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Tachobetrug: Datenbanken zur Abwehr?

14.09.2016

Tachobetrug

Jährlich entsteht in Deutschland wegen manipulierter Tachos ein Schaden von etwa sechs Milliarden Euro. Immer wieder diskutieren Politik und Öffentlichkeit darüber, mithilfe von Datenbanken derartige Manipulationen zu bekämpfen. Doch der Nutzen von Datenbanken ist fragwürdig. Ein zusätzlicher technischer Schutz im Auto wäre sinnvoller.


Datenbanken sollen künftig die Kilometerstände von Autos, etwa bei einer Reparatur, Hauptuntersuchung (HU) oder Inspektion erfassen und damit die Manipulation des Wegstreckenzählers verhindern. Der Ansatz ist jedoch fragwürdig, da er Verbrauchern eine falsche Sicherheit suggeriert. 


Denn viele dieser Datenbankeintragungen würden erst mit der ersten Hauptuntersuchung (HU) beginnen, wenn das Fahrzeug bereits drei Jahre alt ist. Kriminelle, die ein Auto manipulieren und dadurch seinen Wiederverkaufswert steigern wollen, könnten beispielsweise vor einer HU den Kilometerstand des Pkw gezielt verändern. Das Ergebnis des vermeintlich echten, jedoch manipulierten Kilometerstandes bekommen sie dann mit der HU sogar noch behördlich bestätigt. 


Zusätzlich würden nach derzeitigem Stand die Anbieter der Datenbanken die Richtigkeit der kostenpflichtigen Datenbank-Abrufe offenbar nicht einmal gewährleisten.


Jährlicher Schaden in Milliardenhöhe


Durch Tachomanipulation entsteht der deutschen Volkswirtschaft ein Schaden von rund sechs Milliarden Euro pro Jahr. Am besten könnte man Verbraucher mit einer technischen Lösung schützen, nämlich durch eine fast manipulationssichere Speicherung des tatsächlichen Kilometerstands direkt im Fahrzeug. Aufwand und Kosten, den Kilometerstand dann trotzdem zu verändern, wären so hoch, dass sich die Manipulation nicht mehr lohnen würde. 


Das Zurückdrehen des Tachos ist derzeit technisch immer noch sehr leicht möglich, Manipulationsgeräte kosten etwa 150 Euro. Daher sind die Autohersteller gefragt. Sie müssten wirksame Sicherheitstechnologien zum Schutz in ihre Modelle einbauen. Eine Überprüfung der Schutzmechanismen ist durch neutrale Organisationen möglich, in Deutschland zum Beispiel durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).


Für Autofahrer entstehen durch Datenbanken Kosten


Ein weiterer Kritikpunkt an Datenbanklösungen ist finanzieller Natur. Jeder Abruf von Daten kostet Geld. Außerdem müssten die Werkstätten und andere meldende Stellen meist Gebühren zahlen, bevor sie Einträge in die Datenbank vornehmen dürfen. 


Praktisch werden diese Kosten damit auf den Verbraucher umgelegt. Einen echten Nutzen hat der Autofahrer davon aber nicht. Eine technische Lösung direkt am Pkw würde dagegen den Hersteller nur etwa einen Euro pro Fahrzeug kosten.


Haben Sie noch Fragen? Unsere ADAC-Rechtsberatung (nur für ADAC-Mitglieder) erreichen Sie unter 089/76762423 (Mo-Fr 8-18 Uhr). Weitere Infos, interessante Urteile und Rechtliches von A-Z finden Sie auch auf den Online-Seiten der ADAC-Rechtsberatung.


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