Straßenbankette: Abflug in den Tod

22.11.2016

Bankette

Fataler Augenblick: Ist ein Reifen im Straßenbankett, müssen Autofahrer Ruhe bewahren.

Täglich passieren schlimme Unfälle, weil Autofahrer in ausgewaschene Straßenbankette geraten. Die Ursache: meist Ablenkung. Die größte Gefahr dabei: die falsche Reaktion.


Die junge Frau ist auf dem Heimweg. Es ist Mittag, die Straße trocken, die Sicht gut. Trotzdem gerät das Auto auf der Landstraße mit den rechten Rädern in die Bankette – "ohne erkennbaren Grund", wie später im Polizeibericht stehen wird. Sofort versucht die 22-Jährige, ihren Kleinwagen zurück auf die Straße zu bringen. Doch das Auto schleudert, dreht sich – und kracht mit hohem Tempo rückwärts in ein entgegenkommendes Auto. Noch an der Unfallstelle stirbt die Fahrerin, der 46-Jährige Mann im anderen Pkw wird lebensgefährlich verletzt.


Der tragische Unfall, so passiert im Süden Bayerns, "hatte exakt denselben Verlauf wie viele, von denen man fast täglich in den Medien liest", sagt Hubert Paulus, Ingenieur und langjähriger ADAC Sicherheitsexperte. Er hat Dutzende Unfallberichte gesammelt und zahllose Unfallstellen inspiziert. Was er dort immer wieder sah: "Tief ausgefahrene Bankette neben der Fahrbahn – gefährliche Rinnen, in die man tunlichst nicht hineingeraten sollte." Doch genau das passiert häufig: 30.000 Autos kommen jährlich auf Deutschlands Landstraßen von der Fahrbahn ab, Hunderte Menschen sterben dabei. 


In mindestens jedem fünften Fall sind ausgewaschene Bankette die Crash-Ursache. ADAC Unfallforscher Thomas Unger: "Auch wenn es statistisch nicht erfasst wird, müssen wir bei vielen dieser Unfälle annehmen, dass die Person am Steuer abgelenkt war." Die Rechnung ist einfach: Drei Sekunden lang bei Tempo 80 aufs Handy geschaut oder einen Text getippt, schon ist man mehr als 65 Meter im Blindflug unterwegs. 


Wie die gefährlichen Rinnen entstehen 
Schnell nimmt das Unheil seinen Lauf: Rutscht das Auto seitwärts in eine ausgewaschene Rinne ab, ist der Mensch am Steuer – vor allem der Fahranfänger – erst einmal geschockt. Der Wagen gerät plötzlich in Schräglage, die Räder werden durch die hohe Asphaltkante wie von Schienen geführt. Wer jetzt im Schreck das Lenkrad nach links reißt, um sofort wieder auf die Fahrbahn zu kommen, riskiert sein Leben. Denn das eingeschlagene Vorderrad springt ruckartig über die Kante, das Auto schießt unkontrollierbar auf die andere Straßenseite. Wer Glück hat, fliegt dort in den Acker, wer Pech hat, kollidiert mit einem Baum oder dem Gegenverkehr.

Warum gibt es überhaupt so viele dieser riskanten Kanten? Verursacher sind meist schwere Lkw, Busse oder Landmaschinen, die bei Gegenverkehr auf den oft schmalen Landstraßen in die Bankette ausweichen und diese zusehends ausfahren. Mit der Zeit entstehen dann immer gefährlichere Stufen.

Oftmals werden diese Löcher dann nur notdürftig mit Schotter oder Bauschutt wieder aufgefüllt. "Das hält natürlich nicht lange", so Experte Paulus. Immerhin: Bei vollständiger Fahrbahnerneuerung werden Landstraßen immer häufiger gegen Bankette-Unfälle gesichert – durch Gittersteine am Straßenrand und Seitenmarkierungen mit rauer Oberfläche. Beides warnt den Fahrer durch Brummen oder Vibrieren beim Überqueren, bevor das Auto endgültig auf Abwege gerät. Gute Markierungen sind außerdem fürs Funktionieren eines Spurhalte-Assistenten wichtig. Doch Fakt ist: Ein Straßennetz ohne gefährliche Bankette ist Illusion, jeder Autofahrer muss mit ihnen rechnen. Und sollte sich deshalb unsere Sicherheitstipps gut einprägen:

Tipps vom ADAC: So reagieren Sie richtig

  • Aufmerksamkeit: Auf Landstraßen stets mit voller Konzentration fahren. Handy-Telefonate ohne Freisprecheinrichtung oder Nachrichten-Tippen und -Lesen sind absolut tabu. Am besten das Handy auf Flugmodus schalten, dann verleitet es nicht mit ständigem "Pling" dazu, es in die Hand zu nehmen. Navi-Ziele stets vor Fahrtbeginn eingeben. Mit fremden Autos erst losfahren, wenn die wichtigsten Bedienfunktionen klar sind. 
  • Keine Panik: Wenn Sie doch in die Bankette kommen sollten, auf keinen Fall ruckartig nach links lenken! Unbedingt in der Furche bleiben, behutsam bremsen und erst bei geringerem Tempo (20 bis 30 km/h) kontrolliert auf die Fahrbahn zurücksteuern. Keine Angst vor den schwarz-weißen Leitpfosten in Banketten. Die sind aus Kunststoff und fliegen schon bei leichter Berührung weg. 
  • Was das Auto angeht: Beim Neukauf – wenn möglich – einen Spurverlassenswarner oder Spurhalte-Assistenten ("Lane-Assist") mitordern. Dann achtet der Wagen mit Ihnen gemeinsam darauf, dass Sie stets auf der Fahrbahn bleiben. 

Quelle: ADAC Motorwelt 11/2016; Text: Claus Christoph Eicher; Foto: Theo Klein


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