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Durchblick im Tarifdschungel

Für Autofahrer beginnt jetzt wieder eine ganz spezielle Zeit – die Wechselsaison. Viele stellen alljährlich im Herbst ihre Kfz-Versicherung auf den Prüfstand und suchen nach einer besseren Alternative. Im Gegenzug starten Versicherer große Werbekampagnen, um möglichst viele neue Kunden zu gewinnen. 

Der deutsche Markt für Kfz-Versicherungen ist der mit Abstand größte in Europa und entsprechend heiß umkämpft. Mehr als 100 Assekuranzen bearbeiten ihn und bieten Tausende Tarifvarianten. Überblick? Selbst für Fachleute kaum zu behalten. Tendenziell sollten Sie sich auf Preiserhöhungen einstellen. Beobachter gehen davon aus, dass der Preiskampf der vergangenen Jahre vorbei ist. Und auch die Zeiten, in denen Frauen günstiger wegkamen, sind Vergangenheit: Die Gesellschaften sind nun gesetzlich verpflichtet, Unisex-Tarife anzubieten. 

Billiger wird es allenfalls für jene, die schon 25 Jahre oder länger unfallfrei unterwegs sind. Hier gewähren viele Versicherer zusätzliche Rabatte. Auch Fahranfänger müssen nicht mehr knietief in die Tasche greifen. Doch der Preis allein macht noch keine gute Police. Die Erfahrung zeigt, dass gerade besonders billige Verträge ganz schön teuer kommen können, weil manche Versicherer in ihren Lockangeboten Leistungen gekürzt oder ganz gestrichen haben. 

Im Straßenverkehr gilt es, stets den Überblick zu behalten. Chancenlos sind Autofahrer jedoch, wenn es darum geht, den Tarifdschungel für Kfz-Versicherungen zu überblicken. Drei bis vier Millionen wechseln am Ende des Jahres ihren Versicherer. Da die Verträge in der Regel für ein Jahr geschlossen werden und ein Monat Kündigungsfrist gilt, ist der 30. November der Stichtag, auf den es für den Wechsel ankommt. Wenn die Kfz-Versicherung den Beitrag erhöht oder sich die Typ- und/oder Regionalklasse erhöht, hat man ein außerordentliches Kündigungsrecht: Dann ist die Kündigung des Vertrags innerhalb eines Monats nach Erhalt der Mitteilung über die Beitragserhöhung möglich.

Aber wie findet man eine gute Kfz-Versicherung? Viele greifen zum Tarifrechner im Internet. Wie immer im Leben gilt: Geld allein ist nicht alles. Der Preis ist nur ein Kriterium. Wichtig sind vor allem die Leistungen im Fall der Fälle. Und da muss jeder selbst vergleichen.

  • Die Deckungssumme sollte mindestens 50, besser noch 100 Millionen Euro abdecken. Die gesetzlich vorgeschriebene Summe ist in keinem Fall ausreichend.
  • Die Neupreis- oder Kaufpreisentschädigung in der Kaskoversicherung sollte bei Totalschaden bis zu 24 Monate und bei Diebstahl mindestens sechs Monate betragen.
  • Bei Wildschäden sind in der Teilkasko oft nur Schäden durch Haarwild wie Reh oder Wildschwein versichert. Bei einigen Anbietern sind aber auch Marderbisse oder Kollisionen mit Tieren aller Art abgedeckt.
  • Autofahrer sollten prüfen, wie weit sie nach einem Schadenfall zurückgestuft werden – sehr günstige Policen haben oft schlechte Rückstufungen.
  • Bei der Verursachung von Schäden in der Kaskoversicherung sollte auch bei grober Fahrlässigkeit eine vollständige Leistungsübernahme vertraglich vereinbart sein. Ausgenommen sind hierbei meist grob fahrlässig herbeigeführter Diebstahl (z.B. Schlüssel im Auto stecken lassen) sowie das Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.
  • Werkstattbindung sollte bei Neu- und Leasingfahrzeugen nicht akzeptiert werden. Denn für Kulanzleistungen verlangt der Hersteller oft den Besuch einer Vertragswerkstatt. Bei Leasingfahrzeugen kann der Besuch der vom Hersteller zugelassenen Werkstatt vorgeschrieben sein.
  • Die meisten Versicherer haben die bisherige Schadenfreiheitsstaffel von 25 auf 35 Jahre erweitert. Neue Rückstufungen sind die Folge. Ein Rabattretter fällt weg. Gegen Mehrbeitrag empfiehlt sich deshalb ein Rabattschutz. Er sorgt dafür, nach einem Schaden nicht in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft zu werden.
  • Ein erweiterter Haftpflichtversicherungsschutz bei Unfällen mit Mietwagen im Ausland sollte enthalten sein (Mallorca-Police).



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