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Fernbusbahnhöfe wenig kundenfreundlich

25.01.2017

Fernbusbahnhof Hamburg

Am Fernbusbahnhof in Hamburg sind die Bussteige vorbildlich überdacht.

Der erste ADAC Test von Fernbusbahnhöfen zeigt: Nur wenige sind kundenfreundlich. Die Schwachstellen liegen vor allem bei Informationsangebot und Komfort. Die Infrastruktur der Bahnhöfe ist für den boomenden Linienverkehr derzeit noch nicht ausgerichtet.


Deutschlands Fernbusbahnhöfe können mit dem boomenden Linienverkehr nicht Schritt halten. Zu diesem Ergebnis kommt der erste ADAC Test von insgesamt zehn stark genutzten deutschen Fernbusbahnhöfen. Lediglich vier von ihnen schnitten mit der Note "gut" ab, darunter der Testsieger "Stuttgart Airport Busterminal" (SAB). Einmal vergaben unsere Tester die Note "mangelhaft", zweimal wurde sogar mit "sehr mangelhaft" bewertet. 

 

"Der Fernbusmarkt hat sich in den letzten Jahren schneller entwickelt als die zugehörige Infrastruktur. Das heißt, den idealen Busbahnhof gibt es bislang noch nicht. Die Angebote der Städte bilden derzeit nicht die Mobilitätsbedürfnisse und Wünsche der Fahrgäste ab. Hier sollte dringend nachgebessert werden", sagt ADAC Geschäftsführer Alexander Möller.

 

Getestet haben wir im Zeitraum Juni und Juli 2016 den "Zentralen Omnibusbahnhof" (ZOB) von Bremen, Dortmund, Göttingen, Hannover, München, Rostock, den Bus-Port ZOB Hamburg, den Busbahnhof Mannheim, Stuttgart (SAB) und Berlin (Südkreuz). Der ZOB Berlin befand sich zum Testzeitpunkt im Umbau und wurde deshalb nicht in das Testprogramm aufgenommen. Wir prüften 60 unterschiedliche Merkmale und Kriterien der Kategorien Ausstattung, Zugänglichkeit, Sicherheit, Information und Komfort.


Ranking Fernbusbahnhof-TestKlicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern


Testsieger ist Stuttgart


Höhere Qualitätsstandards finden sich eher in Städten, in denen Fernbusbahnhöfe erst neu geschaffen wurden, und die gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Ein flächendeckender Standard fehlt bislang. Oftmals müssen Fernbusreisende immer noch mit Haltestellen am Fahrbahnrand oder ganz ohne geeignete Infrastruktur zurechtkommen.

  

Gewonnen hat den Test der SAB (Stuttgart) mit der Note "gut". Er ist komplett überdacht, informiert mit mehrsprachigen elektronischen Anzeigen, Durchsagen und einer eigenen Website. Zudem verfügt der SAB über einen zentralen Ticket- und Infoschalter, Einkaufsmöglichkeiten, Wasch-, Dusch- und Babywickelplätze, ein durchgehendes Leitsystem für Sehbehinderte und genügend Parkmöglichkeiten. Die Tester kritisierten allerdings den Standort am Flughafen, außerhalb des Stadtzentrums und damit fernab von den Hauptzielpunkten der Fernbusse.


Den letzten Platz belegte der ZOB in Göttingen mit der Wertung "sehr mangelhaft". Kaum besser schnitt der Fernbusbahnhof in Bremen ab. Bei beiden Einrichtungen bemängelten die Tester vor allem fehlende elektronische Anzeigen mit aktuellen Informationen, nicht wettergeschützte Bussteige, das Fehlen jeglicher Serviceeinrichtungen und die mangelnde Barrierefreiheit.


Mängel am FernbusbahnhofKlicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern


Viele Bussteige nicht wettergeschützt


Bei den meisten getesteten Bahnhöfen sind die Informationsangebote für Fahrgäste mangelhaft. Elektronische Anzeigen mit aktuellen Informationen im Wartebereich oder an den Bussteigen fehlen bei einem Großteil entweder teilweise oder ganz. Nur in Hamburg, Hannover, München und Stuttgart sind solche Displays vorhanden. Durchsagen zu An- und Abfahrten der Busse gibt es nur im Ausnahmefall. 

 

Besonders ärgerlich: Viele Bussteige sind nicht wettergeschützt erreichbar, nicht überdacht oder beides. Nur in Hamburg, Mannheim und Stuttgart sind Fahrgäste durchgehend vor Niederschlag geschützt. An einigen Bahnhöfen sind die Übergänge vom Wartebereich zu den Haltepositionen nicht ausreichend verkehrssicher, da beispielsweise Bodenmarkierungen fehlen.

 

Ebenso besteht Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit. Automatische Türen oder ein durchgehendes Leitsystem für Sehbehinderte sind die Ausnahme. Viele Bussteige sind oftmals zu schmal für den Ein- und Ausstieg von Rollstuhlfahrern. Lediglich Stuttgart und Hannover gehen hier erneut mit gutem Beispiel voran. Der Hamburger Busbahnhof ist nur eingeschränkt barrierefrei: Hier gibt es weder ein Leitsystem für Sehbehinderte noch Behinderten-Parkplätze.


Einen ausführlichen Bericht zu dem Test finden Sie hier.


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