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Müdigkeit am Steuer

Jeder fünfte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen. Bieten Assistenzsysteme Schutz?

Eine Umfrage der European Sleep Research Society brachte es an den Tag: 17 Prozent der deutschen Autofahrer sind in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal am Steuer ihres Autos eingeschlafen. Mit katastrophalen Folgen: Verschiedene Studien zeigen, dass in etwa jeder fünfte Unfall durch Müdigkeit ausgelöst wird.

 

Tatsächlich ist Müdigkeit – verursacht durch Schlafmangel und Tagesschläfrigkeit  – eine echte Volkskrankheit. Jeder vierte Deutsche klagt über Schlafstörungen, das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass jeder Dritte nur sechs Stunden oder weniger schläft. Und da wird es gefährlich. Denn nach 17 Stunden ohne Schlaf sinkt die Reaktionsfähigkeit des Menschen rapide. Die Reflexe sind dann vergleichbar mit jenen bei einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille. Wer also seinen Tag um 6 Uhr beginnt, mit dem Auto zur Arbeit fährt und sich abends noch mit Freunden trifft, muss gar keinen Alkohol trinken, um sich und andere bei der Heimfahrt gegen Mitternacht zu gefährden.

 

Noch riskanter sind lange Autobahnfahrten. Diese Straßen sind gut ausgebaut, oft geht es lange Zeit geradeaus. Professor Dr. Ingo Fietze von der Charité in Berlin: „Grundsätzlich gilt: Wer ausgeruht ist, hat auch auf solchen Strecken kein Problem. Aber je müder der Autofahrer ist, desto größer wird die Monotonie-Intoleranz. Das heißt: je langweiliger eine Betätigung, desto größer die Gefahr einzuschlafen.“

 

Gerade nachts schalten viele Fahrer deshalb unwillkürlich auf Autopilot. Die Straße ist frei, in ihrem warmen Fahrzeug fühlen sie sich sicher und geborgen. Erste Anzeichen von Müdigkeit werden ignoriert, das eigene Bett rückt schließlich immer näher. Und weil es immer mehr Autos auf Reichweiten von 800 km und mehr bringen, muss der Fahrer nicht einmal zum Tanken anhalten. Dringend nötige Pausen werden so noch seltener.

 

Inzwischen haben zwar fast alle Autohersteller Assistenzsysteme im Angebot, die den Autofahrer auf seine Müdigkeit hinweisen sollen. Meist erscheint im Display neben der freundlichen Frage „Brauchen Sie eine Pause?“ eine Kaffeetasse. Nicht das ideale Symbol, schließlich hilft Kaffee bei Müdigkeit nur vorübergehend.

 

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Von wegen! In einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) beklagten fast alle Befragten wiederholte Falschmeldungen ihrer Müdigkeitswarner. Jeder Zweite verzichtete selbst nach einem berechtigten Warnhinweis auf eine Pause. Motto: wird schon gutgehen. Prof. Dr. Barbara Deml vom Karlsruher Institut für Technologie: „Die Müdigkeitswarner sind nettes Beiwerk. Eigentlich sollte jeder Autofahrer selbst merken, dass er müde ist – dann kann er sich diese Investition sparen.“

 

Auch für Hubert Paulus vom ADAC Technik Zentrum in Landsberg sind die Müdigkeitswarner nicht der Weisheit letzter Schluss: „Viele Systeme piepen mal zu früh, mal zu spät. Besseren Schutz bieten Spurverlassens- und Kollisionsassistenten. Sie reagieren, nachdem der Fahrfehler passiert ist, halten das Auto auf der Straße oder bremsen es sogar ab.“ Gleichzeitig warnt er: „Kein Autofahrer darf sich allein auf die Technik verlassen!“

 

Text: Thomas Paulsen


Weitere Informationen über Müdigkeit und Tagesschläfrigkeit im Verkehr finden Sie unter www.adac.de/muedigkeit


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