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Recht & Tipps

Was ist erlaubt?

Bedauerlicherweise sind Herstellung und Verkauf der Manipulations-Geräte aufgrund eines Urteils des Bundes-Verfassungsgerichtes erlaubt. Doch eine Tacho-Manipulation an sich ist auf Initiative des ADAC seit 17. August 2005 gesetzlich verboten und wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet. Das Straßenverkehrsgesetz wurde hierzu durch den Paragraphen 22 b ergänzt: 


„Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 

1. die Messung eines Wegstreckenzählers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, dadurch verfälscht, dass er durch Einwirkung auf das Gerät oder den Messvorgang das Ergebnis der Messung beeinflusst, 

2. die bestimmungsgemäße Funktion eines Geschwindigkeitsbegrenzers, mit dem ein Kraftfahrzeug ausgerüstet ist, durch Einwirkung auf diese Einrichtung aufhebt oder beeinträchtigt oder 

3. eine Straftat nach Nummer 1 oder 2 vorbereitet, indem er Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt oder sich oder einem anderen verschafft, feilhält oder einem anderen überlässt.“ 


Auch direkte Werbung für Tacho-Manipulationen in Zeitungen und im Internet ist verboten, da das Gesetz bereits das Angebot einer rechtswidrigen Dienstleistung untersagt. Dieses Verbot wird jedoch vielfach unterlaufen, so dass solche Anzeigen und Internet-Seiten in der Praxis weiterhin stark verbreitet sind (meist unter den Stichworten „Tacho-Justierung“ oder „Tacho-Anpassung“).

Wie entlarvt man manipulierte Tachostände?

Eine Manipulation des Kilometerstandes lässt sich auf technischem Wege allermeist nicht aufdecken. Daher sollten Interessenten für Gebrauchtwagen möglichst genau recherchieren, ob sich aufgrund von Dokumenten Unstimmigkeiten ergeben: 

  • Überprüfen Sie Reparatur-Rechnungen, AU- und TÜV-Berichte, Tankbelege (bei Verwendung einer Tankkarte steht dort der Kilometerstand), Eintragungen im Inspektionsheft und Ölwechsel-Aufkleber bzw. -Anhänger auf Plausibilität. Wenn dort steht, der nächste Ölwechsel sei bei 180.000 Kilometern fällig, das Auto hat aber erst 100.000 Kilometer auf der Uhr, dann stimmt etwas nicht. Denn üblicherweise wird ein Ölwechsel spätestens alle 30.000 Kilometer (in seltenen Fällen bis zu 40.000 Kilometer) fällig. 
  • Nehmen Sie Kontakt mit den Vorbesitzern auf, die in Zulassungsbescheinigung Teil II (bzw. im Fahrzeugbrief bei Fahrzeugen, die vor dem 1. Oktober 2005 zugelassen oder letztmals umgemeldet wurden) eingetragen sind. Fragen Sie diese nach den im ersten Punkt genannten Unterlagen. Klären Sie, mit welchem Kilometerstand das Fahrzeug jeweils verkauft wurde. 
  • Verlassen Sie sich nicht auf Verkäuferangaben wie „Kilometerstand laut Tacho“ oder „Kilometerstand abgelesen“. Sie sind weitgehend unverbindlich. Bestehen Sie auf der schriftlichen Angabe der „tatsächlichen Laufleistung“ im Kaufvertrag, den Sie am besten gemäß ADAC Muster abschließen.
Gebrauchtwagen-Check

Lassen Sie einen Gebrauchtwagen-Check in einem ADAC Prüfzentrum oder bei einem ADAC Vertragssachverständigen durchführen. 

Prüfdienste in Ihrer Nähe finden Sie hier:

Achten Sie bei einem Gebrauchtwagen nicht nur auf den Kilometerstand, sondern auch auf den Pflegezustand und die Betriebsbedingungen bei den Vorbesitzern. Ein Fahrzeug mit wenigen Kilometern, die auf Verschleiß fördernden Kurzstrecken-Fahrten absolviert wurden, kann mehr strapaziert sein als ein Fahrzeug mit vielen Kilometern, die vor allem schonend auf Langstrecken gefahren wurden. 
Lassen Sie in der Werkstatt Fehler- und Wartungsintervall-Speicher auslesen. Vergleichen Sie die bei Fehlereinträgen teilweise mitprotokollierten Kilometerstände mit dem im Tacho angezeigten. 
Lassen Sie im Verdachtsfall das Produktionsdatum von Tacho und Steuergeräten in der Werkstatt ermitteln: Es könnte sein, dass diese bei der Manipulation beschädigt und danach ersetzt worden sind. Ein Tacho oder ein Steuergerät mit Herstellungsjahr 2005 (meist ins Gehäuse eingeprägt oder per Aufkleber hinterlegt) passt nicht zu einem 2003 hergestellten Fahrzeug - es sei denn, der Vorbesitzer kann einen Tausch wegen Defekt belegen.
Interview mit Markus Sippl, Leiter ADAC Fahrzeugtechnik

Wer manipuliert Ihrer Ansicht nach Tachos? Machen dies nur organisierte „Banden“ oder auch „seriöse“ Kfz-Händler/- Betriebe und u. U. auch Privatpersonen?

 

Tacho-Betrug geht schnell und einfach, ist kaum aufzudecken. Das kann prinzipiell jeden in Versuchung führen, der mit dem Verkauf eines gebrauchten Autos zu tun hat – ob Halter oder Händler. 


Welche Fahrzeugtypen werden um welche Kilometerstände manipuliert? 


Bei teureren Fahrzeugen ist die Wertsteigerung größer. Doch auch bei „Brot-und-Butter“-Autos liegt der Mehrerlös in jedem Fall um ein Zigfaches höher als der fürs Manipulieren bezahlte Preis (je nach Auto 50 bis 500 Euro). Die Polizei hat einen BMW mit echten 700.000 Kilometern gefunden, der mit 150.000 Kilometern verkauft wurde. 


Wie leicht ist Tacho-Manipulation heute? 


Bei den allermeisten Autos genügt es, das Manipulationsgerät an die Diagnose-Buchse anzuschließen und dann dem Menü auf dem Touchscreen zu folgen. In 30 Sekunden ist oft schon alles erledigt. Wenn der Kilometerstand auch in anderen Steuergeräten abgelegt ist, wird er dort allermeist ebenso manipuliert. 

 

Gibt es analog zum Diebstahlschutz im Fall der Tacho-Manipulation Fahrzeughersteller, die ihre Systeme besser bzw. weniger gut schützen? Welche sind das?


Manche Hersteller treiben einen höheren Aufwand als andere. Doch jedes Auto taucht über kurz oder lang in den offen zugänglichen Preislisten der Tacho-Trickser auf und ist dann manipulierbar. Die wollen damit ja ihren Reibach machen! 


Erleichtert moderne Fahrzeugelektronik eine Manipulation eher oder erschwert sie diese (Stichwort Diagnose-Schnittstelle)? 


Diagnose-Buchse und CAN-Bus sorgen für eine Verbindung zu allen Steuergeräten und damit zu allen denkbaren Speicherorten für den Kilometerstand. Es gibt aber sehr wohl Technologien, um unerlaubte Zugriffe zu verhindern. Sie müssen nur eingebaut werden. 


Was tut der ADAC gegen Tacho-Betrug? 


Der ADAC lädt Auto-Hersteller, Zulieferer, Chip-Hersteller und Experten seit Jahren zu Fachgesprächen ein und konfrontiert sie mit der für die Verbraucher völlig inakzeptablen Situation. Verbesserungen wurden zwar immer wieder zugesichert, bisher konnten wir jedoch keine signifikante Veränderung fest stellen. Deshalb haben wir jetzt die „ADAC Initiative gegen Tacho-Betrug" gegründet mit dem Ziel, Tacho-Manipulation so zu erschweren, dass sie sich nicht mehr lohnt. Außerdem betreiben wir intensive Medienarbeit, um die Verbraucher zu informieren – und sensibilisieren den Gesetzgeber auf nationaler und auf EU-Ebene für dieses Thema.


Welche Forderungen stellen Sie an Fahrzeughersteller bezüglich der Sicherheit von Fahrzeugsystemen, um Tacho-Manipulation zu verhindern? 


Es muss aktuelle Technologie eingesetzt werden, die sich in anderen Branchen (z. B. Pay-TV, Kreditkarten) längst bewährt hat, um den Verbraucher vor großem Schaden zu bewahren. Denn neben dem überhöhten Gebrauchtwagenpreis kann es ihn ein zweites Mal treffen – wenn etwa wegen dem gefälschten Kilometerstand ein Zahnriemenwechsel nicht rechtzeitig gemacht wird und es zu einem tausende Euro teuren Motorschaden kommt. 


Ist Ihnen bekannt, welche Kosten Fahrzeugherstellern pro Fahrzeug entstehen würden, um Ihre Produkte signifikant manipulationsicherer zu machen? 


Das kostet laut Experten – selbst auf Seiten der Fahrzeughersteller – wenige Euro pro Auto. Bei drei Millionen Neuzulassungen pro Jahr bedeutet das einen Mehraufwand von etwa einem Tausendstel des Schadens, der damit vermieden werden könnte. Ein besseres Verhältnis von Aufwand zu Nutzen ist schwer vorstellbar. Doch bisher sehen die Fahrzeughersteller wenig Veranlassung, denn der Schaden trifft ja nicht sie, sondern „nur“ die Gebrauchtwagenkäufer. 


Gibt es Methoden/Werkzeuge, die eine Tacho-Manipulation aufdecken können? 


Derzeit hat der Verbraucher keine Möglichkeit, einen Tacho-Betrug zuverlässig zu entlarven. In ein-zelnen Fällen kann eine Unplausibilität des Kilometerstandes bei einer Abfrage der Historie in der Fachwerkstatt aufgedeckt werden. Wenn ein Auto jedoch kurz vor dem Kundendienst manipuliert wird, dann steht die falsche Laufleistung sogar in der Historie des Herstellers.


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