Dein Auto ist mein Auto

Würden Sie Ihr Auto einem Fremden leihen? Immer mehr Leute machen genau das. Doch wie interessant – und riskant – ist das private Carsharing wirklich?


Da ist das Prachtstück: Vorsichtig hat Arne Erdmann seinen weißen Jeep Wrangler aus der schmalen Garage im Münchner Norden herausmanövriert. Vor zwei Jahren legte er ihn sich zu, es war eher ein Lust- als ein Vernunftkauf. Nur: Die meiste Zeit steht der Wagen ungenutzt herum. Genau wie viele andere Privatfahrzeuge. Andrej Cacilo vom Fraunhofer Institut: „Nur 54 Prozent der Haushalte bewegen ihren Pkw jeden Tag. Immer – auch während der Rushhour – parken 87 Prozent aller Autos am Straßenrand oder in der Garage.“


Eigentlich ist das Verschwendung. Und deshalb hat Erdmann seinen Jeep bei der Internet-Plattform tamyca eingestellt, wo Privatleute seit ihre Autos zum Carsharing anbieten können. Und so übergibt er seinen Wagen nun an zwei Redakteure der „ADAC Motorwelt“, die ihm bis vor wenigen Minuten noch völlig unbekannt waren. Hat er keine Angst um sein teures Fahrzeug? „Kein bisschen, bisher hat alles immer prima geklappt.“


Aus Sicht des Autobesitzers kann die Vermietung des eigenen Wagens ein gutes Geschäft sein: Arne Erdmann etwa hat über die Mieteinnahmen für seinen Jeep in diesem Jahr schon einen guten Teil seiner laufenden Versicherungskosten hereinbekommen. Und weil er sein Auto auf den Seiten der Vermittler jederzeit aus dem Angebot nehmen und Anfragen im Zweifelsfall auch ablehnen kann, muss er sich keine Sorgen machen, plötzlich ohne fahrbaren Untersatz dazustehen. 


Auch Autofahrern eröffnet tamyca* – genau wie die Konkurrenten autonetzer* oder nachbarschaftsauto* – ganz neue Möglichkeiten bei der Wahl eines Mietwagens. Beispiel Düsseldorf: Im Umkreis von wenigen Kilometern um den Stadtkern findet sich tatsächlich ein Auto für (fast) jeden Zweck. Das Angebot reicht vom VW Lupo (16 Euro für vier Stunden) über einen Ford Transit (31,70 Euro) bis zum kultigen Cabrio von Saab (39 Euro). Auch einige professionelle Autoverleiher mischen mit, unter ihnen ist die Firma Rhein Cars, deren Audi Q7 für 110,20 Euro zu haben ist. In München wird es noch exklusiver, neben vielen ganz normalen Autos stehen dort zum Beispiel ein Porsche 911 und ein Mercedes SLK zur Verfügung. 


Wer einen dieser Wagen mieten will, muss sich zunächst bei der jeweiligen Internet-Plattform registrieren, und zwar mit Adresse, Führerschein und Personalausweis-Nummer. Anschließend wird das passende Auto ausgewählt und eine Anfrage an den Anbieter geschickt, die Bestätigung abgewartet und ein Termin für die Schlüsselübergabe vereinbart. Die Internet-Plattform tritt dabei nur als Vermittler auf, sie organisiert den Versicherungsschutz und sorgt für die Zahlungsabwicklung. Der eigentliche Vertrag aber kommt zwischen Autohalter und Mieter zustande. Vor der Abfahrt unterzeichnen beide ein Übergabeprotokoll, das Schäden am Auto dokumentiert. 


Allerdings können sich die Mieter nicht darauf verlassen, beim privaten Carsharing stets das beste Angebot zu ergattern. Gerade wer den Mietwagen für einen vollen Tag oder längere Strecken braucht, findet auch bei traditionellen Autovermietern konkurrenzfähige Preise. Erdmanns Jeep muss diese Konkurrenz jedoch nicht fürchten. Denn sein Modell ist bei den meisten Mietwagenfirmen gar nicht zu bekommen.


Text: Thomas Paulsen


Was ist an versicherungs- und steuertechnischen Fragen zu beachten, wenn man sein Auto privat vermietet? Wir geben einen Überblick.


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