So haben wir getestet

Der Kindersitz-Vergleichstest wurde vom ADAC gemeinsam mit zwei europäischen Automobilclubs und der internationalen Verbraucher-Organisationen ICRT (International Consumer Research and Testing) – unter anderem vertreten durch die Stiftung Warentest – im Laufe des vergangenen halben Jahres durchgeführt. Es war das Ziel, das Angebot auf dem Markt möglichst umfassend darzustellen, wobei die Vielzahl der Produkte eine Vorauswahl durch die Testpartner erforderlich machte. 


Da die Ergebnisse von 2011 bis heute direkt vergleichbar sind, bezog sich die Produktauswahl nur auf Produkte, die seit 2011 noch nicht vom ADAC getestet worden sind.


33 Produkte – 28 davon sind in Deutschland erhältlich – aus allen fünf Gewichtsklassen wurden ausgewählt und in Bezug auf Sicherheit (Frontal- und Seitenaufprall), Bedienung, Ergonomie, Reinigung und Verarbeitung sowie Schadstoffgehalt getestet. Die Tests zur Ermittlung des Kinderschutzpotenzials bei einem Unfall wurden mithilfe von Frontal- und Seitenaufpralltests im ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech durchgeführt. Die Automobilclubs aus Österreich (ÖAMTC) und der Schweiz (TCS) überprüften die Handhabung der Kindersitze. Die Schadstoffprüfungen wurden von einem externen Labor im Auftrag der Stiftung Warentest übernommen, Stiftung Warentest wertete die Ergebnisse selbst aus.

Die Kindersitze der Modelljahre 2014 wurden überwiegend von den ICRT Partnern europaweit anonym bei Fachhändlern eingekauft. Sie mussten den gesetzlichen Regelungen ECE-R 44-04 oder ECE-R 129 entsprechen. Deckt ein Sitz mehrere ECE-Klassen bzw. Einbauarten ab, wurden diese getrennt getestet. Weitere Auswahlkriterien waren zudem, ob das Produkt neu auf den Markt gekommen ist, und ob es große Marktbedeutung hat. Ausgewählt wurde auch danach, ob ein Produkt seit dem vergangenen Test überarbeitet wurde oder ob es hohe regionale Bedeutung hat.

Es wurde davon ausgegangen, dass ISOFIX-Kindersitze überwiegend mit ISOFIX montiert werden. Somit wurden die Bewertungen der Einbauart „ISOFIX“ vorrangig zur Berechnung des ADAC Urteils herangezogen. Wenn ein solcher Sitz alternativ auch mit dem Fahrzeuggurt montiert werden konnte, wurde die Einbauart „Fahrzeuggurt“ nur zur Kommentierung verwendet. Sofern das Ergebnis der Montageart „Fahrzeuggurt“ jedoch „mangelhaft“ war, wurde es als ADAC Urteil angegeben. Für die Bewertung der Sitze wurde das jeweils schlechteste Ergebnis herangezogen, das in einer einzelnen Gewichtsklasse bzw. Einbauart erzielt worden war. Denn, sofern ein Sitz für mehrere Gewichtsklassen bzw. Einbauarten ausgelegt ist, muss er dem größer werdenden Kind während der gesamten Gebrauchszeit maximale Sicherheit bieten.

Testkriterien und -methodik: Um die Kindersitze in puncto Sicherheit zu prüfen, wurden sie einem Frontalaufprall (in Anlehnung an die Zulassungsversuche nach ECE-R 44, jedoch bei höherer Unfallschwere) und einem Seitenaufprall unterzogen. Dabei wurden unterschiedlich große Dummys in Sitz- und Ruheposition eingesetzt. Die Sitze wurden auf einen Prüfschlitten montiert, auf dem die Karosserie eines fünftürigen VW Golf VI angebracht worden war. Der Frontalaufprall wurde mit 64 km/h, der Seitenaufprall mit 50 km/h simuliert.

Beim Frontalaufprall wurden Kinderdummys aus der Q-Serie und der P10 eingesetzt. Die Q-Dummys sind die Nachfolgebaureihe der P-Dummys. Nach hinten gerichtete Sitze wurden mit dem größtmöglichen Dummy geprüft. Nach vorne gerichtete Sitze erhielten einen kleinst- und einen größtmöglichen Dummy. Der Grund: Der kleine Dummy liefert in rückwärtsgerichteten Kindersitzen keine neuen Erkenntnisse, in vorwärtsgerichteten jedoch schon.

Die Kindersitze waren an der Fahrzeug-Rücksitzbank montiert. Sofern zugelassen, wurden die Kindersitze mit Gurt- und ISOFIX-Befestigung fixiert. Beim Seitenaufprall waren die Sitze ebenfalls auf der Rückbank mit feststehender Türe montiert. Vier Hochgeschwindigkeitskameras hielten die Crashversuche im Film fest. Die Anforderungen dieser Prüfungen lagen deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen der Kindersitz-Regelung ECE-R 44.

Ebenso ging es bei den Tests darum herauszufinden, wie leicht die Sitze im Fahrzeug eingebaut, wie fest sie installiert und wie sicher die Kinder angeschnallt werden können. Der Gurt muss sich schließlich optimal an ein Kind anpassen lassen. Für die Prüfung kamen erfahrene Tester sowie Laien zum Einsatz.

Die Prüfer nahmen den Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz und die Kopfabstützung unter die Lupe. Ebenso wurde geprüft, wie ergonomisch ein Sitz gestaltet ist, also wie viel Platz ein Kind beim Sitzen hat, wie viel Platz der Sitz im Fahrzeug benötigt und wie gut Sitzposition sowie Komfort sind. Die Sitze wurden für diesen Zweck in ein drei- und fünftüriges Fahrzeug und in einen Van eingebaut (Fiat 500 dreitürig, Golf VI fünftürig, Ford Galaxy). Auch wurde der Frage nachgegangen, wie leicht der Bezug der jeweiligen Kindersitze abzunehmen und zu waschen war. Gecheckt wurde die Verarbeitung hinsichtlich sicherheitsrelevanter Mängel, etwa scharfer Kanten.

Seit 2011 werden auch die Schadstoffe eines Kindersitzes geprüft. Dabei geht es um jene Teile, mit denen ein Kind in Kontakt kommt, etwa der Sitzbezug. Angelehnt an die GS-Prüfung, die „REACH“-Richtlinie, „Ökotex 100“ u. a., wird zum Beispiel der Gehalt an Weichmachern, Farbstoffen, Schwermetallen, Formaldehyd und Phenolverbindungen überprüft.

Die Ergebnisse: Die Test-Ergebnisse der einzelnen Modelle wurden in einer Tabelle zusammengestellt. Nur die in Deutschland erhältlichen Produkte werden auf der Homepage des ADAC vorgestellt. Jedes einzelne Produkt wurde beurteilt und mit Informationen versehen (Beschreibung, Montage, Preis) sowie mit Angaben zu dessen Stärken und Schwächen. Das Testurteil ergibt sich aus den Ergebnissen der Kriterien „Sicherheit“, „Bedienung“ sowie „Ergonomie“. Ein erhöhter Schadstoffgehalt führt zu einer Abwertung. Die Benotung erfolgt in fünf Notenstufen, von „sehr gut“ bis „mangelhaft“. Bei sicherheitsrelevanten und besonders wichtigen Kriterien (z. B. Gefahr der Fehlbedienung) können schlechte Einzelnoten zur Abwertung der übergeordneten Bewertung bzw. des ADAC Urteils führen. Details zur Ermittlung des ADAC Urteils sind auf der Internetseite des Kindersitztests unter „Methodik und Hintergrund“ zu finden.

Die Anforderungen im ADAC Kindersitztest sind höher als bei der amtlichen Zulassung. Diese ist in der EU-Regelung ECE-R 44 beschrieben. Die aktuelle Version ist derzeit die ECE-R 44-04. Während die amtliche Zulassung eine Mindestanforderung darstellt, stellt der ADAC beim Kindersitztest schon seit Jahren deutlich höhere Anforderungen. Im Gegensatz zur amtlichen Zulassung gehört schon seit 2001 ein Seitencrash zum Testprogramm des ADAC. Dieser Teil des Kindersitztests ist besonders wichtig, weil durch die geringe Knautschzone das Verletzungsrisiko deutlich höher ist als bei den häufigeren Frontalkollisionen. Im Rahmen der im vergangenen Jahr erschienenen ECE-R 129 gibt es einen Seitencrashtest, diese neue Regelung ist aber noch nicht für alle neuen Produkte zwingend vorgesehen bzw. gültig.

Qualitätssicherung: Seit 2003 wird der Kindersitztest von einem Konsortium aus europäischen Automobilclubs und Verbraucherschutzorganisationen durchgeführt, ausgewertet und veröffentlicht. Die Durchführung und Bewertung der Tests wird regelmäßig an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Die Testergebnisse der Jahre 2007 bis 2010 sind direkt vergleichbar. 2011 wurde der Test überarbeitet. Die Tests der Jahre 2011 bis 2014 sind wiederum direkt vergleichbar.

Grundlage für die Versuchsabläufe waren interne Qualitätssicherungsmaßnahmen, etwa eine Checkliste zur Untersuchungsdurchführung sowie Prüf- und Kalibrierungsanweisungen und Handbücher zur QM. Diese werden regelmäßig von externen Auditierungsunternehmen überprüft. Bei der Versuchsauswertung wurden alle Messdaten und Videos von mehreren Mitarbeitern unabhängig auf Plausibilität überprüft. Zudem übermittelt die Stiftung Warentest den Herstellern bzw. den Importeuren die in den Versuchen ermittelten Messwerte im Rahmen der Anbieter-Vorinformation zur Prüfung.


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