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Zu riskant: Überholen auf Landstraßen

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Momentaufnahme eines Überholvorgangs: Nur 38 Meter liegen zwischen sicherem Einscheren und Zusammenprall (Auf das Bild klicken, um es zu vergrößern).


Mit einer Drohne filmten Wissenschaftler 1200 Überholvorgänge. Und fanden heraus, wie weit Autofahrer vorausschauen müssen, um gut aneinander vorbeizukommen. 


13.000 Mal im Jahr kracht es beim Überholen, wegen der hohen Geschwindigkeiten oft besonders schwerwiegend. Wie lassen sich diese Unfälle verhindern? Am Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden präsentiert Dr. Frank Steinert den Horus, eine 20.000 Euro teure Drohne. Steinert ließ sie in 250 Metern Höhe über Landstraßen in ganz Deutschland schweben, zeichnete mit einer Hochleistungskamera mehr als 1200 Überholvorgänge auf. 


Anschließend liefen die Aufnahmen durch ein eigens entwickeltes Computerprogramm. Für jedes Auto auf jedem Bild wurden Geschwindigkeit und Beschleunigung beim Überholen errechnet und die insgesamt benötigte Distanz gemessen. Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) werteten Prof. Christian Lippold und die Ingenieurin Anne Vetters die Ergebnisse aus.


Sichtweite müsste 1200 Meter sein 


Mit ihrer Hilfe entwickelten sie ein Rechenmodell, mit dem sich die fürs sichere Überholen nötige Sichtweite auf zweistreifigen Landstraßen bestimmen lässt. Die Kernaussage: Autofahrer brauchen freie Sicht – und vor allem freie Bahn – auf rund 600 Metern. Das Problem: Nur wenige Menschen können diese Distanz richtig einzuschätzen. Ein Rechenbeispiel zeigt, dass bei Tempo 100 Überholen schwierig ist. 


Hat der Vorausfahrende Tempo 60–70 km/h drauf, dauert das Manöver zwischen 5,4 Sekunden/150 Meter und 9,4 Sekunden/240 Meter. Fährt er 80 km/h, sind es schon 10,8 Sekunden und 300 Meter. Und bei 90 km/h ist Überholen völlig ausgeschlossen – man braucht dann ganze 600 Meter, um mit Tempo 100 am Vordermann vorbeizuziehen. Die Sichtweite müsste also 1200 Meter betragen. 


Generelles Überholverbot?


Prof. Christian Lippold: "Überholen ist eine komplexe Aufgabe, die nirgends gelehrt wird. Deshalb brauchen Autofahrer zumindest die klare Information: Hier können Sie weit genug sehen, und wenn frei ist, kommen Sie sicher vorbei." Die einfachste Antwort wäre ein generelles Überholverbot auf allen zweistreifigen Straßen und neue Schilder, die das Überholen dort erlauben, wo der Blick weit genug reicht.


Durchsetzen ließe sich eine solch drastische Veränderung aber kaum. Schon wegen der vielen dann nötigen Ausnahmen –Traktoren oder Mopeds müssten ausgenommen werden. Teuer, aber zumindest langfristig realistischer: ein zusätzlicher dritter Fahrstreifen auf viel befahrenen Strecken, der alle paar Kilometer sicheres Überholen ermöglicht. So würde der Autofahrer vom dem nervösen Warten auf eine Möglichkeit zum Vorbeiziehen erlöst. 


Zeitersparnis: 1,5 Minuten


Prof. Christian Lippold sagt: "Wegen des hohen Verkehrsaufkommens und den kurzen Abständen zwischen den Fahrzeugen ist Überholen nicht mehr zeitgemäß." Und es lohnt sich nicht. Das zeigte eine Untersuchung des ADAC, für die Testfahrer auf Landstraßen unterwegs waren. Dabei überholte die eine Gruppe bei jeder sich bietenden Gelegenheit, die andere gar nicht. Durchschnittlicher Vorsprung der Dauer-Überholer nach 20 Kilometern: 1,5 Minuten.


Auf ein weiteres Ergebnis aus den Drohnenflügen weist Lucas Günther vom Fraunhofer-Institut hin: Die Überholenden fahren oft schneller als erlaubt. Das verkürzt ihren Überholweg, kann aber zu schwersten Unfällen führen, weil der Fahrer die Kontrolle über sein Auto verliert. Ganz abgesehen davon, dass die Verkehrsregeln für jeden gelten.


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