispiel auch als elementarer Bestandteil eines intelligenten, nachhaltigen Energiemanagements. Aus Status-Mobilität wird Smart Mobility.